Porsche 911, 997 - Mercedes C 63 AMG, W204

Porsche 911, 997 - Mercedes C 63 AMG, W204

Sportler unter sich

So unterschiedlich können Sportskanonen sein: Der bärenstarke Familiensportler tritt gegen den Porsche 911 Carrera S an.

2. Mai 2012

Wieder ein Sportwagen oder darf es einmal eine Power-Limousine sein? Der Porsche 911 Carrera S diesmal gegen einen nur auf den ersten Blick ungewöhnlichen Gegner: den Mercedes C 63 AMG. Höchst unterschiedlich sind die Motorenkonzepte. Bullige Leistung bieten beide: Der Porsche schafft 283 kW/385 PS, der AMG-Mercedes gar 336 kW/457 PS. Und unter SuperPlus machen es beide nicht. Doch das war's dann auch schon weitestgehend. Das V8-Aggregat im Mercedes ist ein optisches Schmuckstück: Wer die Fronthaube hochklappt, glaubt in den Motorraum eines Trucks zu blicken. Deutlich unscheinbarer der Porsche-Boxer im Heck. Er wirkt mit seinen sechs Zylindern eher wie durch die enge Luke reingequetscht - fürs Auge bietet er wenig.

385 gegen 457 PS

Mit dem bulligen C 63 AMG bietet Mercedes eine alltagstaugliche Rennmaschine an, die innen den gleichen Platz bietet wie eine eher beschauliche Normalversion der C-Klasse. Und auch beim Gepäck sind keine Abstriche nötig: 475 Liter Kofferraum - da schafft der Porsche gerade mal etwas mehr als ein Viertel. Von der Leistung her, die sie tatsächlich auf die Straße bringen, nehmen sich beide Motoren nicht sehr viel - trotz der 72 PS und satten 180 Nm Drehmoment mehr beim AMG. Die müssen bei 1.730 kg Leergewicht allerdings auch mit fast 300 kg mehr zurecht kommen als der Porsche auf die Waage bringt. Der Mercedes stürmt offiziell binnen 4,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h, der Porsche braucht dafür nur 0,2 Sekunden länger. Während der AMG ohne Sportfahrerpaket bei 250 km/h abgeriegelt wird, rennt der Porsche 302 km/h. Spätestens an der Tankstelle zeigt sich dann jedoch, dass der Porsche das deutlich zeitgemäßere Fahrzeug ist. Der AMG entpuppt sich als Säufer - acht Zylinder mit 6,2 Litern Hubraum wollen versorgt werden. Die offiziell veranschlagten 13,4 Liter auf 100 km sind real nicht einmal annähernd zu erreichen - wer so fährt, dass er richtig Spaß hat und ab und an auch mal das Zwischengas genießen will, der kann froh sein, wenn er unter 18 Litern bleibt.

Sparsamer Porsche

Die 10,6 Liter, die Porsche für den Carrera S als Durchschnittsverbrauch angibt, sind dagegen fast schon realistisch. Selbst bei sehr forscher Fahrweise mit deutlichen Autobahnanteilen um 300 km/h lag der gesamte Testverbrauch im Schnitt nur wenig über 13 Liter. Bei normaler, aber immer noch spaßbetonter Fahrweise sollten auch 12 Liter möglich sein. Die Schaltgetriebe beider Wagen gehören zum Besten, was derzeit auf dem Markt zu finden ist - nur nutzt man es bei Porsche deutlich mehr zum Spritsparen. Bei Tempo 80 auf der Landstraße rollt der Zweisitzer ökonomisch im 7. Gang. Wo da der Fahrspaß bleibt? Ein Kick des Gaspedals - und er schaltet blitzschnell herunter und startet durch.

Besseres Fahrwerk beim 911

Der Porsche ist einfach der deutlich agilere von den beiden, der sportlichere eben. Wer einen echten Hochleistungs-Sportwagen will, für den gibt es keine wirkliche Alternative. Erst recht nicht nach der aktuellen Überarbeitung der 911er-Baureihe.

Sieg für den Elfer

Wer immer wieder mal mehr als zwei Sitzplätze braucht und dennoch ausgesprochen sportlich unterwegs und trotzdem komfortabel sein will, für den ist der AMG die - zudem in der Anschaffung noch deutlich preiswertere - beste Wahl. Doch real hat der C 63 AMG gegen den über 100.000 Euro teuren 911 Carrera S keine Chance.

Text: Press-Inform / Jürgen Wolff