US-Importe

Schnäppchen aus den Staaten

Ein neuer Ford Mustang für 17.000 Euro? Oder ein 170-PS-Golf für 13.800 Euro? In den USA ganz normale Preise. Doch bis die Autos in Deutschland sind, kommen etliche Zusatzkosten hinzu

19. Mai 2010

Wer sich auf eigene Faust und vielleicht im Urlaub auf die Suche nach einem US-Modell macht, kann wie jeder Amerikaner auch einfach einen Händler ansteuern. Ob der einem aber ein Auto verkauft, ist alles andere als sicher – weil viele Hersteller ihren Händlern den Verkauf von Autos direkt an Europäer für den Export schlicht verbieten, um eine höhere Gewinnspanne zu erzielen. In dem Fall bleibt nur die Beauftragung eines einheimischen Vermittlers, der für seine Dienste meist um die 1000 Dollar verlangt. Die annoncierten Preise im Autohaus sind zudem immer Nettopreise. Darauf kommt noch die Kaufsteuer (sales tax), die je nach Bundesstaat zwischen null und neun Prozent liegt. Wenn das Auto direkt ab Händler exportiert wird, muss die sales tax aber nicht gezahlt werden – da sie erst bei der Zulassung in den USA durch die Behörde kassiert wird.

Für den Transport muss eine Spedition beauftragt werden

Wer zuvor mit dem Auto in den USA reisen möchte, muss die sales tax erst zahlen und kann versuchen sie nach der Verschiffung beim Händler zurückfordern. Der ADAC weist aber darauf hin, dass es eine US-einheitliche Regelung zur sales tax nicht gibt – unter Umständen bleibt der Käufer deshalb auf den Kosten sitzen. Damit ist das Auto aber noch lange nicht bereit für die Reise über den großen Teich. Einerseits muss ein Spediteur gefunden werden, der den Wagen per Schiff (versichert) in einem Container nach Deutschland transportiert. Darüber sollte man sich schon in Deutschland informieren. Bei einem Vergleich ist es wichtig, den Endpreis inklusive aller Hafen-, Stand- und sonstiger Nebenkosten zu erfragen. Für die reine Seefracht zum Beispiel muss man je nach Modell (Versicherungsprämie), Strecke und Anbieter zwischen 900 und 1600 Euro rechnen.

Bildergalerie: Auto-Schnäppchen aus dem Ausland

Andererseits muss die Neuerwerbung auch noch zum Hafen gebracht werden – entweder auf eigener Achse oder ebenfalls per Spedition. Fahrzeuge werden aber nur verschifft – und später in Deutschland auch zugelassen – wenn die Papiere vollständig sind. Jedes Fahrzeug, das gebraucht in den USA verkauft wird, hat ein „Certificate of Title“, kurz „title“ genannt, das in etwa dem deutschen Fahrzeugbrief entspricht. Ein Neufahrzeug hat vom Hersteller ein „Manufacturer´s Statement of Origin“ oder ein „Certificate of Origin“, das in seiner Bedeutung dem Title entspricht. Hinzu kommen die Zulassungshürden in Deutschland. Zuerst werden zehn Prozent Zoll und 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer fällig. Als Nachweis der abgeschlossenen Verzollung stellt das Zollamt eine so genannt Unbedenklichkeitsbescheinigung vom Zoll aus, die wichtig für die spätere Zulassung ist.

US-Importe brauchen oft eine Einzelabnahme

Bevor es soweit ist, muss der Käufer aber eine technische Prüfstelle (TÜV) aufsuchen, um dort eine Einzelabnahme durchführen zu lassen. Dazu sind je nach Modell vorher auch noch Umbauten nötig – etwa der Austausch der Hauptscheinwerfer, die Montage einer Nebelschlussleuchte oder gelber Seitenblinker. Außerdem müssen Unterlagen über das Abgasverhalten vorliegen – ansonsten ist ein teures Einzelgutachten notwendig. Für die meisten Autotypen liegen diese Unterlagen aber bereits beim TÜV oder den Importeuren vor. Man sollte sich auf jeden Fall vorher mit der Prüfstelle in Verbindung setzen und die nötigen Arbeiten abklären. Bis ein Auto aus den USA tatsächlich in Deutschland zugelassen werden kann, gibt es also einen großen bürokratischen Aufwand und zahlreiche Fallstricke.

Zusatzkosten können den Importwagen erheblich verteuern

Nicht zu vergessen die anfallenden Zusatzkosten – so kann das vermeintliche Schnäppchen auf den zweiten Blick gar nicht mehr so attraktiv wirken. Als grobe Richtschnur sollte man auf den Nettopreis in den USA ungefähr 40 Prozent rechnen. bis das Auto in Deutschland ist. Eine Garantie wie beim Neuwagenkauf üblich, hat man dann allerdings immer noch nicht. Denn in den seltensten Fällen gelten die Schutzpolicen der Hersteller weltweit – wer darauf Wert legt, sollte sich an deutsche Re-Importeure wenden. Diese statten ihre importierten Fahrzeuge meist mit einer Garantie zwischen einem und drei Jahren aus.

Sie sehen: Auto-Import ist eine Wissenschaft für sich. Da kann es in vielen Fällen ratsam – und sogar billiger – sein, einen professionellen Dienstleisters für sich arbeiten zu lassen.

Hier einige handfeste Argumente für Import-Profis.