Kauftipps: Cabrios

Hat der einen Dachschaden?

Wer ein gebrauchtes Cabrio kaufen will, muss das Dach besonders aufmerksam prüfen, damit es später nicht durchregnet. mobile.de nennt die Schwachstellen.

Cabrios sind die Lifestyle-Accessoires unter den Autos. Sie werden – wie alles, was mit dem Bauch gekauft wird – selten unter kühlen Kosten-Nutzen-Erwägungen analysiert. Sollten sie aber; denn Cabrio ist nicht gleich Cabrio. Sofern Sie sich also noch nicht unrettbar in einen bestimmten Typ verliebt haben, bitte gründlich prüfen, was Sie wollen. Offen fahren? Das geht natürlich mit allen, vom Mini Cabrio bis zum Lamborghini Gallardo Spyder, allein der Kaufpreis scheint entscheidend.

Doch schon die Frage, ob Sie gelegentlich Gäste oder Ihre Kinder mitnehmen wollen, oder ausschließlich zu zweit mit Handgepäck verreisen, schließt viele Autos von der Wahl aus: Zahlreiche elegante Roadster sind – der Name sagt es schon – Zweisitzer. Und die in den letzten Jahren so beliebten Cabrio-Coupés mit Blech-Klappdach haben bei geöffnetem Verdeck nur einen sehr kleinen Kofferraum. Schon ein Kinderwagen geht da kaum noch hinein.

Wobei es nicht zwingend ein Blechdach sein muss: Moderne Stoffdächer trotzen auch dem nordischen Winter. Und die komplizierte mechanische Schließvorrichtung von Blech-Klappdächern kann insbesondere bei Unfallschäden, wenn die Karosserie sich verzogen hat, ein Problem bekommen. Testen Sie also beim Kauf eines gebrauchten Cabrio-Coupés intensiv die Schließvorrichtung: Öffnen und schließen Sie das Dach mehrmals hintereinander. Ist der Schließvorgang unregelmäßig, liegt wahrscheinlich ein Defekt in der Mechanik vor.

Stellen Sie das Auto anschließend auf eine Bodenunebenheit und wiederholen Sie den Vorgang: Schließt das Dach nicht mehr, ist die Karosserie eventuell durch einen Unfall deformiert. Das ist noch kein Beinbruch, sollte aber vom Verkäufer auf keinen Fall verheimlicht werden.

Stoffdächer verlangen gute Pflege

Seien Sie bedacht: Greifen Sie nicht einfach blind zu nach dem Motto: "Die Sonne ist schon da, jetzt noch schnell das Auto dazu!" Wer ungeprüft ein Cabrio kauft, ist eventuell nicht ganz dicht: Nehmen Sie das Dach vorher eingehend unter die Lupe, der nächste Regenschauer kommt bestimmt! Ist der Stoff vom UV-Licht ausgeblichen? Dann haben Sie sicher kein gehätscheltes Garagenfahrzeug vor sich.

Ein paar Jahre als Laternenparker können das schönste Cabrio schwer mitnehmen: Wenn Laub, Dreck und tote Insekten nicht regelmäßig entfernt werden, leiden Dichtungen und die komplexe Mechanik der Schließanlage. Prüfen Sie also den Zustand der Gummilippen und werfen Sie einen Blick in den Verdeckkasten. Der starrt vor Dreck? Das erlaubt einen Rückschluss auf die generelle Pflege durch den bzw. die Vorbesitzer.

Stoffdächer vorsichtig waschen

Werden hingegen Stoffdächer mit den falschen Pflegemitteln bearbeitet, können sie ebenfalls schnell in Mitleidenschaft gezogen werden. Ganz schlecht sind konventionelle Waschstraßen: Sie wirken wie Drahtbürste auf Lederslippern. Auch Textil-Waschstraßen zerstören auf Dauer das textile Verdeck, da Reinigungsmittel der Imprägnierung schaden. Beim Kauf eines Stoffdach-Cabrios gehört also die Testfahrt durch die Waschstraße zur Besichtigung unbedingt dazu.

Regnet es irgendwo durch, kann die anschließende Reparatur teuer werden. Natürlich lässt sich ein Verdeck zumeist flicken, nachfärben und neu imprägnieren, aber das kostet Geld und Mühe – diese Schäden sollten im Falle des Falles also in die Preisverhandlung einbezogen werden. Selbst wenn nur die Heckscheibe ruiniert ist, sind bei vielen Autotypen gleich mehrere tausend Euro für ein neues Dach fällig.

Klappdach: Immer gut geschmiert

Dann doch lieber unter ein festes Dach? Auch die stählernen Segmentdächer sind nicht wartungsfrei: Wie Uhrwerke bestehen sie aus vielen beweglichen Teilen, die selbstverständlich geschmiert sein müssen. Mit einem Tropfen Kriechöl, per Röhrchen gezielt angebracht, ist die Sache oft schon behoben. Geht irgendwo etwas fest, kann das zu Folgeschäden führen. Grund: Die relativ starken Elektromotoren der Coupé-Dächer halten sich mit schwergängigen oder blockierenden Federn und anderen Kleinteilen nicht lange auf, so dass diese verbiegen, ausrasten oder sogar brechen könnten. Einen Blick ist auch die Hebehydraulik wert: Ihr gleichmäßiger Flüssigkeitsstand muss regelmäßig überprüft werden.

So pflegen Sie Ihr Cabrio

Ein Cabrio ist in allen Aspekten ein besonderes Auto: Etwas teurer, etwas komplexer, und natürlich auch etwas pflegeintensiver. Das fängt mit der Reinigung an (siehe oben): Vor allem Stoffdachcabrios verdienen sanfte Handwäsche. Gelegentlich dürfen sie auch in der Textil-Waschanlage massiert werden. Kunststoffscheiben müssen mit einer Spezialpolitur (im Fachhandel) behandelt werden. Generell gilt: Reiniger, die mit hoher Lösungskraft prahlen, sind aggressiv – und das schadet auch dem Material. Bürsten und Schwämme zerkratzen die Scheiben.

Das ist nicht nur unschön, sondern auch gefährlich, weil es die Sicht behindert. Lassen Sie Ihr Auto nicht erst richtig schmutzig werden, reinigen Sie es lieber einmal mehr. Vor allem Vogeldreck sollte schnellstmöglich mit einem feuchten, weichen Schwamm entfernt werden. Bei guter Pflege kann ein Textil- oder Kunststoff-Verdeck zehn Jahre und länger halten. Noch besser, Sie haben einen Garagenplatz für Ihr Cabriolet – das verringert auch die Gefahr eines Einbruchs.

Geparktes Cabrio immer schließen

Angst vor dem Schlitzer: Gerade in der Großstadt fürchten viele Cabriofahrer den Anschlag von Vandalen und Kriminellen. Zugegeben: Wo bei Limousinen rohe Gewalt, verbunden mit Lärm, notwendig ist, genügt beim Stoffdach-Cabriolet ein scharfes Messer. Wenn der Wagen gar offen steht, sind Sie auch rechtlich gesehen selbst schuld: Keine Versicherung ersetzt dann den Schaden, wenn ein Langfinger zugreift.

Es müssen mindestens die Scheiben hochgefahren bzw. -gekurbelt werden und das Handschuhfach abgeschlossen sein, damit die Teilkasko einspringt. Das gilt aber nur für kurze Parkzeiten. Bei Einbrüchen ins komplett geschlossene Cabriolet springt die Teilkasko ein, auch eine Audioanlage wird ersetzt. Für Vandalismus und Navi-Klau kommt die Versicherung nicht auf.

Text: Roland Wildberg