Peugeot 207 - VW Polo V

Peugeot 207 - VW Polo V

Kleinwagen-Gerangel

Geht es nach dem Willen der VW-Verantwortlichen, soll der neue Polo der Kleinwagenklasse seinen Stempel aufdrücken. Doch der etwas in die Jahre gekommen Peugeot 207 hat da ein gewichtiges Wort mitzusprechen. Zeit die beiden Widersacher direkt gegeneinander antreten zu lassen.

24. März 2012

Obwohl drei Jahre älter, ist der Peugeot 207 äußerlich dynamischer, als der Polo, der das typische VW-Gesicht mit dem schmalen Kühlergrill trägt. Doch diese Optik ist auch Verpflichtung. Die löst der kleine Wolfsburger ein und holt aus seinen 3,97 Metern einiges raus. Die Ergonomie ist sehr gut. Auch hinten können Erwachsene gut sitzen, natürlich mit Einschränkungen in der Beinfreiheit. Die fällt beim sechs Zentimeter längeren Peugeot 207 noch geringer aus. Vorne vermittelt die schräge Frontscheibe Van-Gefühle. Die Fahrer-Sitzposition ist im Peugeot höher als im Polo, dessen Sitze auch bequemer sind. Beim Peugeot sollte man die Sport-Ausstattung (1.200 Euro Aufpreis) mit ebensolchen Sitzen wählen.

Funktioneller Innenraum

Der Innenraum ist in typischer VW-Manier übersichtlich und funktionell. Alles sitzt da, wo man es vermutet. Auch die Bedienung des Peugeot-Cockpits gibt keine großen Rätsel auf. Aber Details wie der überladene Lichthebel und der unbeleuchtete Radio-Bediensatellit zeugen von Nachholbedarf. Ähnliches gilt für die keineswegs schlechte Verarbeitung des Peugeot, die aber nicht mit der des Polo mithalten kann. Der Deutsche hat auch beim Kofferraumvolumen mit 280 bis 952 Liter die Nase knapp vorne (Peugeot: 270 bis 923 Liter). Allerdings entsteht beim Polo eine Kante, sobald man die Rückbank umlegt. Das ist beim Peugeot nicht so.

ESP kostet beim Peugeot Aufpreis

Die Ausstattung des Franzosen (in der Version "Tendance") bietet unter anderem neben einer manuellen Klimaanlage, sechs Airbags (inklusive durchgehende Vorhangairbags), einem gekühlten Handschuhfach, auf das mancher gerne verzichten würde, wenn das ESP (450 Euro Aufpreis) umsonst wäre. Sinnvolle Extras wie Parkpiepser und Tempomat kosten je 200 Euro, eine Klimaautomatik 350 Euro und ein CD-Radio 400 Euro. Beim Polo ("Comfortline") muss man für das ESP keinen Cent extra bezahlen, ebenso wenig wie für Parkpiepser und sechs Airbags. Dafür sind für das CD-Radio 475 Euro und Nebelscheinwerfer inklusive Abbiegelicht 180 Euro fällig.

Drehfreudiger Polo-Motor

Der Polo wird besonders gerne mit dem 84-PS-Motor geordert. Das 1,4-Liter- Aggregat passt sehr gut zur knackigen Fünfgangschaltung, dreht freudig hoch und ist auch leiser als bisher (was vermutlich an der besseren Dämmung liegt), lässt aber beim Durchzug etwas an Verve vermissen. Das zeigt sich auch beim Sprint auf Tempo hundert, der 12,1 Sekunden dauert. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 177 km/h und der Spritverbrauch liegt gut 0,8 Liter höher als die von VW angegebenen 5,9 Liter pro 100 Kilometer. Der 1.4-Liter Motor im Peugeot 205 steht dem VW-Aggregat wenig nach: Das Ansprechverhalten ist gut. Die 100-km/h-Marke erreicht der Franzose nach 12,7 Sekunden, dafür ist die Höchstgeschwindigkeit mit 180 km/h etwas höher als beim VW. Ebenso wie der Verbrauch, der über sieben Liter pro 100 Kilometer lag (Peugeot gibt 6,8 Liter an).

Ausgereifte Fahrwerke

Die Zeiten der französischen automobilen Sänften sind vorbei. Der kleine Peugeot wieselt ambitioniert um die Kurven, ohne dabei durch eine allzu große Wank- und Nickneigung aufzufallen. Dabei hilft es, dass die Peugeot-Ingenieure endlich den Nutzen einer direkten Lenkung entdeckt haben. Warum allerdings beim 207 hinten nur Trommelbremsen verbaut sind, wird immer ihr Geheimnis bleiben. Der Polo hat rundherum Scheibenbremsen und macht auch sonst alles ein bisschen besser als der keinesfalls schlechte Peugeot. Das Fahrwerk und die Lenkung bilden eine harmonische Einheit: Der Wolfsburger geht einen Schuss schneller um die Ecken, bleibt im Grenzbereich länger neutral und federt Unebenheiten geruhsamer ab.

Fazit: Der VW Polo ist das ausgereiftere Auto als der keineswegs schlechte Peugeot. Der Preisunterschied von 1.925 Euro (Peugeot: 13.150 Euro, Polo 15.075 Euro) werden durch die Mehr-Ausstattung und den höheren Wiederverkaufswert des VW relativiert.

Stärken

 
  • Polo: Drehfreudiger Motor
  • Platzangebot

 

  • Peugeot: Direkte Lenkung
  • Ebene Ladefläche

Schwächen

 
  • Polo: Preis

 

  • Peugeot: Nicht immer schlüssiges Bedienkonzept
  • ESP kostet Aufpreis
Text: Press-Inform / Hans-Jürgen Peters