VW Bus

Flower-Power

Auch in Kalifornien scheint nicht immer die Sonne. Deswegen brauchten die Hippies, unterwegs von Happening zu Happening, ein Dach über dem Kopf. Sie fanden es im VW Bus und schufen so das legendäre Hippie-Mobil.

„People in motion“ („Menschen in Bewegung“) heißt es in dem berühmten Song „San Francisco“ von Scott McKenzie. Er besingt eine Generation, die es Ende der 60er-Jahre aus der bürgerlichen Enge hinaus in die Landkommunen Kaliforniens zog. Die Hippie-Kultur bewegte die Jugend, auch räumlich: In quietschbunten VW Bullis reiste sie zunächst zahlreich an die Westküste der USA und später auch nach Ibiza, ins indische Goa oder auf die griechischen Inseln. Immer auf der Suche nach Liebe, Frieden und Glück.

Love, Peace and Bulli

Der Bulli war und ist bis heute ein Symbol dieser Ära und setzte sich als „Hippie-Dienstwagen“ durch. Er war die Hülle, in der sich die jungen Leute in eine fremde Ferne tragen ließen. Mit seiner Anspruchslosigkeit entsprach er den Lebensverhältnissen seiner Besitzer, die häufig mit nur ein paar Münzen in der Tasche die halbe Welt durchquerten.

Im Innenraum bot der Bus sehr viel Platz und konnte auch als Schlafgelegenheit genutzt werden. Und er brachte die Menschen zusammen: Gleich mehrere langhaarige Blumenkinder in bunten Gewändern fanden darin eine Sitzgelegenheit, was die Kosten weiter senkte. Aus den Fenstern ertönten Songs von The Doors, Bob Dylan, Jimi Hendrix oder Janis Joplin. Bewusstseinserweiternde Drogen gehörten genauso zum Reisegepäck wie Jesuslatschen, Batikkleider und Räucherstäbchen.

Offizier hatte Idee für den Bulli

Auf dem Weg zum Love-in war den meisten Bulli-Piloten sicher nicht bewusst, dass die Idee zum Wohnmobil auf VW-Transporter-Basis von einem englischen Offizier stammte: 1951, sechs Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, orderte ein ehemaliger Besatzungsoffizier, sein Name ist nicht überliefert, eine Wohneinrichtung für ein Auto. Die Basis dieses Reisemobils bildete ein Volkswagen Transporter.

Der VW Transporter ist 1951 gerade ein Jahr alt. Abgeleitet vom Käfer, aber mit ganz eigenständiger Form und Technik, hat er die ersten Schritte zum Transporter des Wirtschaftswunders bereits hinter sich gebracht. Es gibt ihn als Kastenwagen und Kombi. Und 1951 seit neuestem als Samba: So nennt der Volksmund den feinen neuen Bus mit einer Vielzahl von Fenstern einschließlich Dachrandverglasung, 25 sind es insgesamt. Oben lässt ein großes Schiebeverdeck bei gutem Wetter noch mehr Licht und Luft ins Wageninnere.

Und wie die Amerikaner auf den Käfer fliegen, ihren Beetle, genauso verlieben sie sich auch in den Campingbus von Volkswagen. Der kompakte Transporter steht nahezu konkurrenzlos da. Bis 1967 zum Fertigungsende des T1, der ersten Generation des Transporter, liefert Volkswagen mehr als 15 000 Campingbusse in die USA, mehr als tausend sind es allein 1967, im letzten Jahr der großen Karriere des ersten Volkswagen Transporters.

Blumenkinder feiern den VW Bus

Auch die Flower-Power-Generation in Europa feierte den Bulli als einzig wahres Transportmittel und brach mit ihm in Richtung Osten auf. Gemeinsam bevölkerten sie die so genannten „Hippie-Trails“: Diese führten von Europa nach Ostasien über Istanbul, Teheran, Kabul und Peshawar. Beliebte Ziele waren Goa in Indien und Kathmandu in Nepal. „Being on the road“ war das Lebensgefühl, das sich durch seine nomadenhafte Lebensweise ausdrückte und auf Selbstverwirklichung durch Selbsterfahrung zielte. Das färbte auch auf den Bulli ab, den robusten Reisebegleiter, dem kein Hindernis zu groß wurde. Wie die Hippie-Kultur steht auch er bis heute für „Love, Peace and Happiness“. Noch immer zieren viele T1- und T2-Modelle die Symbole jener Zeit, die ihnen in liebevoller Handarbeit aufgemalt wurden: Blumen, Peace-Zeichen und farbenfrohe psychedelische Muster.

Bulli Parade

Heute ist die Ikone „On the Road again“: Zum großen 60-jährigen Bulli-Jubiläum im Herbst 2007 in Hannover spielte exklusiv die britische Rockband „The Who“. Im Stück „Goin’ mobile“ auf der Schallplatte „Who’s next“ (1971) hatte die Gruppe das Gefühl beschrieben, im Wohnmobil frei und unterwegs zu sein: „Well, I'm gonna find a home on wheels“. Gitarrist Pete Townshend bestätigt: „Der VW Bus, über den ich in diesem Song schrieb, war das rollende Hippie-Heim. Wir alle liebten ihn“. In Erinnerung an das Konzert und in Anlehnung an einen anderen Song von „The Who“ hat VW jetzt ein Modellauto herausgebracht: den „Magic Bus“. Das Modell gibt es ab Mitte Dezember bei allen VW-Händlern.