Wie Sie Werkstatt-Abzocke entlarven

So wird Ihnen nicht zu viel berechnet

Die Inspektion inspizieren

Viele Autobesitzer geben ihren Wagen mit einem mulmigen Gefühl zur Inspektion in der Werkstatt ab – was, wenn es wieder einmal teurer als geplant? Das mobile.de Magazin hat die wichtigsten Tipps zusammengestellt, wie sie sich vor der Werkstatt-Abzocke schützen können.


 
 
15. Februar 2016

Die ganz andere Art von Schnäppchen: Viele Werkstätten werben mit einer Tiefstpreisgarantie, einer Inspektion nach Herstellervorgaben für 59 oder einem Ölwechsel für 29 Euro.

Diese Lockangebote signalisieren dem Kunden, dass er dank der üblichen Rabattschlacht sein Auto günstig in Schuss bringen kann.

Warum aber haben viele Autobesitzer andere Erfahrungen gemacht? Und wurden gnadenlos abgezogen?

Tests fördern Fehler zutage

Natürlich arbeiten die meisten Werkstätten seriös und zuverlässig. Aber Werkstättentests von ADAC oder diversen Fachmagazinen belegen: Es wird nicht immer fehlerfrei gearbeitet, und günstig im Sinne des Kunden auch beileibe nicht immer.

Zum letzten Mal 2013 überprüfte der ADAC letztmalig die freien Werkstätten – mit einem sehr enttäuschenden Ergebnis: 78 Prozent der getesteten freien Werkstätten waren glatt durchgefallen – 28 von 36 untersuchten Betrieben haben die Bewertung „mangelhaft“ erhalten.

Bei den Werkstatt-Ketten (A.T.U, Bosch, Meisterhaft und 1a Autoservice) sieht das Bild nur unwesentlich besser aus – hier fielen 17 von 36 Betrieben durch (47 Prozent). Des Weiteren zeigte der Test deutlich, dass die freien Werkstätten bei der Inspektion nicht günstiger waren als die Ketten.

Öl und Reiniger der Hausmarke

Manche Fehler tauchen einfach zu häufig auf, um nur auf Unwissenheit zu beruhen: Zum Beispiel das Öl der „Hausmarke“ (Ähnlichkeiten zu einem anderen Gewerbe sind natürlich rein zufällig) oder der Klarsicht-Reiniger im Wischwasser zum Apothekenpreis sind immer wiederkehrende Ärgernisse, die den Kunden teuer zu stehen kommen.

ADAC-Sprecher Dr. Christian Buric kennt das: „Bei einigen ist der Reiniger im Wischwasser offenbar ein Standardposten auf der Rechnung.“ Wer hier nicht aufpasst, zahlt schnell zu viel.

Schwierig wird es vor allem dann, wenn man als technischer Laie plötzlich mit zusätzlichen Reparaturen wie rundum abgenutzten Bremsen konfrontiert wird. Was tun, wie soll man sich entscheiden?

Wie immer gilt das Kleingedruckte

Zuerst einmal: Es gibt drei verschiedenen Werkstatt-Typen. Die markengebundene Vertragswerkstatt, die freie Werkstatt ohne Markenbindung und Werkstattketten wie A.T.U. oder A1 Autoservice. Vor allem Letztere werben oft mit den Aktionspreisen. Doch siehe da: Bei verschiedenen Tests erwiesen sich die Ketten betriebe zwar nie als wirklich teuer, doch die günstigsten waren sie auch nicht.

Das liegt einfach daran, dass niemand zaubern kann und eine Inspektion eben ihren Preis hat. Schaut man sich die Angebote genauer an, sieht man meist, dass bei dem Ölwechsel die maximale Menge begrenzt ist oder der Ölfilter extra berechnet wird. Ähnlich ist es bei den Inspektionen zum Knallerpreis: Jeder Handgriff obendrauf wird gesondert berechnet. Und das steht – wie immer – im Kleingedruckten.

Bei den oben erwähnten Aktionspreisen erkennt man den Haken bereits in der Überschrift: Die Fallstricke müssen nämlich mit einem Sternchen (*) gekennzeichnet werden, und der führt zu dem fast zwangsläufigen Mehrpreis-Satz: da steht z.B. „Zuzüglich Motoröl“, „Zuzüglich Filter“ oder pauschal „Zuzüglich Teile“. Und darauf ist Verlass.

Auftrag immer schriftlich festlegen

Preistreiber sind dabei vor allem unnötige Arbeiten oder Reparaturen. Dem lässt sich mit einer präzisen Ansage vorbeugen: „Pauschalanweisungen wie 'TÜV-fertig' machen oder 'Winter-Check' sind äußerst ungünstig“, meint ADAC-Sprecher Buric dazu. Er rät zu einem präzisen, schriftlichen Auftrag. Dieser sollte auch Details umfassen. Dazu gibt der ADAC Tipps:

  • Nur wenige Autos brauchen das teuerste Öl, an dem die Werkstätten mehr verdienen können. In der Bedienungsanleitung Ihres Autos ist die passende Ölsorte angegeben. Lassen Sie sich zu den Unterschieden beraten und wählen ggf. die günstigere Qualität.
  • Frostschutz- oder andere Zusätze für das Wischwasser sind beliebte Extraposten auf der Werkstattrechnung. Vorher beim Discounter gekauftes Wischwasser kann jeder selbst nachfüllen.
  • Sind Teile auszutauschen? Bestehen Sie darauf, dass die alten Teile aufgehoben werden. So kann im Zweifel ein Experte klären, ob der Tausch wirklich notwendig war.
  • Lassen Sie sich für alle Arbeiten, die über eine reine Inspektion hinausgehen, wie beispielsweise den Wechsel der Bremsbeläge, einen schriftlichen Kostenvoranschlag aushändigen. Diesen darf die Werkstatt nur um 15 Prozent überschreiten.

Natürlich kann es während der Inspektion vorkommen, dass Reparaturen nötig sind, die bei der Annahme des Wagens nicht aufgefallen sind. Setzen Sie hierfür ein Preislimit, und vereinbaren Sie einen Rückruf, falls Extra-Arbeiten notwendig sind.

Stickstoff als Reifenfüllung überflüssig

Das Gleiche gilt auch, falls Sie keine Inspektion sondern eine bestimmte Reparatur oder Wartungsarbeiten in Auftrag geben möchten. Auch hier gibt es natürlich Lockangebote, die mit überflüssigen Extraarbeiten aufgepeppt werden können.

Beliebt ist beispielsweise bei einem Reifenwechsel das Einfüllen von Stickstoff in die Reifen, was oft ein paar Euro pro Reifen extra kostet. Das soll frühzeitigen Druckverlust sowie Rost an den Stahlfelgen verhindern und den Fahrkomfort erhöhen.

Für dieses Phänomen gibt es jedoch keine Belege, stellt ADAC-Sprecher Buric fest – und ganz normale Atemluft enthält sowieso 78 Prozent Stickstoff.

Rote Nummer zum Tanken

Sie haben alles beachtet, aber trotzdem das Gefühl, über den Tisch gezogen worden zu sein? Dann haben Sie zwei Möglichkeiten: Der ADAC bietet für seine Mitglieder die kostenlose Reparatur-Rechnungsprüfung an.

Für alle übrigen Autofahrer gibt es Online-Services wie Inspekto, wo Sie Rechnungen oder Kostenvoranschläge gegen Gebühr prüfen lassen können. Experten erstellen Ihnen dann einen Bericht, ob der Preis angemessen ist.

Als zweite Möglichkeit können Sie eine der offiziellen Kfz-Schiedsstellen anrufen, sofern die Werkstatt Mitglied der Kfz-Innung ist. Die Inanspruchnahme eines solchen Vermittlers ist für Sie kostenlos und für die Werkstatt bindend.

Werkstattempfehlung von Motor-Talk

Zum Abschluss noch ein Tipp: Falls Sie sich über eine gute Werkstatt in Ihrer Nähe informieren wollen, kann eine Anfrage bei einer => Auto-Community wie Motor Talk weiterhelfen. Gute wie schlechte Werkstatt-Erfahrungen werden hier geteilt.

Doch etwas Zeit sollten Sie der Community schon geben, um zu antworten – also fragen Sie nicht erst am Tag, bevor die HU-Frist abläuft, sondern am Besten zwei Wochen zuvor.

Die wichtigsten Neuerungen für Autofahrer im Jahr 2016 in der => Bildergalerie.

Text: Portalmanufaktur / Stephan Hellmund