Cabrios 2010

Dem Himmel so nah

Die Offenbarung des Sommers: Dach weg, Vollgas geben und geradewegs ins Blaue! mobile.de zeigt dazu die große Auswahl: Cabrios vom Alfa Spider bis zum Wiesmann Roadster

26. Mai 2010

Alfa ohne Roadster ist wie Porsche ohne Boxer: undenkbar! Es passt also, wenn das berühmte Designstudio Pininfarina der italienischen Sportwagenmarke ein Cabriolet zum Geschenk macht: der Pininfarina 2ettotanta wurde auf dem Genfer Automobilsalon enthüllt und war eine Ode an den ewigen Sommer. Alfa feiert 100. Geburtstag, und vielleicht wird der große Wurf von Pininfarina wirklich "der Spider der Zukunft", wie das Designstudio hofft. Jedenfalls macht der rassige Sportwagen einen idealen Auftakt für die Parade der edelsten Fahrzeuge, die Autohersteller zu bieten haben: der Cabrios. Es sind die Un-nutzfahrzeuge schlechthin, Messgeräte der guten Laune, gebaut für die wenigen schönen Wochen im Jahr. Wobei es hier paradox wird: Moderne Cabrios sind Allwetterfahrzeuge, die geschlossen auch im frostigsten Winter so viel Komfort bieten wie im Sommer.

Aura von Luxus und Lifestyle

Diese Aura von Luxus und Lifestyle klebt am Cabrio wie der Teer auf der Straße. Nicht überraschend, dass die meisten Cabrios in dem Millionärsstädtchen Starnberg bei München gemeldet sind: Dort waren 2009 acht Prozent aller Autos offen, hat das Kraftfahrtbundesamt ermittelt – in Zahlen sind das immerhin rund 6000 Autos. Auf Platz 2 folgt das mondäne Baden-Baden mit 6,9 Prozent Cabrio-Anteil. Auch die dritte Cabrio-Hochburg, der Hochtaunuskreis, folgt diesem Muster: schöne Landschaft, nahes Ballungsgebiet, hohe Kaufkraft... Die Cabrio-Dichte ist auch immer ein Spiegel des Wohlstands. Dazu passt, dass die Cabrio-ärmsten Regionen auch wirtschaftlich hinterherhinken: Es sind nach Recherche des Kraftfahrt-Bundesamts Deutschlands äußerster Nordosten und Südosten.

Cabrio-Hitliste bei mobile.de

Cabrios sind wie Weihnachtsbäume oder WM-Fähnchen ein Saisongeschäft: Im Sommer springen die Verkaufszahlen in die Höhe, im Winter liegt der Markt auf Eis. Daran haben die Blechdach-Cabriolets, die inzwischen in der Mehrzahl produziert werden, auch nicht viel geändert. Eine weitere Konstante: Cabriolets sind Genussmittel – sie sind untrennbar verbunden mit Sehnsucht nach Freiheit, Individualität und Spaß. Dass bei aller Träumerei doch für realistische Einsichten Platz ist, zeigt die Auswertung der anonymisierten Suchanfragen bei mobile.de: Die beliebtesten Cabrios der Deutschen sind keineswegs abgehobene Luxusautos wie Bentley Continental oder Rolls-Royce Drophead Coupé, sondern erdgebunde, relativ erschwingliche Fahrzeuge: Mit 9,23 Prozent dominiert bei den Suchen der Nutzer von mobile.de das BMW 3er Cabrio. An zweiter Stelle steht der Mercedes SL. Auch nach dem Mercedes SLK wird sehr oft gesucht. Auf Platz 4 kommt die offene Version des Traum-Sportwagens Porsche 911, gleich dahinter fährt der kleine Bruder, Porsche Boxster. Auch das massenhaft gebaute Golf-Cabriolet auf Platz 6 ist sehr populär.

Bocksprünge für die Hautevolee

Offene Wagen waren schon immer eine Modeerscheinung: Der Name Cabriolet stammt eigentlich von einer zweirädrigen – und natürlich offenen – Kutsche, die der Eigentümer selbst lenkte. Das fiel auf, denn wer es sich leisten konnte, überließ bisher das Hantieren mit Pferd und Wagen einem angestellten Kutscher. Doch Mitte der 18. Jahrhunderts wurde das Cabriolet gerade in den besseren Kreisen populär. Seine extrem leichte Bauweise sorgte dafür, dass es bereits mit nur einem vorgespannten Pferd "übermotorisiert" war. Das gab dem Spaß-Wägelchen von Dandys und Kavalieren auch den Namen: Wer seinem Pferde die Zügel schießen ließ und im gestreckten Galopp über die holperigen Straßen jener Zeit raste, vollführte mit der Kutsche wahre Bocksprünge (französisch "cabrioles"). Das war gefährlich, und von den lenkenden jungen Herrschaften durchaus erwünscht.

Heute lenken Frauen selbst

Die arbeitende Bevölkerung mag angesichts solcher Eskapaden nur den Kopf geschüttelt haben: Als Nutzfahrzeug war so ein Ding natürlich nicht zu verwenden. Eine Ladefläche existierte nicht, für Handgepäck gab es eine Befestigung am Heck des Wägelchens. Schon damals diente das Cabriolet folglich bloß dem Spieltrieb seines Lenkers. Frauen durften höchstens mitfahren und dem waghalsigen Ben Hur an ihrer Seite sprachlos-bewundernd zuschauen. Cabriolet-Fahren war also damals schon das, was auch heute noch ist – und wohl immer bleiben wird: Ein soziales Statement, das als Modeerscheinung von allen profanen Sinn- und Zweckgedanken befreit ist. Eines nur hat sich geändert: Waren Cabrios ehedem Sportgeräte und damit Männersache, nehmen heute immer mehr Fahrerinnen die Zügel selbst in die Hand.

Cabrios so sicher wie noch nie

Dazu passt, dass die offenen Fahrzeuge so komfortabel sind wie nie zuvor: Moderne Klappdächer aus Stoff, Kunststoff oder Blechsegmenten sind anspruchslos, halten auch bei Gewitterstürmen dicht und können per Knopfdruck bequem geöffnet werden. Elektronische Assistenten wie der Schleuder-Schutz ESP oder ASR gegen durchdrehende Antriebsräder verhindern inzwischen, dass die Pferde bei allzu ungestümem Antritt durchgehen. Und sollte die Kutsche doch einmal ins Wanken geraten, fahren automatisch Überrollbügel aus und schützen zuverlässig die gesamte Fahrzeugbesatzung. Ob das dem ursprünglichen Cabrio-Gedanken zuwiderläuft, weil das offene Fahren heute keinen Tick gefährlicher ist als eine Tour im Fond einer dicken Limousine? Darüber mag jeder selbst diskutieren – aber am besten unter geschlossenem Verdeck, denn gegen den Fahrtwind spricht es sich so schlecht...

Der beste Beweis, dass Cabriofahren längst nicht mehr der Oberschicht vorbehalten ist: mobile.de hat alle offenen Autos unter 25.000 Euro (Listenpreis) zusammen gestellt. Das Top 10 der günstigen Cabrios beginnt bereits bei 13.700 Euro.

Text: Roland Wildberg
 
 
 

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