Chevrolet Captiva - Dodge Nitro

Chevrolet Captiva - Dodge Nitro

Kantenschlag

SUV sind im Trend. Der kantige Dodge Nitro misst sich mit dem sehenswerten Chevrolet Captiva.

7. Mai 2012

Der Nitro kommt brachial daher, eckig, kantig. Man riecht förmlich den Achselschweiß in der Luft und wartet darauf, dass ihm der Cowboy aus der Marlboro-Werbung entsteigt und seinen Sattel hinten aus dem Laderaum wuchtet.

Der Captiva dagegen, rundlicher, eleganter, zivilisierter. Eher gebaut, um die Kids morgens zur Schule und nachmittags samt Freunden zum Fußball zu chauffieren, anschließend vor dem Supermarkt den Wocheneinkauf zu verladen und abends in Abendkleid und Anzug vor dem Opernhaus vorzufahren.

Der Schöne und das Biest. Der ungehobelte Klotz und der zivilisierte Städter.

Robust gegen chic

Ziemlich auseinander driften beide, wenn es um den Innenraum geht - klar: Hier ist Image wieder das Thema. Der Nitro wirkt viel grober geschnitzt als der Captiva - ein Arbeitsplatz für Cowboys eben. Die Materialien wirken zwar billiger, dafür aber auch robuster - bis hin zu den tief profilierten Fußmatten. Die in das Sitzleder eingeprägten Dodge-Logos markieren quasi den Revier- und gleichzeitig den Lebensanspruch seines Besitzers: "Ich packe das Leben bei den Hörnern."

Der Captiva ist da viel feinsinniger, viel edler und zurückhaltend. Home & Garden statt Prärie & Longhorn. Groß lernen muss man die Bedienung bei beiden nicht - von Kleinigkeiten abgesehen ist alles an seinem Platz, übersichtlich, funktionell und leicht erreichbar. Praktisch beim Captiva: Die Heckscheibe lässt sich auch alleine öffnen.

Beide sind als Zugfahrzeuge gut geeignet. Der Captiva schafft bis zu 2.800 Kilo Anhängerlast, der Nitro sogar 3.000. Voll bestuhlt kommt der Captiva auf eine Kapazität von 465 Liter, die sich durch das Umklappen der Rücksitze auf bis zu 930 Liter vergrößern lässt. Gegen den Nitro kommt er damit nicht wirklich an. Der verfügt zwar voll bestuhlt nur über 389 Liter Laderaum, lässt sich aber bis auf satte 1.994 Liter erweitern.

Kraftvolle Dieselmotoren

Bei den Leistungsdaten etwa kommen beide gut zusammen. Der Nitro hat mit 130 kW/170 PS aus seinem 2,8-Liter 4-Zylinder-Diesel zwar zunächst die Nase vorne im Vergleich zu dem 110 kW/150 PS starken 2,0-Liter-Diesel des Captiva. Doch das um rund 200 Kilogramm höher Leergewicht des Dodge egalisiert den Vorsprung wieder, wenn es darum geht, wohin die Leistung geht.

Beide brauchen 11,5 Sekunden für den Spurt von 0 auf 100 km/h, für beide ist Schluss mit dem Vortrieb, sobald die Tachonadel um die 180 zittert. Nur beim Verbrauch liegt der Captiva deutlich günstiger - wegen seines kleineren Motors und der windschlüpfrigeren Form: Er ist offiziell mit 7,6 Liter Diesel zufrieden, der Dodge will einen Liter mehr. Im Test lagen beide gut zwei Liter darüber.

Captiva mit mehr Komfort

Vom Fahrverhalten her kommt der Captiva deutlich limousiniger daher. Während man im Nitro immer wieder mal arbeiten und korrigierend eingreifen muss, fährt sich der ruhiger auf der Straße liegende Captiva etwas entspannter. Die Lenkung ist bei beiden leichtgängig, könnte aber präziser sein und besseren Kontakt zur Straße vermitteln. Die Abstimmung ist bei beiden eher straff eingestellt, ohne unkomfortabel zu werden. Der Nitro reagiert auf schlechten Straßen aber etwas poltriger.

In beiden SUV ist der Diesel immer deutlich zu vernehmen, im Nitro deutlich kerniger und kerliger als im Captiva. Aufdringlich laut werden beide aber auch bei hohem Tempo nicht. Mit beiden kann man nicht zuletzt wegen der Bodenfreiheit auch abseits der befestigten Piste - sofern man jeweils die 4x4-Version geordert hat. Aber ausgesprochene Offroader für schweres Gelände sind sie dann doch nicht - dazu fehlt ihnen das Sperrdifferenzial und die entsprechend griffige Bereifung.

Captiva liegt vorn

Den Vergleich kann der Chevrolet Captiva für sich entscheiden. Er bietet das bessere Fahrverhalten, einen praktischeren Innenraum und den ausgewogeneren Antrieb. Der Chevrolet Captiva 2.0 D kostet in der schon sehr gut ausgestatteten Basisversion 29.890 Euro, den nicht minder gut bestückten Dodge Nitro 2.8 SE ab 28.890 Euro.

Einen cooleren Auftritt als im Nitro wird man auf unseren Straßen für diesen Preis wohl kaum hinlegen können - dazu tragen schon die bullige Optik und sein Exoten-Status bei. Ein Auto eben für die typische Dodge-Zielgruppe: echte Kerle. Wer es lieber edel haben will und bequemer, ohne gleich seine Konten plündern zu müssen, der ist mit dem Chevrolet Captiva besser bedient. Der bietet alles, was ein modernes SUV heute so braucht - zu einem sehr fairen Preis.

Text: Press-Inform / Jürgen Wolff