Alfa Romeo 159, Typ 939 - Ford Mondeo, Typ BA7

Alfa Romeo 159, Typ 939 - Ford Mondeo, Typ BA7

Jenseits der Passatwinde

In der volumenstarken Mittelklasse spielen Audi A4, 3er BMW, Mercedes C-Klasse und VW Passat die erste Geige. Doch Ford Mondeo und Alfa Romeo 159 sind gute Alternativen - jeder auf seine Art.

1. Januar 2009

Sehen lassen können sich beide Modelle. Nicht nur Kilometerfresser kommen beim langstreckentauglichen und überaus variablen Ford Mondeo 2.2 TDCi in Versuchung. Wer die Dimensionen des Mondeo nicht benötigt und sein Auge allmorgendlich lieber an italienischem Design laben möchte, der wird sich bei Alfa Romeo bestens bedient fühlen. Der Alfa Romeo 159 ist als Sportwagon eine Schönheit - und auch als Limousine mehr als nur einen Flirt wert. Volumenmodell ist der 150 PS starke 1,9 JTD.

Schöner Italiener

Anders als der Alfa ist der Mondeo nicht nur als Stufenheck- und Kombiversion, sondern auch mit besonders praktischem Fließheck zu bekommen. Die Grundfläche dürfte als Kinderspielplatz für eine mittlere Kindertagesstätte reichen. Leicht beladen lässt sich der 540 bis 1.460 Liter große Laderaum zudem noch. Alfa Romeo stellt dem nur die klassenüblichen 405 Liter einer echten Stufenhecklimousine entgegen. Ärgerlich, dass es beim Öffnen des Italo-Hecks immer dreckige Finger gibt.

Sehenswert präsentiert sich der 4,66 Meter lange Alfa Romeo 159. Von den Maßen eine halbe Klasse kleiner, verwöhnt er seine Insassen bei weitem nicht mit derart opulenten Platzverhältnissen wie der Ford, nicht mit einem verschwenderischen Kofferraum oder feinen Detaillösungen. Doch der Blick aus dem Sechs-Augen-Gesicht, die stramme Seitenlinie oder das knackige Heck - so sehen schöne Limousinen ohne nervige Designschnörkel aus.

Kraftvolle Diesel

Der 2,2 Liter große Commonrail-Diesel des Ford leistet 125 kW / 175 PS und ein maximales Drehmoment von 420 Nm. Trotz der vier Brennkammern läuft er so seidig und weich, dass man nach der Warmlaufphase fast sicher ist, in einem Benziner zu sitzen. Von 0 auf 100 km/h sprintet er in sportlichen 8,7 Sekunden und auch die 228 km/h Spitze können sich sehen und fahren lassen. Die Sechsgang-Handschaltung passt bestens - und so ist es allein der Frontantrieb, der das exzellente Gesamtbild stört. Nicht nur bei rutschigem Untergrund hat der Kölner so seine Probleme, die Kraft auf die Straße zu bekommen.

Der Alfa Romeo muss mit 25 PS weniger auskommen. Doch die meisten sind mit den gebotenen 110 kW/150 PS des 1,9-Liter-Modells zufrieden. Der 1,6 Tonnen schwere Fronttriebler geht bei weitem nicht so bissig zu Werke wie der Mondeo. Er schafft den Spurt von 0 auf 100 km/h jedoch auch in akzeptablen 9,2 Sekunden. Bei der Höchstgeschwindigkeit hat er mit 212 km/h jedoch keine Chance. Dass er auch beim realen Verbrauch hinter dem deutlich größeren und stärkeren Ford zurückbleibt, mag dann jedoch überraschen. Statt der versprochenen 5,9 Liter Diesel auf 100 Kilometern verbrannte der Alfa trotz Hightech-Einspritzsystem im Durchschnitt 7,8 Liter. Für diese Motorleistung schlicht zu viel. Dem gegenüber begnügte sich der 175 PS starke Mondeo mit ordentlichen 7,6 Litern.

Klasse Ford-Fahrwerk

Beide Konkurrenten wollen eifrig geschaltet werden. Auch wenn das maximale Drehmoment bereits ab dem Drehzahlkeller zur Verfügung steht, greift man gerade bei geringen Geschwindigkeiten in der City häufig zur Schaltung.

Die könnte beim Ford deutlich kürzere Schaltwege haben; ist jedoch deutlich besser als beim schneidigen 159er. Auch beim Fahrwerk hat der deutsche Vertreter die Nase vorn. Fährt er sich doch eine Spur ausgewogener und komfortabler als der Alfa, der jedoch keinesfalls enttäuscht.

Beide Lenkungen sind direkt und präzise. Doch der Ford bietet eine nahezu perfekte Mischung aus Leichtgängigkeit, Rückmeldung und Präzision.

Ford deutlich vorn

Der Basispreis für den gut ausgestatteten Alfa 159 1.9 JTDM 16V ti liegt bei 34.150 Euro. Alfa Romeo hat seine Wartungsintervalle auf 35.000 Kilometer verlängert und gewährt Kunden eine Vier-Jahres-Garantie bis 200.000 Kilometer. Der Einstiegspreis beginnt für den Fließheck-Mondeo in der Ausstattungsversion Trend bei 28.500 Euro.

Unterm Strich gewinnt der Ford Mondeo 2.2 TDCi diesen Vergleich der Mittelklasse-Diesel mit deutlichem Vorsprung. Motor, Fahrwerk, Lenkung und Platzangebot - da hat der Alfa jeweils das Nachsehen. Dabei kann der 159 auch als Limousine weit mehr als nur gut aussehen. Doch wenn er zukünftig gegen die starke Konkurrenz bestehen will, muss er bei der nächsten Generation einiges drauflegen.

Stärken

 
Alfa:
  • rassige Optik
  • handlich und fahraktiv
Ford:
  • kräftiger und kultivierter Motor
  • Fahrwerk
  • präzise Lenkung
  • gutes Platzangebot
Beide:
  • saubere Verarbeitung
  • bequeme Sitze
  • exakte Schaltung

Schwächen

 
Alfa:
  • nur mittelmäßiger Kofferraum
  • schlechtes Navi
  • wenig aktuelle Ausstattung
  • hoher Verbrauch
Ford:
  • eingeschränkte Traktion auf den Vorderrädern
Beide:
  • Übersichtlichkeit unbefriedigend
Text: Press-Inform / Stefan Grundhoff/Stefan Zaumseil