GT-R-Fans in Tokyo

GT-R-Fans in Tokyo

Wie im Film

Bei dem allabendlichen Sportwagentreff auf einem Parkplatz am Rande Tokyos fehlt zum cineastischen Meisterwerk eigentlich nur noch eine Kamera.

4. Februar 2014

Was machen Sportwagenfans, wenn sie in einer Millionenstadt wie Tokyo leben? Sie treffen sich fast jeden Abend auf einem Autobahnparkplatz vor den Toren der Metropole und hängen ab.

Doch nicht nur das, sie fahren auch ein wenig durch die Gegend. Und das möglichst flott und zackig. An einen sanften Spurwechsel denk hier niemand.

 

 
 

600 PS starker R33

"Ich habe an meinem Schätzchen nur eine weitere Benzinpumpe eingebaut und noch ein paar andere Kleinigkeiten verändert. Jetzt hat es - zumindest für einen kurzen Augenblick - rund 600 PS", verrät Masayuki Ohashi über seinen Nissan Skyline GT-R.

Ein Blick in das von Anzeigen jedweder Art ziemlich zugepflasterte Cockpit lässt auf eine gewisse Affinität des Fahrers zum Thema Technik schließen, oder auf zu viel Zeit und Geld. Der 50-Jährige ist natürlich nicht der einzige GT-R-Fahrer, der spät am Abend noch durch Tokyo flitzt.

Mehr als den Wagenwert investiert

Aki Itoh ist in den USA aufgewachsen und lebt seit zehn Jahren in Japan, genauer gesagt in Yokohama. Nachdem er gelernt hatte, auf der falschen Seite zu fahren, hat er sich einen Nissan Skyline GT-R aus dem Jahr 1997 gekauft - das war im Juni 2005.

Bis heute hat in seinen damals 30.000 US-Dollar teuren R33 nochmals mehr als seinen kompletten Einkaufspreis gesteckt. "Ich habe 25.000 Dollar in den Motor und 6.000 Dollar in eine neue Bremsanlage investiert", schwärmt der stolze Besitzer des 500 PS starken GT-R.

Italiener mit einem Hang zu japanischen Sportwagen

Der Name des dritten Nissan-Jünger liest sich nicht nur italienisch, er ist es auch. Dino Dalle Carbonare ist Motorjournalist und liebt seinen 400 PS starken blauen R34.

Der gerade zum ersten Mal Vater gewordene 37-Jährige hat schon immer einen GT-R haben wollen: "Ich habe alles, worin irgendetwas mit einem GT-R zu lesen war, verschlungen. Und jetzt? Jetzt habe ich selbst einen. Ich kann es kaum glauben."

Gewalt- und neidlos

Die wie aus dem Finale von "The Fast and the Furious - Tokyo Drift" geschnittene Szenerie würde perfekt, wenn jetzt noch ein grundlos böse dreinschauender Filmschurke das Set betreten würde. Doch weit gefehlt.

Bei einem solchen Treffen gibt es nahezu alles, nur keinen Neid oder irgendwelche Arten von Gewalt. Das Familientreffen einiger Autoverrückter ist zudem auch kein Startpunkt für illegale Straßenrennen, sondern tatsächlich nur eine weitere Art und Weise der ansonsten sehr stringent lebenden Japaner, aus dem uniformen Alltag zu entfliehen.

Text: Press-Inform / Marcel Sommer | Bildmaterial: Wolfgang Groeger-Meier