mobile.de: Mille-Miglia-Käfer

Mille Miglia Käfer

Rennkäfer

Beim Namen Mille Miglia denken die meisten an BMW 328, Mercedes 300 SLR oder Bugatti Typ 35. Doch auch der VW Käfer sorgte auf dem spektakulärsten Straßenrennen der 50er für Aufsehen.

2. Juli 2012

Mit über 25 Millionen verkauften Modellen ist der VW Käfer eines der erfolgreichsten Autos der Welt. Im Motorsport machte das rundliche Nachkriegsauto nur selten von sich reden. Dabei sorgten einige Sonderanfertigungen selbst auf der legendären Mille Miglia für Aufsehen.

 

Außen VW - innen Porsche

Statt der 30-Boxer-PS des Serien-Käfers brabbelte bei ihnen ein kräftiges Porsche-Aggregat mit 1,6 Litern Hubraum - dem Traumsportler 356 entnommen. Offiziell sollten die wenigen, in Handarbeit erstellten Mille-Miglia-Käfer 75 PS Leistung haben.

Doch es war kein Geheimnis, dass die Mille-Käfer im Renntrimm bis zu 90 PS hatten - dreimal so viel wie ein Serienmodell.

Ein ganz normaler Käfer - fast

Am Steuer benimmt sich der Mille-Miglia-Käfer wie ein ganz normaler Artgenosse. Die Instrumentierung ist dünn, das weiße Bakelit-Steuer spindeldürr und auch sonst deutet nicht viel auf die Motorsportambitionen hin - abgesehen von den beiden Aluminiumsitzschalen aus dem Porsche 550 Spyder.

Die windigen Wischer kann man sich bei Regen getrost sparen, und die Scheinwerfer spenden trotz Zusatzleuchten kaum wertvolles Licht. Rücksicht wird durch die winzigen Innen- und Außensiegel nicht gerade groß geschrieben.

Durch den Verbau des 356er-Innenlebens ins Heck des Wolfsburgers gibt es Dank Doppelvergaser die grandiose Leistungsspritze auf knapp 90 PS.

Auf der Mille Miglia

Angesichts der Konkurrenz von Mercedes 300 SLR, Alfa Romeo 8C Monza oder Ferrari 340 reichte jedoch auch die zusätzliche Motorleistung nicht zu einem Gesamtsieg oder wenigstens einem der vorderen Plätze auf dem 1.600 Kilometer langen Straßenrennen durch Italien.

Bei den nicht enden wollenden Hochgeschwindigkeitspassagen in der Po-Ebene oder nördlich von Rom sah es mit einer Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h düster aus. Die besten Konkurrenten schafften mit Piloten wie Stirling Moss oder Alberto Ascari am Steuer knapp 300 km/h.

Auf den kurvigen Passagen der Pässe Futa oder Raticosa konnte der Mille-Miglia-Käfer seine Stärken allerdings ebenso ausspielen wie bei den gefährlichen Stadtdurchfahrten. So reichte es für die Spezial-Käfer immerhin für ein paar Klassensiege.

Gemischter Fahreindruck

Während Fahrwerk und Bremsen für den italienischen Renneinsatz nachgeschärft wurden, blieb die schwammige Lenkung des Käfers abgesehen von den etwas breiteren Pneus so, wie sie war.

Durch das Heckmotorkonstrukt bringt der heimliche GTI-Vorfahr seine Leistung auch heute noch grandios auf die Straße. Der Mille-Miglia-Käfer mag es gerne einen Hauch rutschig, dann dreht das Heck bei Kehren besonders willig ein.

Die Viergangschaltung mit dem unsynchronisierten ersten Gang hat wenig sportliches und verlangt bisweilen nach einer festen Führung. Im Fahrbetrieb erledigen die Gangstufen zwei und drei den meisten Teil der Arbeit. Im vierten Gang hat der 1,6 Liter große Vierzylinder nichts mehr zuzusetzen. Hier wird bei schnellem Tempo nur noch gerollt.

Hier unterscheidet sich das Mille-Miglia-Modell nicht von seinen Millionen von Käfer-Brüdern.

Text: Press-Inform / Stefan Grundhoff