mobile.de: Die Legende Dino 246

Legende Dino 246

Ferrari ohne Namen

Sein Leben lang führte dieser Sportler ein Schattendasein. Der Dino durfte den großen Namen Ferrari nie tragen.

Danny Wilde (Tony Curtis) ist kein Zauderer. Er überlegt nie lange. Die eine Hälfte von "Die Zwei", der TV-Kultserie der 70er, ist ein Mann der Tat. Zackzack. Der andere, Lord Brett Sinclair (Roger Moore), dagegen ist distinguiert, zurückhaltend, reflektiert - auch ein bisschen affektiert. Und "very british". Darum fährt Ihre Lordschaft auch Aston-Martin oder Monteverdi. Und der wilde Wilde tobt im Ferrari herum.

In einem, der eigentlich gar nicht Ferrari heißen darf, sondern nur Dino. Zu Ehren von Enzo Ferraris früh an Leukämie verstorbenem Sohn Alfredino - "Dino". Warum kein Ferrari? Weil er keine zwölf Zylinder hat, sondern derer nur sechs. Das ist irgendwie nicht standesgemäß. Dabei sieht er hinreißend aus. Und der Klang erst! Das kommt dabei heraus, wenn man jeder Zylinderreihe gleich zwei Auspuffrohre spendiert.

 

Fiat trifft Ferrari

Das Triebwerk ist das Kind einer geglückten Liaison von Ferrari und Fiat. Von Fiat kamen die Einzelteile, bei Ferrari wurden sie neu zusammengesetzt und veredelt: Entsprechende Maßnahmen brachten eine Leistungssteigerung um 20 auf 180 PS. Wohlgemerkt: aus 2,0 Litern Hubraum, die sich auf die sechs in 65-Grad-V-Form angeordneten Zylinder verteilten.

Der V6-Motor war seinerzeit hypermodern: Es bestand aus Leichtmetall und hatte vier oben liegende Nockenwellen, das Superbenzin wurde in sechs Weber-Doppelvergasern aufbereitet. Eine weitere Besonderheit: Der ohnehin schon recht kompakte Motorblock war mit dem Fünfganggetriebe und dem Differenzial zu einer Einheit zusammengebacken. Alles saß dann quer vor der Hinterachse. Ein Mittelmotor-Coupé also.

Damals waren diese zumindest auf der Straße rar. Für entsprechende Furore hatte der 1966 präsentierte Lamborgini Miura gesorgt, bei dem der Motor ebenfalls quer vor der Hinterachse saß. Der hatte allerdings vier Liter Hubraum und zwölf Zylinder - das ganze Auto spielte in einer höheren Liga. Eher dorthin gehört auch ein weiterer Mittelmotor-Renner jener Ära: der DeTomaso Mangusta.

Knapp 4.000 Fahrzeuge

Das am meisten verbreitete Modell des Dino war der 246 GT. Von diesem und der Targa-Version 246 GTS wurden zwischen 1969 und 1974 zusammen knapp 3.800 Exemplare mit Stahlkarosserie gefertigt.

Den Aufsehen erregenden Anfang hatte jedoch auf dem Turiner Autosalon 1967 der 206 GT gemacht. Diese Weiterentwicklung zweier Studien ging schließlich nur wenig verändert in Serie. Mit Aluminium-Haut, ohne die Plexiglas-Hauben über den Scheinwerfern - die man gleichwohl zusätzlich ordern konnte - und mit jenen seitlichen Ausstellfensterchen, die damals so beliebt waren und zeitlos praktisch sind.

Leicht und schnell

Der Wagen wog nur rund 1.080 Kilogramm, war 225 km/h schnell und der Motor drehte bis über 8.000 Touren. Das bekam ihm dem Vernehmen nach nicht nur gut. Und vielleicht entschloss man sich deshalb bei Ferrari zu einer Hubraumvergrößerung. Es war dann im Frühjahr 1969 so weit - stilecht auf dem Autosalon in Genf. Das Auto hieß von da an 246 GT, hatte 2.418 ccm Hubraum und leistete 195 PS bei etwa 7500 U/min. Er galt als rundum zuverlässiger und dauerhafter als der 206.

Trinkgelage

Zumindest Letzteres dürfte stimmen, denn es sind noch erstaunlich viele 246-Dinos am Leben. Der Neue war jetzt aufgrund der Stahlkarosserie - und weil man nun auch für den Motor preiswertere Gussteile verwendete - mehr als drei Zentner schwerer. Das schlug aber nicht auf die damals beeindruckenden Fahrleistungen durch: 7,4 Sekunden zum Landstraßenlimit und gut 238 km/h Spitze attestierte der auto motor und sport-Test damals. Der Verbrauch allerdings war enorm.

Der Targa war sehr beliebt

Die Tankdeckelklappe war beim 246 nun in der linken Dachfinne untergebracht. Und ziemlich bald verschwanden die kessen Schnellverschlüsse der Alu-Räder von Rudge für die 195/70-VR-14-Reifen von Michelin zugunsten sehr viel profanerer Bolzen.

Optisch auffälliger und zweifellos wichtiger war indes die Einführung der Targa-Version 246 GTS mit ihrem herausnehmbaren Dacheinsatz vor dem Überrollbügel. Klar, dass sie vor allem in sonnigen Gegenden besonderen Anklang fand, zum Beispiel in Kalifornien. Dort wurden dem Dino allerdings wegen der US-Vorschriften in punkto Sicherheit und Abgasen ein paar Zähnchen gezogen: 20 PS weniger hatten rund 25 Kilogramm Mehrgewicht zu bewegen.

Extras folgen

Konzessionen an den amerikanischen Geschmack waren auch nach und nach lieferbare Extras wie Klimaanlage, elektrische Fensterheber, Stereo-Kassettenradio und ein zweiter Außenspiegel. Aber solche Weichmacher vermochten dem frechen Floh nichts von seinem jungenhaft ungezogenen Charme zu nehmen. Damit passte er auch wie kein anderes Auto zu Danny Wilde, der damit bevorzugt im gebirgigen Hinterland der Cote d'Azur böse Buben jagte.

Text: Press-Inform / Tobias Renk