Nostalgie: VW Golf GTI

Nostalgie: VW Golf I GTI

Schwarzes Schaf

VW in den 70er Jahren: Mit dem Golf war man modern, doch blieb immer noch brav und bieder. Der GTI sollte das ändern. Noch heute liefert die 110 PS-Rennsemmel Fahrspaß vom Feinsten

1974 war im Hause VW Revolution angesagt. Der Golf brach mit allen Traditionen. Von Heckantrieb mit Heckmotor auf Frontmotor mit Frontantrieb umzusteigen, das kam dem Sturm auf die Bastille gleich. Design-Legende Giugiaro hatte das Blechkleid des Wagens entworfen - und das des ersten Passat (1973) und Scirocco (1974) noch dazu.

Der Käfer war über Nacht uralt. Doch so modern die neuen Autos auch wirkten - sportlich war die Marke VW damit noch lange nicht, nicht einmal mit dem Scirocco.

 

Von der Kleinserie zum Verkaufshit

Das sollte der GTI ändern - ein Golf im Trainingsdress, ein schwarzes Schaf mit zunächst eher widerstrebendem Segen der Konzernleitung. Eigentlich wollten die Wolfsburger 1976 nur eine kleine Serie von 5000 Exemplaren fertigen und pflanzten dem Wagen das 1,6 Liter große und 110 PS starke Aggregat aus dem Audi 80 GTE unter die Haube.

Frech hatte Volkswagen das GTI-Logo an der linken Kühlergrillseite platziert, damit man es im Rückspiegel bloß nicht übersah. Nackte Blechstoßstangen zeigten schon nach außen, dass man bei diesem Auto alles Überflüssige weggelassen hatte.

110 PS treffen 900 kg

Selbst nach heutigen Maßstäben fährt sich die erste Generation des Golf GTI immer noch sportlich. Unter der eckigen Haube röhrt der 1,6 Liter große Vierzylinder-Einspritzer unternehmungslustig vor sich hin. Die Hände umklammern das Dreispeichen-Volant, wegen seiner becherförmigen Nabe auch Spucknapf-Lenkrad genannt.

Die Kupplung lässt sich nur schwer dosieren und 110 PS klingt nicht nach viel. Aber schon beim ersten Sprint merkt man, wie federleicht der Wagen ist. Keine 900 Kilo bringt er auf die Waage. In 9,2 Sekunden von 0 auf 100 Sachen und Tempo 80 bereits nach sechs Sekunden - damit war man wer auf dem Weg zur Disko.

Popometer

Allerdings: Erst ab 5000 Touren geht im GTI so richtig die Post ab. Das Popometer freut sich derweil über die schwarz-roten Karo-Sitze und versucht, durch das weiche Polster die Rückmeldung von der Fahrbahn zu analysieren.

"Sportlich-straff" wäre im Vergleich mit modernen Raumlenkerachsen bei den alten GTI-Beinen zuviel gesagt. Und man muss schon mit Nachdruck am Lenkrad zerren, damit der Wagen das macht, was man will.

Irrsiniger Preis

Der erste GTI wurde ein Verkaufsschlager, und das trotz des astronomischen Preises von 13.850 D-Mark (ein Standard-Golf war 1976 schon ab 9.200 Mark zu haben). GTI-Piloten genossen einfach den Überraschungseffekt, wenn so mancher Sportwagen-Pilot plötzlich für ein Allerweltsauto aus Wolfsburg die linke Spur räumen musste.

Lange blieb der Pistenschreck aus dem Hause Volkswagen allerdings nicht allein. Sein Erfolg rief in den 80er Jahren zahlreiche Nachahmer auf den Plan, vom Peugeot 205 GTI bis zum Opel Kadett GSi.

Der "Hot Hatch" (heißes Schrägheck) aus Wolfsburg ist bis heute im Programm, die Leistung der aktuellen Generation hat sich im Vergleich zum Urmodell fast verdoppelt. Unverbastelte Originale der ersten Serie sind mittlerweile selten geworden und oft in festen Sammlerhänden.

Text: Press-Inform / Sebastian Viehmann