Ausfahrt: Lamborghini Countach

Ausfahrt: Lamborghini Countach

Gut in Form

Eines der Meisterstücke in der 50jährigen Lamborghini-Geschichte ist der atemberaubende Countach. Das mobile.de Magazin lieh sich einen aus, um den Geburtstag angemessen zu genießen.

12. Februar 2013

50 Jahre können einen lange Zeit sein. Bei Männern ist es spätestens dann mit der vollen Haarpracht nicht mehr so weit her, und einen Sixpack gibt es meist nur im Kühlschrank statt über dem Gürtel. Bei Lamborghini ist das anders: Als die Firma ihren Stil gefunden hatte, produzierte sie auch im 50. Jahr ihres Bestehens Traumwagen am laufenden Band.

Vor über 40 Jahren war das nicht anders. Er war der Star des Genfer Automobilsalon 1971, doch alle waren sich sicher: Bertones Stilstudie namens Lamborghini Countach wird niemals in die Serienfertigung gehen. Zu unpraktisch, zu extrem, zu weit seiner Zeit voraus. Es kam anders.

 

 
 

Im ZeitHaus fündig geworden

Die Fahrt im Countach soll erfahrbar machen, was der Kern der Marke Lamborghini sein könnte. Jedoch: Falls man keinen eigenen besitzt, ist die Chance auf so ein Ereignis überschaubar groß. Doch das Wolfsburger ZeitHaus machte das Unmögliche möglich: Es lieh dem mobile.de Magazin das Schmuckstück aus - einen der frühen und mittlerweile sehr kostbaren LP 400. Ohne jeden Namenszusatz, der Countachs oft bezeichnet.

Das „S“ in der Modellbezeichnung späterer Versionen steht für die Modelle mit überarbeitetem Fahrwerk, kräftigen Kotflügelverbreiterungen und meist noch dem V-förmigen Heckspoiler. Nur 158 Stück wurden vom frühen LP 400 gebaut, zu Tode geritten, zu S-Modellen umgebaut oder als Ersatzteillager missbraucht. Wie viele noch existieren ist unklar.

Das Wolfsburger ZeitHaus ist Teil der VW-Autostadt und zeigt Meilensteine der Automobilgeschichte. Diese Autos stehen nicht nur herum und stauben ein, sondern werden regelmäßig bewegt.

Spaß in der Stadt

Der Countach steht zum Ausflug bereit. Im Stadtverkehr hilft die bessere Übersichtlichkeit im Vergleich zu den späteren S-Modellen, die auch noch breiter sind. Man kann sogar den Rückspiegel benutzen, bloß nach schräg hinten bleibt die Sicht versperrt.

Spurwechsel müssen deshalb in bewährter Lamborghini-Methode vorgenommen werden: Gas geben und hoffen, dass keiner in den Toten Winkel gefahren ist. 375 PS lauern auf ihren Einsatz, und auch wenn dieses frühe Exemplar des Zwölfzylinder-Motors eher auf Drehzahl denn auf Drehmoment setzt, kann dem Schmuckstück kaum einer folgen.

Nicht laut, aber sehr mechanisch

Die einsame Landstraße ist erreicht, der Zwölfzylinder auf Betriebstemperatur. Ohne Verschlucken setzt er Befehle des Gaspedals sofort um, gleichzeitig ergibt sich die Lamborghini-typische Geräuschkulisse aus vielen mechanischen Geräuschen. Und wie es abgeht. Der LP 400 ist 325 Kilo leichter als seine Nachfolger. Und das setzt er um.

Elegantes E-Kadett-Cabrio

Der Countach schwingt sich in die Kurven ein. Schnell fasst man Vertrauen und freut sich über die präzise Reaktion auf Lenkbewegungen. In einem Lamborghini ist der am schnellsten, der den Wagen mit wenigen, aber wohldosierten Bewegungen bedient.

Für jede Situation findet sich die passende Übersetzung, der Motor schiebt bei Bedarf brutal nach vorn und steigert sich zu jenem herrlichen Röhren, welches nur Lamborghini so hinbekommt. Die Landstraße mit ihren geschwungenen Wechselkurven lässt sich ohne jedes Problem bewältigen - stabil und mit unerwarteter Leichtigkeit zieht der LP 400 seine Bahn.

Und als das Zutrauen steigt, wird’s auch dynamischer. Die Gangwechsel sitzen, der Motor drückt unendlich, alles passt.

Ein Countach ist ungefiltert und einfach pur

Dieser LP 400 hat schon alles, was den Countach und seine Nachfolger auszeichnen wird und von seinen Konkurrenten abhebt, die Vergleichbares nie geschafft haben: Diese Präzision, das pure, mechanische Fahrgefühl und ein gewisses Desinteresse an den Komfortbedürfnissen des Fahrers.

Hier geht es um Leistung und Geschwindigkeit, der Rest ist Beiwerk.

Mehr in der Bildergalerie.

Text: SH