BMW X6, E71 Modellpflege - Porsche Cayenne II

BMW X6, E71 Modellpflege - Porsche Cayenne II

Zweikampf der Kraftmeier

Bislang galt der knackige X6 M50d bei den Diesel-SUVs als Maß aller Dinge. Jetzt will ihm der Cayenne S Diesel den Thron streitig machen.

11. März 2013

Unterschiedlicher könnte das Auftreten zweier Konkurrenten gar nicht sein. Auf der einen Seite ist das bullig-martialische SUV-Coupé BMW X6 M50d, auf der anderen der sportlich elegante Porsche Cayenne S Diesel.

Letzterer trumpft dann auch beim Platzangebot gegenüber dem BMW mit der stark abfallenden Dachlinie auf. Zudem sorgt der breite Kardantunnel beim Münchner für eine gewisse Enge. Bei Personen ab 1,80 Metern wird es im X6-Fond eng.

Auch beim Kofferraumvolumen spielt der Bayer mit 570 bis 1.450 Liter gegenüber den 670 bis 1.780 Liter des Porsche die zweite Geige.

Hochwertige Verarbeitung beim Porsche

Der Porsche gefällt mit einer hochwertigen Verarbeitung, bei der der BMW nicht mithalten kann.

Dafür macht der Bayer mit dem einfach zu bedienenden iDrive den Passagieren das Leben einfacher als der Porsche, dessen Vielknopf-Flugzeug-Cockpit zusätzliche Einarbeitungszeit erfordert.

Das dickere BMW-Lenkrad liegt deutlich besser in der Hand als der dünne Zuffenhausener Kranz.

Besser sind dagegen die Sportsitze die Cayenne Diesel S, die sich deutlich variabler einstellen lassen. Nur hier sind Seiten- und sogar Oberschenkelwangen variabel anzupassen.

Bei PS auf Augenhöhe

Bei den PS sind beide Konkurrenten auf Augenhöhe: Der Porsche hat einen Bi-Turbo-V8-Motor mit 382 PS und ein Drehmoment von 850 Newtonmeter, der X6 M50d schöpft seine 381 PS und 740 Nm aus einem Reihensechszylinder mit Triple-Turbo-Aufladung. Auf dem Papier sind beide gleichauf.

Der BMW sprintet in 5,3 Sekunden von null auf hundert und schlägt den Porsche damit um 0,4 Sekunden. Dennoch wirkt der Zuffenhausener leichtfüßiger: Voll ausgefahren zeigt der Tacho 264 km/h, während die nominelle Höchstgeschwindigleit 252 km/H ist.

Das Angenehme ist die Leichtigkeit, mit der das 4,2-Liter-Triebwerk den 2,2-Tonnen-Cayenne nach vorne katapultiert, untermalt von einem vollen, kräftigen Motorenklang.

Harmonischere Kraftentfaltung beim Porsche

Der X6 schafft laut Tacho 254 km/h. Die größere Mühe mit dem 2,3 Tonner merkt man den X6 M 50d auch auf der Tankuhr an: Mit einem Durchschnittsverbrauch von 12,7 Litern ist der Münchener um 0,5 Liter durstiger als der Zuffenhausener.

Das liegt auch daran, dass der Motor des BMW rund 700 Umdrehungen höher dreht als der Porsche-V8. Der Sechszylinder wirkt deutlich angestrengter - auch akustisch. Das Triebwerk klingt brummig und auch die Kraftentfaltung ist bei weitem nicht so harmonisch wie beim Konkurrenten.

BMW mit mechanischem Torque-Vectoring

Beim Kurventanz schenken sich beide Wettbewerber so gut wie nichts. Beide setzen einen permanenten Allradantrieb mit einer elektronisch gesteuerten Lamellenkupplung und einem gut abgestimmten Automatik-Getriebe ein.

Allerdings gibt es an der Hinterachse Unterschiede. Porsche erzeugt Einlenkdynamik durch Bremseingriffe an einem Rad, das durchzudrehen droht, und indem mehr Drehmoment auf das kurvenäußere Rad geleitet wird. Bei BMW sorgt das Torque-Vectoring durch eine elektronisch geregelte aber mechanisch agierende Überlagerungskupplung für Querdynamik.

Zwar ist die bayerische Lösung überlegen, aber das Porsche-Bremseingriff-System macht einen so guten Job, dass Unterschiede nur kurz vor dem Grenzbereich spürbar werden.

Fazit

Mit einem Grundpreis von 78.874 Euro ist der Porsche Cayenne S Diesel um 7.526 Euro billiger als der BMW. Der bietet dann auch Schmankerl wie eine Niveauregulierung an der Hinterachse.

Vernünftig ausgestattet kosten beide um die 100.000 Euro.

Auch wenn sich der konzeptionell ältere BMW X6 M50d mit dem modernen Triple-Turbo-Diesel kraftvoll schlägt, hat der Cayenne S Diesel letztendlich aufgrund der Agilität und des grandiosen V8-Motors die Nase vorn.

Stärken 

Porsche:

  • exzellente Sitze
  • bärenstarker Motor
  • straffes Sportfahrwerk

BMW:

  • bulliger Antritt
  • ausgewogenes Fahrwerk
  • variabler Allradantrieb

Schwächen

Porsche:
  • Komfortschwächen
  • mäßige Serienausstattung

BMW:

  • brummiger Motor
  • schwache Serienausstattung
Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll / Stefan Grundhoff