mobile.de: Silvretta Classic 2012

Reportage: 15. Silvretta Classic

Ab durch die Berge!

Die Silvretta Classic gilt als eine der schönsten Rallyes für klassische Autos. Da wollte mobile.de nicht abseits stehen und nahm mit einem VW Porsche von Volkswagen Classic teil.

9. Juli 2012

Die Silvretta Classic hat tatsächlich schon von der Papierform her etwas. Zum Beispiel, dass am ersten Tag kurz nach dem Start der Aufstieg zur berühmten Silvretta-Hochalpenstraße ansteht. Kaum sind die Maschinen lauwarm, müssen sie schon schwer ran.

32 enge Kehren, die selbst leistungsstarke Klassiker zum Runterschalten in den ersten Gang zwingen, gilt es zu bezwingen. Kaum oben angekommen, wird manchen Motoren schon die Ansaugluft knapp: Immerhin steht man auf der Bieler Höhe, und die ist mit 2.037 Metern auch der höchste Punkt der Rallye.

 
 

Wir sind dabei!

Grund genug für das Team von mobile.de sich in das Teilnehmerfeld einzugliedern. Unsere Jungs am Start: Timo Joost, Social Media Manager von mobile.de direkt sowie Christian Plagemann, Manager Strategic Projects von ebay Motors. Dank einer Kooperation mit Volkswagen Classic sind wir auch bestens gerüstet.

Mit großem Einsatz unterstützt Volkwagen die Silvretta jedes Jahr. Für uns haben sie einen piekfeinen Porsche 914 aus den Hallen des Wolfburger ZeitHauses gerollt. Unser gelbes Spielmobil sollte sich noch als ideale Wahl erweisen. Zwar ist es „nur“ der Vierzylinder (es gab auch eine heute sehr gesuchte Version mit Sechszylinder aus dem Hause Porsche), doch das fällt nicht weiter ins Gewicht.

Wobei wir schon beim Thema wären. Dank weniger Kilos auf den Rippen sowie des feinen Mittelmotor-Konzeptes, fliegt der 914er nur so um die Ecken. Der zweite Vorteil ist das Targadach. Mag es noch so schütten, es hält zuverlässig dicht, und in den sonnigen Stunden findet es schnell seinen Platz im hinteren Kofferraum.

Eines für alle

Das Schöne an der Silvretta ist, dass es ein Event für alle ist. Das älteste Auto ist der Simplex des Teams Steim / Heitzmann. Mit vollem Namen „Simplex La-France Roadster“ ist er ein Meister des Weglassens. Was die Konstrukteure damals für en Vogue hielten, präsentierte sich 1914 so: Kein Dach, keine Vorderradbremsen, dafür aber satte 9,6 Liter Hubraum mit 75 PS aus einem Sechszylinder. Beim ersten Kennenlernen verzückt der Simplex noch mit einem zurückhaltenden Anlassergeräusch. Dann aber geht’s richtig zur Sache: Von Dämmmaterial für den Auspuff hielten seine Erbauer offensichtlich auch nicht viel.

Neben diesem Sportmonster stehen völlig ungezwungen ein engagiert gefahrener Fiat 600 von 1956 mit vollzählig versammelten 23 PS oder ein Golf GTI der ersten Serie. Man hat keine Berührungsängste hier, denn dessen Besitzer und Fahrer ist der meist bestens gelaunte Ex-Rennfahrer Hans-Joachim „Strietzel“ Stuck.

Pioniere von heute

Allerdings, es gibt sie auch hier: Die Ach-hätte-man-bloß-Autos. Sofort überkommt einen ein schlechtes Gefühl: Ob Porsche 911 der G-Modellreihe, Mercedes SL oder VW Busse: Hätte man vor ein paar Jahren zugeschlagen, dann könnte man sich über Wertzuwächse jenseits der 100%-Marke freuen.

Die Veranstalter haben vor zwei Jahren eine wegweisende Entscheidung getroffen. Seitdem starten neben den rund 180 Klassikern auch hochmoderne Pioniere, die meist das Prototypenstadium noch nicht verlassen haben: Es gibt gleichzeitig die Silvretta E-Auto-Rallye. Das Programm der 30 Elektroautos, die im normalen Teilnehmerfeld mitfahren, ist kaum weniger anspruchsvoll als das der Verbrenner.

Das wäre doch mal was: Der Beginn einer neuen Zeitrechnung, in der Alt gegen Jung antritt – da stehen Chancen am Straßenrand!

Hundertstel zählen

Doch wir sind ja nicht zum Spaß hier, zumindest nicht offiziell. Um bei der Silvretta vorne mit dabei zu sein, muss man nicht jede Kurve auf der Türklinke nehmen. Im Gegenteil: Mindestens zwei Stoppuhren, Geduld und ein gutes Gefühl am Gas sind wesentlich bessere Garanten.

Die Silvretta besteht aus den landschaftlich wunderschönen Verbindungsetappen sowie den eigentlich zählenden Wertungsprüfungen. Eine fest definierte Strecke, beispielsweise 100 Meter, muss dabei in einer genau vorgegebenen Zeit durchfahren werden. Gemessen wird mit Lichtschranke oder Druckschlauch, der einen Kontakt auslöst. Das ist im Prinzip genauso leicht, wie es sich anhört. Allerdings: Das wissen alle. Und deshalb ist das Niveau hier ebenso hoch wie bei Rundstreckenrennen. In teils jahrelanger Übung werden die Strecken wieder und wieder geübt.

Resultat: Zwischen den Plätzen liegen kaum mehrere Hundertstelsekunden. Unser Team gönnt sich einen Lehrgang, der direkt vor dem Rennen von jedermann belegt werden kann. Über die Tage kommen wir gut in Form: Nach dem ersten Tag sind wir 34. in der Gesamtwertung. Wir haben Blut geleckt und machen kaum noch Fehler. Am Ende gehen wir als 20. aus der Gesamtwertung, in unserer Klasse sind wir Sechster.

Wir kommen wieder!

Was bleibt? Die Silvretta ist genau die landschaftlich faszinierende Rallye, als die sie gilt. Über 550 Kilometer haben wir sechs Pässe überquert, nur einer davon liegt knapp unter 1.500 Höhen-Metern. Selbst das teils wechselhafte Wetter hat uns nicht gestört – das hat schon was, im Tal bei Regen zu starten, durch die Wolken zu fahren und oben im strahlenden Sonnenschein anzukommen.

Trotzdem, unser Respekt gilt allen Piloten der grundsätzlich offenen Autos, wie beispielsweise den Alvis-Pilot(inne)n. So bleiben zum Abschluss nur zwei Bitten an die Veranstalter und Volkswagen Classic: Am dritten Tag wären wir am liebsten noch mehr gefahren, und beim nächsten Mal hätten wir den Porsche 914 gerne behalten. Geht das?

Ansonsten: Alles bestens. Wir kommen wieder!

Tolle Bilder der von der Silvretta in der Bildergalerie.