Opel Insignia - VW Passat Blue, B6

Opel Insignia - VW Passat Blue, B6

Geräumige Verbrauchsminimalisten

Geräumig wie ein Mittelklasse-Fahrzeug und dabei so wenig wie ein Kleinwagen verbrauchen - diesen Spagat schaffen der VW Passat und der Opel Insignia. Wem gelingt die anspruchsvolle Übung am besten?

23. März 2012

Ginge es nur nach dem Aussehen, würde der Insignia den Vergleichstest für sich entscheiden: Während der VW Passat mit dem Wappen-Kühlergrill, den Tränensäcken unter den Scheinwerfern und einer unaufgeregte Formensprache eher die konventionelle Business-Limousine gibt, wirkt der Rüsselsheimer Hoffnungsträger sportlicher. Markante Kanten, ein selbstbewusster Chrom-Lamellen-Kühlergrill und eine stark abfallende Dachlinie gefallen.

Üppiges Platzangebot

Das Platzangebot ist bei beiden rund 4,80 Meter langen Limousinen (Passat 4,76 Meter, Insignia 4,83 Meter) erwartungsgemäß üppig. Allerdings macht der Passat mehr aus seinen Möglichkeiten. Beim Insignia beschränkt im Fond die stark abfallende Dachlinie die Kopffreiheit. Dagegen kann man sich es vorne bei beiden ohne Einschränkungen sehr gemütlich machen. Auch beim Kofferraumvolumen hat der Passat mit 565 bis 1.091 Liter (Insignia 500 bis 1.070 Liter) knapp die Nase vorne. Das gleiche Bild ergibt sich auch beim Cockpit: Der Innenraum des Rüsselsheimers ist ansehnlich und sauber verarbeitet. Doch das VW-Cockpit beeindruckt mit einer unaufgeregten Nüchternheit widerspiegelt. Während beim Opel die Mittelkonsole überladen ist, reduziert sich das VW-Bedienkonzept auf das Wichtige.

Karge Serienausstattung

Die Ausstattung ist bei beiden nicht sondermäßig opulent: Sechs Airbags (ebenso viele wie beim Insignia), ESP mit Gegenlenkunterstützung, eine manuelle Klimaanlage und eine Gangwechsel-Anzeige sind serienmäßig, dass ein simples CD-Radio beim VW 630 Euro Aufpreis kostet, ist nur schwer verständlich. Beim Insignia ist es an Werk am Bord. Wer beim Opel Parkpiepser vorne und hinten haben will, muss 520 Euro bezahlen. Beim VW sind es zehn Euro mehr.

Knurriger Diesel

Trotz 17 PS mehr kann der Insignia den Passat nicht abschütteln. Der knurrige und stets präsente Opel-Motor hat mit 350 Newtonmeter Drehmoment unten herum genug Kraft. Der 143-PS-Diesel des Passat kann trotz 30 Newtonmeter weniger und fehlendem Overboost (bei Opel sind für 15 Sekunden 380 NM möglich gut mithalten: Das liegt an 138 Kilogramm weniger Gewicht. Beim Ecoflex-System setzten die krisengebeutelten Rüsselsheimer auf altbekannte Stellhebel zur Verbrauchsreduzierung, wie eine längere Getriebeübersetzung, rollwiderstandsoptimierte Reifen und einer verbesserten Aerodynamik, die auch durch Modifikationen am Unterboden erreicht wird. Der VW zeigt sich dagegen als echter Saubermann und erfüllt dank Harnstoffeinspritzung jetzt schon Euro 6. Beim Verbrauch pro 100 km ist der Passat dennoch um 0,4 Liter sparsamer (5,8 zu 6,2 Liter). Den Sprint auf 100 km/h entscheidet der 138 -Kilogramm leichtere Passat ebenfalls mit gut einer halben Sekunde Unterschied für sich (9,2 zu 9,7).

Neutral abgestimmter Passat

Dass beide Kontrahenten keine Agilitäts-Wunder sind, dürfte jedem klar sein. Komfort überwiegt. Trotzdem wieselt der Passat mit seinem serienmäßigen 16-Zoll-Rädern etwas schneller um die Ecken, als der Insignia, der bei hurtig durchfahrenen und engen Kurven etwas schneller über die Vorderräder schiebt, als sein Wolfsburger Wettbewerber. Die Lenkung des Opels ist zwar direkt, lässt aber eine vollständige Rückmeldung vermissen. Der Passat ist neutral abgestimmt, die Lenkung ist ziemlich stoßfrei und federt noch etwas zuverlässiger ab.

Fazit: Der Insignia ist ein gutes Auto, doch der Passat macht alles noch ein bisschen besser. Bis auf die wirklich karge Ausstattung zeigt der Wolfsburger, dass er auch mit jüngeren Konkurrenten mithalten kann. Bei einem Preis von 29.225 Euro ist der Passat definitiv kein Schnäppchen, ist aber ein ausgereiftes Auto. Mit 28.690 Euro belastet der Insignia das Budget noch weniger.

Stärken

 
  • Passat: Gute Raumnutzung
  • Solide Verarbeitung

 

  • Insignia: Direkte Lenkung
  • Fairer Preis

Schwächen

 
  • Passat: Lange Aufpreisliste

 

  • Insignia: Knurriger Diesel
Text: Press-Inform / Hans-Jürgen Peters