Verkleidete PkW: Pseudo-SUVs

Ich wollt', ich wär' ein SUV

Mehr Schein als Sein: Bei SUV ein Trend, der recht lustige Blüten treibt. Die Pseudo-Geländewagen machen auf wild und rebellisch, sind aber bloß verkleidete Pkw.

23. Juni 2010

Es gibt SUV, die gibt's gar nicht. Motto: Was bei uns so alles den Namen „Jeans“ trägt, ist für echte Cowboys oft nur ein Witz. Die modischen Blauhosen hierzulande halten Ansprüchen des rauen Ranch-Alltags nicht stand. Ähnlich ist es mit den SUV: Viele aktuelle SUV-Modelle taugen nicht für den Gelände-Gang, schon auf matschigen Wegen bieten sie kaum mehr Traktion als ein Kleinwagen.

Denn die Zwangsdiät hat solche Freizeitfahrzeuge ihres Allrad-Antriebs beraubt. Der Verzicht auf Kardanwelle und Hinterachsdifferenzial spart zwei Zentner Gewicht, auch der Kaufpreis für SUV sinkt um ein paar tausend Euro. Zudem folgen die Hersteller nur dem Nutzerverhalten ihrer Eigentümer, die im SUV allenfalls zum Bio-Bauern aufs Land rausfahren.

Weichgespült: Yeti mit Fronantrieb

So gibt es den neuen Skoda Yeti auch weichgespült für Autofahrer, denen allein der verwegene Anblick genügt: Dann hat der 1,3 Tonnen leichte Wagen nur Frontantrieb und kostet in der preisgünstigsten Ausführung 17.990 Euro; angetrieben von einem 1,2 Liter kleinen Turbo-Benziner, der aber stattliche 105 PS leistet – das langt für ein Spitzentempo von 175 km/h auf der Straße und einen Normverbrauch von 6,6 Litern auf 100 Kilometer.

Wer Dieselantrieb bevorzugt, kauft für 20.890 Euro den 2.0 TDI mit 110 PS, der nach Norm 5,4 Liter auf 100 Kilometer schluckt und bis 177 km/h hochdreht. Der Verzicht auf Allradantrieb erspart dem Autokäufer bei diesem Modell rund 1800 Euro.

Erhöhte Sitzposition kommt an

Nach diesem Strickmuster haben inzwischen zahlreiche Hersteller ihre früheren Geländewagen abgerüstet; aus kompromisslosen Abenteurern wurden domestizierte Allzweck-Mobile – was letztendlich nur dem Namen SUV näher kommt... Einer der ersten Hersteller, der diesen Trend erkannte, war Nissan: Mit dem SUV Qashqai gelang es, ein Fahrzeug in den Markt einzuführen, das durch gefällige Formen und Alltagstauglichkeit viele Ansprach.

Vor allem die erhöhte Sitzposition, die im Qashqai wie auch vielen anderen SUV mitgeliefert wird, scheint viele Kunden anzusprechen. Vom Qashqai sind inzwischen mehr als eine halbe Million Fahrzeuge verkauft; sowohl mit  Zweirad- wie auch Allradantrieb. Dennoch lässt sich Nissan nicht lumpen und reduziert aktuell den Einstiegspreis noch einmal um rund 700 Euro auf 19.490 Euro.

Dacia Sandero Stepway im SUV-Kostüm

Noch krasser ist eine Reihe von Kompakt-SUV, die unter dem Blechgebirge nichts weiter als normale Pkw sind. Sie verkleiden sich nur als Geländewagen. Besonders verinnerlicht hat dies der Dacia Sandero Stepway – ein Familienauto für knapp 10.000 Euro in der Grundmotorisierung mit 87 PS, das ziemlich flott und fast ein wenig verwegen aussieht. Doch mit dem reinen Frontantrieb hat man jenseits der Straßen natürlich nichts zu suchen …

Dafür bleibt bei dem niedrigen Kaufpreis viel Geld übrig; zum Beispiel für eine gebuchte Safari mit einem echten Geländewagen in Afrika oder Amerika – dort, wo Offroad richtig Spaß macht.

Mitsubishi L200 erstmals ohne Allradantrieb

Wer Offroad-Pickup sagt, sagt (bisher) Mitsubishi L200: Mitsubishi baut seit Jahrzehnten den L200, in aller Welt bekannt als Gelände-Gangster in Kombination mit großem Ladevermögen. Für manche nun ein Verrat an der Tradition: Der neue L200 (ab Sommer 2010) wird erstmals auch mit reinem Frontantrieb angeboten. Damit ist die Offroad-Kompetenz für die Katz’, dafür kostet der bullige, Zweisitzer mit offener Ladefläche (2,22 Meter lang) nur 18.990 Euro.

Motorisiert wird er über Heckantrieb von einem 2,5 Liter großen Diesel mit 128 PS, der bis auf 165 km/h hochdreht und nach Norm etwa 7,4 Liter je 100 Kilometer verbrauchen soll. Für das günstigste Modell mit Allradantrieb sind 3500 Euro mehr fällig. Mit fünf Sitzplätzen in der Doppelkabine kostet der heckgetriebene L200 ab 21.990 Euro.

Auch Peugeot 3008 spielt ein bisschen SUV

Peugeots Beitrag zu den Gernegroß-SUV ist seit Sommer 2009 in Deutschland erhältlich: Der Peugeot 3008 wird offiziell als Crossover zwischen Geländewagen, Großraumlimousine und normalem Pkw angepriesen. Das Beste aus drei Welten hat aber vom SUV allenfalls das markante Aussehen übernommen, Allradantrieb war nie vorgesehen.

Dafür genießen seine Insassen im Peugeot 3008 die von echten SUV gewohnte erhöhte Sitzposition und natürlich jede Menge Platz: Der Kofferraum hat bei umgelegten Rückbänken ein Fassungsvermögen von bis zu 1241 Litern – in den der kompakten Kombi 308 SW von Peugeot, der die gleiche Plattform nutzt, passen bis 1140 Liter Zuladung (bei ausgebauten Rücksitzen).

Zum Vergleich: In die Kombi-Ausführung des Golf, Variant genannt, passen bis zu 1495 Liter Gepäck hinein. Angetrieben wird das 4,36 Meter lange Peugeot-SUV in der Grundausführung von einem 1,6 Liter großen Benzinmotor mit 120 PS, der ein Spitzentempo von 185 km/h ermöglicht und nach EU-Norm 7,3 Liter schluckt. Er kostet ab 21.500 Euro. Besonders sparsam ist ein neu entwickelter Dieselmotor mit ebenfalls 1,6 Liter Hubraum, der 110 PS leistet und nach EU-Norm auf 100 Kilometer nur 5,1 Liter verbraucht und ab 24.150 Euro kostet.

Ebenfalls der Kategorie "Gernegroß" gehört der neue CrossPolo an: Mit wuchtigen Stoßfängern und anderen rustikalen Anbauteilen sowie einem eineinhalb Zentimeter höherem Fahrwerk will uns der Kleinwagen weismachen, er könne auch anders. Kann er aber nicht; er bleibt ein frontgetriebener Polo. Der freche Volkswagen wird ab Frühjahr 2010 auf den Markt kommen – der Preis steht noch nicht fest, beginnt aber vermutlich ab etwa 15.000 Euro für das Einstiegsmodell mit 70-PS-Benziner.