Checkliste: Sicheres Trailer-Fahren

Tipps für die Anhänger-Nutzung

Was für ein Gespann!

Wann sind Sie zuletzt Anhänger gefahren? Verdammt lang her – so geht es vielen. Und das ist riskant. Aber sie können das vermeiden: Entweder durch regelmäßiges Üben. Oder mit dieser Checkliste. Die Tipps helfen bei Vorbereitung und anschließender Fahrt mit Trailer.

21. Mai 2015

Es ist einfach praktisch: Wenn sich der neue Kleiderschrank ganz überraschend doch nicht in den Kofferraum quetschen lässt, der Einkauf beim Baumarkt etwas größer ausgefallen ist oder der frisch erworbene Oldtimer zum Lackierer gefahren werden muss: Es gibt viele Momente, in denen zusätzliche Ladekapazität sinnvoll ist.

Vorausgesetzt, Sie haben eine Anhängerkupplung am Wagen, stellen viele Unternehmen wie zum Beispiel das schwedische Möbelhaus Ihnen den passenden Anhänger für ein paar Stunden sogar kostenfrei zur Verfügung.

Auch wer einen eigenen Anhänger wünscht, kann schon für ein paar Hundert Euro fündig werden. Über 21.000 Trailer, neu und gebraucht, sind aktuell bei mobile.de im Angebot. Ab 50 (!) Euro kann man bereits stolzer Privat-Spediteur werden.
 

 
 

 

Tabubruch oder Lebenshilfe?

Also ist alles ganz einfach? Nichts da – meint auch Hubert Paulus, ADAC-Technikexperte: „Gerade bei Fahrern, die mit dem Anhängerbetrieb wenig Erfahrung haben, erleben wir öfters große Unsicherheiten“. Daher solle man sich vom Verkäufer oder Vermieter gründlich in die Funktionen einweisen lassen.

Aber auch danach lauern vielfältige Fallstricke: „Besonders die tatsächliche Stützlast ist schwierig zu ermitteln. Die zulässige Stützlast steht am Fahrzeug auf der Kupplung – meist 50 bis 100 Kilo –, das ist das Gewicht, mit dem die Deichsel des Anhängers auf der Anhängerkupplung liegen sollte und darf. Dann ist das Fahrverhalten am besten“, so Paulus. Die Stützlast dürfe nicht über diesem Wert, sollte aber auch nicht darunter liegen! Paulus: „Das kann man nicht aus dem Gefühl heraus machen, hier hilft eine normale Haushaltswaage, oder auch spezielle Stützlast-Waagen.“

Das mobile.de Magazin beantwortet hier meisten Fragen rund um den Anhänger. Zugrunde gelegt wurden die Anforderungen von Privatmenschen – für Anhänger an Lastwagen, Motorrädern oder gar bei Bundeswehr und Landwirtschaft gelten weitere Regeln.

Welche Anhänger sind erlaubt?

Das hängt von der Führerscheinklasse ab. Wer den Führerschein Klasse B hat, darf ein Zugfahrzeug mit dem zulässigen Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen lenken. Damit darf jeder Anhänger bis 750 Kilo zG (zulässiges Gesamtgewicht) gezogen werden. Liegt das zG des Anhängers über 750 Kilo, dann darf der gesamte Zug, also Zugfahrzeug plus Anhänger, nicht über 3,5 Tonnen zG wiegen.

Reicht das nicht, muss die nächst höhere Führerscheinklasse (nach bestandener Fahrprüfung) greifen. Diese heißt B96 (Ausbildung ohne Prüfung) und ermöglicht auch ein zG des Zugfahrzeuges von 3,5 Tonnen, mit Anhänger dürfen es insgesamt 4,25 Tonnen sein. Das ist öfters bei großen Wohnanhängern der Fall.

ADAC-Experte Paulus: „Man sollte sich überlegen, den Anhängerschein gleich bei der Führerscheinprüfung mitzumachen. Wer den Führerschein später erweitern möchte, zahlt mehr“. Wer schwerere Lasten transportieren möchte, kann nochmals auf die Klasse BE (Ausbildung mit Prüfung) erweitern. Dann sind jeweils 3,5 Tonnen bei Zugfahrzeug und Anhänger möglich, also insgesamt 7 Tonnen.

Was ist beim Anhänger zu beachten?

Das hängt stark davon ab, was Sie transportieren möchten. Vorab gesagt: Es gibt Anhänger, die neu nur wenige hundert Euro kosten. Das aber ist echte Primitivtechnik. Die Achse eines solchen Anhängers ist nicht einmal gefedert. Ein im leeren Betrieb hoppelndes Fahrverhalten ist die Folge. Der ADAC hat ausprobiert, was passiert, wenn man ihn überlädt – mit horrenden Folgen: Der Anhänger brachte schon mit leichter Überladung den gesamten Zug ins Schleudern, so dass nicht einmal das ESP einen Unfall verhindert hätte. Mit einem solchen Anhänger lassen sich Gartenabfälle zum Sondermüll fahren, mehr aber auch nicht.

Nahezu alle in Deutschland zulässigen Anhänger sind „Starrdeichselanhänger“. Bei ihnen ist die Deichsel starr mit dem Rahmen verbunden. Anhänger bis 750 Kilo zG gelten als „leichte Anhänger“ und brauchen keine eigene Bremse. Darüber hinaus (bis 3,5 Tonnen) müssen sie eine haben, meist eine Auflaufbremse. Bremst das Zugfahrzeug, drückt es den Anhänger gegen das Auto. Das registriert eine Vorrichtung in der Deichsel und aktiviert die eigenen Bremsen.

In beiden Gewichtsklassen gibt es einachsige und zweiachsige Anhänger. Bei den Zweiachsern liegen die beiden Achsen meist in einem Abstand von unter einem Meter – damit gelten diese Tandemanhänger steuerlich als Einachser. Jedoch nicht bei der Mautpflicht beispielsweise in Österreich – hier gilt die Anzahl der sichtbaren Achsen.

Auch diese Anhänger gibt es in verschiedenen Qualitätsstufen, was beispielsweise die Federung betrifft. Hier hängt alles vom Ladegut sowie dem Einsatzzweck ab. Pferdeanhänger sollten zum Wohle der Tiere beispielsweise immer gefedert sein.

Wie schnell dürfen Anhänger fahren?

In Deutschland und vielen weiteren europäischen Ländern ist die Höchstgeschwindigkeit mit Anhänger auf 80 km/h begrenzt. Es ist möglich, diese Geschwindigkeit auf 100 km/h zu erhöhen. Dazu müssen laut TÜV Nord jedoch eine Reihe von Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Die Straßen müssen mindestens zwei Spuren je Richtung haben
  • Ihr Auto ist mit ABS ausgestattet
  • Die zulässige Gesamtmasse Ihres Autos beträgt maximal 3.500 kg
  • Der Anhänger ist für eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h geeignet
  • Die Anhängerreifen sind für 120 km/h ausgelegt und
  • haben wenigstens den Geschwindigkeitsindex L
  • Die Reifen sind jünger als sechs Jahre

Zusätzlich gilt es noch weitere Zusammenhänge zwischen der Anhängelast des Zugfahrzeuges und des Gesamtgewichts zu berücksichtigen. Dem liegt eine komplizierte Formel zugrunde, für die es Internet-Rechner gibt.

Was benötigt mein Zugfahrzeug?

Natürlich muss es eine Anhängerkupplung haben. Diese Kupplung hat eine bestimmte Anhängelast. Aber Achtung: Diese Anhängelast gilt nur für die Kupplung! Hat der Zugwagen eine geringere Anhängelast, gilt diese. Die Anhängelast ist dabei allerdings immer auf das tatsächliche Gewicht des Anhängers plus Ladung bezogen. Hat ihr Fahrzeug beispielsweise nur eine Anhängelast von 500 Kilo, dürfen Sie trotzdem einen Anhänger schleppen, der bis 1.000 Kilo freigegeben ist. Entscheidend ist das tatsächliche Gesamtgewicht der Ladung, das eben nicht höher als 500 Kilogramm betragen darf.

Das Ziehen eines Anhängers belastet das Zugfahrzeug (und dessen Bremsen) stark. Sollten Sie öfters mit einem Anhänger fahren wollen, sollte das Zugfahrzeug hierauf ausgelegt sein. Das bedeutet: Eher ein drehmomentstarken Diesel wählen, Automatik ist besser als Schaltgetriebe, und schwere Fahrzeuge sind schwieriger aus der Ruhe zu bringen als Leichtgewichte. Optimal ist auch ein kurzer Abstand zwischen Hinterachse und Anhängerkupplung.

Wenn der Wagen ESP mit Anhängererkennung besitzt (nur neuere Fahrzeuge), hilft der moderne Schleuderschutz ESP beim Fahren: Wird der Anhänger mit dem Zugfahrzeug verbunden, wird auch eine Verbindung zur Bordelektrik hergestellt. Daran erkennt das ESP, dass jetzt ein Hänger angekuppelt wurde. „Und nicht nur das: Bei manchen Autos wird in diesem Fall auch die Motorsteuerung verändert. Hierdurch wird mehr Drehmoment als im Normalmodus bereitgestellt, so dass das Anfahren beispielsweise am Hang erleichtert wird“, sagt Arnulf Thiemel vom ADAC-Technikzentrum in Landsberg.

Erkennt das ESP den Hängerbetrieb, wird neben dem Auto indirekt auch der Anhänger mit überwacht. Thiemel: „Der Gyro-Senor des ESP im Auto überwacht die Bewegungen des Autos um die Hoch- und Längsachse. Erkennt der Sensor hier ein gefährliches Pendeln, wird das ESP mit gezielten Bremseingriffen den gesamten Zug stabilisieren“. Wenn das Fahrzeug kein ESP mit Anhängererkennung besitzt, sollte man ein Stabilisierungssystem an der Kupplung einsetzen.

SUV weisen hier übrigens ein Alleinstellungsmerkmal auf: Sie sind – mit Ausnahme von Bussen wie dem VW T5 – die einzige Autoklasse, die laut Straßenverkehrsordnung bis zum 1,5fachen des eigenen Maximalgewichts an den Haken nehmen darf. So lassen sich mit einem SUV tatsächlich Anhängelasten bis 3,5 Tonnen bewältigen.

Tipps zum Trailerfahren

„Wenn Sie selten mit Anhänger gefahren sind, dann nehmen Sie besser eine zweite Person mit“, so ADAC-Experte Paulus. Diese kann beim Rangieren helfen, aber auch beim Ankuppeln. Hin und wieder, so Paulus, höre man diese alte Stammtischweisheit noch: Kommt ein Gespann ins Schlingern, müsse man Gas geben, um es zu „strecken“.

Bitte gut einprägen: „Das ist falsch. Das Einzige, was beim drohenden Aufschwingen hilft, ist Bremsen. Natürlich keine Notbremsung, aber deutlich spürbar“. Je schwerer die Ladung sei, desto höher ist die Gefahr, in eine unangenehme Situation zu kommen. Paulus: „Gehen sie nicht an die Grenze der zulässigen Anhängelast des Fahrzeuges und fahren Sie anfangs nicht schneller als 80 km/h."

Weitere Tipps zum Fahren, die Sie z.B. auch in einem Anhänger-Fahrtraining erlernen können:

  • Beim Rückwärtsfahren hilft ein einfacher Trick: Lenkrad unten anfassen. Auf welche Seite man das Lenkrad jetzt dreht, in die gleiche Richtung dreht der Anhänger
  • Schwere Lasten nach vorn, aber nicht über die zulässige Stützlast (meist 50 bis 100 Kilo) gehen
  • Ladung sichern! Brems- oder Ausweichmanöver sind sonst nicht beherrschbar
  • Zulassungsbescheinigung Teil 1: Alle wichtigen Angaben zur zulässigen Anhängelast finden Sie unter O.1 (gebremst), O.2 (ungebremst) und 22 (Bemerkungen und Ausnahmen)

Weitere Infos finden Sie in in der Bildergalerie.

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Text: Portal-Manufaktur / Stephan Hellmund