mobile.de: Kfz-Versicherungsherbst

Kfz-Versicherungsherbst

Das sollten Sie wissen

Wie funktioniert eigentlich das Versicherungsgeschäft? Wer das weiß, kann besser verhandeln und bekommt günstigere Tarife.

29. Oktober 2012

Versicherungen sind ein seltsames Geschäft, welches man als Laie nur schwer durchschaut. Dabei gäbe es Fragen zuhauf: Wie setzen sich Tarife zusammen? Was kann ich tun, um mein Sparpotential beim Wechsel zu erhöhen? Diese Informationen können Autofahrern in der Kfz-Versicherung viel Geld sparen. Die wichtigsten Infos hat mobile.de für Sie zusammengestellt.

 

 
 

Eigentlich gilt das Verursacherprinzip

Streng genommen widersprechen Versicherungsverträge für Autos und Motorräder geltenden Rechtsgrundsätzen in Deutschland. Hierzulande gilt das Verursacherprinzip: Nur wenn man etwas Falsches getan hat, kann man dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Bei Kfz-Versicherungen gilt das nicht.

Denn jedem Führerscheinbesitzer kann ein Unfall unterlaufen, der zu einer Zahlungsverpflichtung führt. Deshalb müssten theoretisch alle Führerscheinbesitzer in Deutschland eine Haftpflichtversicherung haben. Da dies nicht durchführbar wäre, umgeht der Gesetzgeber diesen Grundsatz.

Hier gilt die Halter-Haftpflicht für den Autobesitzer. So kann also jemand, der sein Auto verliehen hat, plötzlich in der Haftung stehen.

Geld gibt es auf jeden Fall

So hat der Gesetzgeber sichergestellt, dass ein Geschädigter auf jeden Fall sein Geld bekommt – unabhängig davon, ob der Fahrer des Autos eine Versicherung hat.

Waren Versicherungen früher streng reguliert, ist der Markt jetzt relativ frei. Ähnlich wie bei Telefon- oder Stromverträgen können die Versicherer ihre Tarife individuell gestalten. Das führt zu einer Vielzahl von Auf- oder Abwertungen im Markt. Wer zu einer „Risikogruppe“ gehört (jung, schnelles Auto, hohe Fahrleistung, Mietwohnung, … die Liste ist hier noch nicht am Ende), muss für ein identisches Fahrzeug locker ein paar Hunderter mehr bezahlen als der Beamte auf dem Land mit eigenem Häuschen und Garage, der pro Jahr gerade einmal 5.000 Kilometer fährt.

Das ist allen Versicherern wichtig

Doch von Anfang an. Die wesentlichen Merkmale eines Versicherungsvertrages beziehen sich auf zwei Daten:

  1. Die Typklasse des Fahrzeugs. Die ergibt sich aus dem Reparaturkosten eines bestimmten Fahrzeugmodells sowie seiner Schadenshäufigkeit.
  2. Der Regionalklasse des Ortes. Wie oft geschehen in einer definierten Region Autounfälle?

Dann schauen sich die Versicherer weitere Daten an. Hieraus entstehen die sogenannten „weichen Tarifmerkmale“. Diese kann ein Versicherer bewerten, muss es aber nicht. Sie werden bei privat genutzten Autos übrigens wesentlich häufiger einbezogen als bei Motorrädern oder gewerblichen Fahrzeugen. Diese weichen Merkmale sind ein bunter Strauß aus einzelnen Fakten. Kennt man sie, kann man beim Versicherer gezielt danach fragen.

Das ist nicht allen Versichern wichtig

Zu den weichen Merkmalen zählen unter anderem:

 

  • Alter (schlecht: unter 23)
  • Wie lange besitzt der Fahrer den Führerschein (schlecht: unter drei Jahren)
  • Alter und Wert des Autos (schlecht: teuer – Ausnahme: Oldtimer)
  • Garage und Wohneigentum? (schlecht: keines)
  • Beruf (schlecht: kein Öffentlicher Dienst oder Beamter)
  • Fahrerkreis (schlecht: keine Einschränkung, auch Fahranfänger)
  • Punktestand (schlecht: gut gefülltes Konto in Flensburg)
  • Fahrleistung (schlecht: ab 18.000 Kilometer, also über dem Durchschnitt)

 

Das sind nur die wichtigsten individuellen Merkmale. Vor allem für Spezialfahrzeuge wie Youngtimer kann es weitere Merkmale geben.

Haftpflicht muss, Kasko kann

Alles vorher Gesagte gilt für die gesetzlich vorgeschriebene Kfz-Haftpflichtversicherung. Ähnlich läuft es jedoch auch, wenn sich der Kunde für die freiwillige Kasko- oder Vollkasko-Versicherung entscheidet. Bei der Kaskoversicherung werden zusätzlich Dinge wie beispielsweise Beschädigungen am geparkten Wagen oder Diebstahl abgesichert.

Für den Komplettschutz braucht man eine Vollkaskoversicherung. Sie deckt ebenfalls alle elementaren Schäden am Auto wie Diebstahl oder Sturm ab. Im Gegensatz zur Kasko- deckt die Vollkaskoversicherung allerdings auch Schäden ab, die man selbst verursacht oder deren Verursacher Fahrerflucht begangen hat.

Text: SH