Wechselkennzeichen

Wechselkennzeichen kommt!

Zeit für einen Wechsel

Ein Kennzeichen für drei Autos: Praktisch und sparsam – wenn sich Kfz-Steuer und Versicherung damit reduzieren lassen. Ab 2011 ist es Wirklichkeit.

Endlich Wochenende: Frau Mustermann verlässt das Büro. Der Parkplatz liegt nicht weit: Sie findet immer eine Nische, weil ihr sparsamer Kleinstwagen mit zwei Sitzen so wenig Fläche beansprucht. Zuhause stellt Frau Mustermann das Auto im heimischen Carport ab, holt ihre Aktentasche aus dem Kofferraum – und steckt noch schnell die Nummernschilder um: Vom Kleinstwagen auf den großen Kombi, denn morgen wird die ganze Familie einen Ausflug unternehmen. Mit dem neuen Wechselkennzeichen geht das ganz leicht: Familie Mustermann hat zwei Autos, aber nur ein Kennzeichen, das sie je nach Bedarf von einem aufs andere Auto umpflanzt. Im nächsten Sommer will die Muster-Familie sich vielleicht noch ein gebrauchtes Cabriolet für Sonntagsausflüge anschaffen – das sie dann ebenfalls mit dem Wechselkennzeichen bestücken kann, denn es gilt für bis zu drei Autos.

Umfrage von mobile.de beweist hohes Interesse

In Österreich und der Schweiz gibt es das Wechselkennzeichen bereits, bei uns ist es noch Zukunftsmusik. Momentan beraten die betroffenen Ministerien darüber, nach Einschätzung von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer soll es Mitte 2011 angeboten werden. Wichtigste Funktion: Es soll Autofahrer motivieren, sich einen spritsparenden, umweltfreundlichen Zweitwagen anzuschaffen. Eine aktuelle Umfrage von mobile.de belegt in der Tat großes Interesse bei den Menschen. 30 Prozent der Befragten können sich vorstellen, ein weiteres Fahrzeug zu kaufen, wenn das Wechselkennzeichen verfügbar ist. Noch größer ist der Anteil bei Familien: 40 Prozent der Haushalte mit vier oder mehr Personen erwägen in diesem Zusammenhang die Anschaffung eines Zweitwagens. Über die Hälfte der Befragten (40 Prozent) würden sich für einen verbrauchsarmen Kleinwagen entscheiden, immerhin 13 Prozent tendieren sogar zu Alternativ-Antrieben wie Hybrid, Elektro oder Gas.

Tarife sind noch unbekannt

Mindestens ebenso interessant ist das Wechselkennzeichen für Freunde von Youngtimern: Anstatt drei Fahrzeuge je nach Saison an- und abzumelden, versichern und versteuern zu müssen, können sie sich künftig je nach Laune und Tagesform zwischen bis zu drei verschiedenen Wagen entscheiden. Das wird vor allem Autos betreffen, die jünger als 30 Jahre sind, da für ältere Wagen das H-Kennzeichen attraktiver ist. Wieviel die Autofahrer mit dem Wechselkennzeichen an Steuern und Versicherungsprämien tatsächlich sparen, ist allerdings noch vollkommen offen: Sowohl Finanzministerium (Kfz-Steuer) wie auch Versicherungen (Tarife) finden naturgemäß am Spar-Aspekt des Wechselkennzeichens wenig Gefallen. Aufgrund des harten Wettbewerbs in Deutschland sind die Versicherungstarife für Kfz-Haftpflicht ohnehin "auf dem Niveau der 80er-Jahre", heißt es beim Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft. Viel Luft für weitere Rabatte sei da nicht mehr. Das Finanzministerium will von einem Steuerrabatt sogar überhaupt nichts wissen. Aber noch wird verhandelt.

Wer keinen Stellplatz hat, ist raus

Ohnehin kann nicht jeder das Wechselkennzeichen beantragen: Wer kein Privatgrundstück oder einen Miet-Parkplatz hat, ist von dem Segen ausgeschlossen. Nur das Auto mit dem gültigen Kennzeichen-Teil darf am Straßenrand abgestellt werden – die nicht genutzten Fahrzeuge gelten als "vorübergehend abgemeldet" und müssen deshalb auf privatem Grund stehen. Damit sind viele Städter aus dem Rennen. Ebenso wie Motorradfahrer und die Besitzer von Wohnmobilen: Der aktuelle Entwurf des Verkehrsministeriums sieht vor, dass nur innerhalb der Klasse gewechselt werden kann. Das düpiert zwei große Gruppen von Zweitfahrzeugnutzern, nämlich Schönwetter-Motorradfahrer ebenso wie passionierte Camper. Wie viele Autofahrer am Ende wirklich die neue Multi-Zulassung beantragen, steht in den Sternen: Nach Untersuchungen des Bundesamts für Statistik verfügen mehr als 20 Prozent der Haushalte in Deutschland bereits jetzt über einen Zweitwagen – sind also potenzielle Interessenten. Fraglich, ob die Verluste durch Wechsel aus diesem Bestand nicht die Gewinne durch Neuwagen-Käufer kompensieren... 

So viel ist bekannt – die Fakten zum neuen Wechselkennzeichen:

> Das Wechselkennzeichen gilt für bis zu drei Fahrzeuge derselben Klasse.

> Nutzen darf es jeder, der die nicht genutzten Fahrzeuge auf privatem Grund abstellen kann. Das kann auch der Stellplatz eines Bekannten sein. Entscheidend ist: Ohne komplettes Kennzeichen darf kein Auto auf öffentlichem Straßenland abgestellt werden.

> Das Wechselkennzeichen kann nicht kombiniert werden mit H-Kennzeichen oder Saisonkennzeichen.

> Alle Fahrzeuge, die an der Multi-Zulassung beteiligt sind, müssen zugelassen werden und technisch o.k. sein.

> Der Versicherungstarif soll sich nach dem jeweils teuersten Fahrzeug des Halters richten. Ob die Assekuranzen diesem Wunsch nachkommen, ist noch nicht entschieden.

> Ob auch die Kfz-Steuer reduziert werden kann oder ob für jedes zugelassene Fahrzeug der volle Satz fällig wird, ist noch nicht entschieden.

 

Text: Roland Wildberg