Fahrbericht: Mazda MX-5 2.0

Roadster in 4. Generation

Auch neu ganz der Alte

Mazda reizt die Sache voll aus: Erst Mitte September kommt die neue MX-5-Generation auch in Deutschland auf die Straße. Das erwartet die Fans: Ein kerniger kleiner Roadster, der sehr an das Ur-Modell erinnert.

22. Juni 2015

Ganz neu und doch ganz der Alte – wie soll das gehen? Mazda ist das Kunststückchen geglückt: Mit der 4. Generation des Roadster-Klassikers MX-5. Er hat alle Eigenschaften, die uns schon vor 25 Jahren bei der Markteinführung des Ur-Großvaters gefielen. Er fährt sich wie ein Go-Kart, schaltet wie ein Colt, vermittelt Freiheit & Abenteuer bei maximaler Qualität (also das, was die britischen Roadster nie schafften).

Zugleich ist der neue MX-5 auf der Höhe der Zeit: elektronisch verdrahtet und vernetzt, mit diversen Assistenten garniert und zwinkert mit LED-Lampen durch raubkatzenartig langgezogene Scheinwerfer-Schlitze. Dabei wiegt er nicht ein Gramm mehr als das Ur-Modell. Das soll mal einer nachmachen.

Mazda ist einem Markt treu geblieben, dem viele Hersteller inzwischen den Rücken kehren: Cabrios werden weniger gekauft, Roadster schon gar nicht. Aber es handelt sich ja schließlich um das Original.

 
 

Erneut wagt sich Mazda in die Nische

Als Autohersteller und Vertriebsorganisation sollte man seine Kunden – und seien es nur potenzielle – gut kennen. Das Mazda-Management scheint genau zu wissen, was es da tut. Es ist ja mit einem absoluten Nischen-Modell schon mehrfach gut gefahren.

Knapp 1 Million mal wurde der MX-5 seit 1989 weltweit verkauft. Angeblich rechnete man anfangs mit 5.000 Exemplaren jährlich, doch schon nach knapp zwei Jahren waren mehr als 140.000 Roadster verkauft. Eine unerhörte Erfolgsstory.

Lässt sich das wiederholen? Der gewaltige Erfolg sollte schon der 2. Generation nicht mehr gelingen: Zu viele Konkurrenten waren nun auf dem Markt, Mazda musste den Kuchen teilen. Doch jetzt ist die Bahn wieder frei für kleine, mutige Marken, wie Mazda eine ist.

Eine Hommage an den Vorfahren

Der neue Mazda MX-5 ist bereits hinsichtlich der technischen Daten eine Hommage an seinen Vorfahren: Er wiegt so wenig wie der erste MX-5, er ist mit 3,91 Meter sogar sechs Zentimeter kürzer! Die Räder sind weit vorn bzw. hinten, das lässt das Auto kompakter, gedrungener wirken.

Optisch geht es schärfer und auch polarisierender als bei den Vorgängergenerationen zu. Die Proportionen sind kernig, knackig. Auch weil die Insassen beinahe auf der Hinterachse sitzen und der Radstand auf schnittige 2,31 Meter schrumpfte.

Schlicht zu klein dimensioniert präsentieren sich im Gewand der schneidigen Roadster-Karosse die Räder, die selbst beim 160 PS starken Topmodell mit schmaler Spur und der Dimension 205/45 R 17 überschaubar dimensioniert sind.

In Japan gibt es den MX-5 seit Mai

Das immer kleiner werdende Segment hat an erneut ein würdiges Aushängeschild gefunden: den MX-5. Und weil die vierte Generation eben ganz offensichtlich wieder ein Volltreffer geworden ist, dürfte die Konkurrenz vermutlich mit leichtem Neid, aber auch gedämpfter Hoffnung auf die kleine Marke aus Japan schauen.

Denn wenn der neue Spaßmacher ein Erfolg wird, könnte das ganze Segment den dringend erforderlichen Lebensimpuls bekommen. Entsprechend groß sind die Erwartungen – intern wie extern. Traurig nur für die Fans, dass sie mit dem offenen Zweisitzer erst im kommenden Sommer durchstarten können, da er erst ab September auf den europäischen Markt kommt.

Gerade einmal 1.000 Roadster sollen in den letzten Monaten des Jahres an Kunden gehen. In Japan ist der Roadster dagegen schon seit Mai auf dem Markt, die USA folgen im Juli.

Spaßgranate im Zwei-Liter-Motor

Von den 800 Vorbestellungen entfallen mehr als die Hälfte auf das Topmodell mit dem gewohnt unhandlichen Namen „Mazda MX-5 Skyactiv G 160 i-Eloop“. Eine gute Wahl, wie auch wir finden: Denn erst der große Motor macht die Fahrt im MX-5 zur zünftigen Kurvenhatz.

Das 131 PS starken 1,5-Liter-Triebwerk ist natürlich geeignet, von A nach B zu gelangen – allein, es wirkt schwächlich und benötigt relativ hohe Drehzahlen, um so richtig in Schwung zu geraten. Das geht mit 160 PS aus 2,0 Liter Hubraum viel müheloser.

Auch wenn der kleine Einsteiger allemal genügend Laune macht, gibt es weitere gute Gründe, das Topmodell zu wählen. Denn der zwei Liter große Vierzylinder hat mit dem rund eine Tonne schweren Nippon-Roadster keinerlei Mühe und lässt ihn auch ohne zeitgemäße Turboaufladung zu einer Spaßgranate werden.

Der Fahrspaß hat Vorfahrt

Dabei ist der MX-5, kleiner als bislang, kein Krawallmacher. Dazu hat er schlicht zu wenig Hubraum, zu wenig Leistung und zu wenig Dampf – 200 Nm Drehmoment sind im Turbozeitlalter eben nicht mehr die Welt. Der Zweizylinder-Sauger hört sich selbst in höheren Drehzahlen seelenlos an und wer richtig Spaß haben will, muss den Sauger deutlich über die 5.000-Touren-Marke drücken. Dann macht er mächtig Laune.

Die leichtgängige, aber sehr präzise Lenkung ist klasse, die Handschaltung nicht nur in dieser Liga konkurrenzlos. Die perfekte Gewichtsverteilung von 50:50 lässt einen mit Lenkung und Gas kalkulierbar das rundliche Heck auskeilen - und problemlos wieder einfangen. „Ein offener Roadster wie der MX-5 muss einfach einen Hinterradantrieb haben“, unterstreicht der verantwortliche Manager Nobuhiro Yamamoto, „anders wäre er schlicht und ergreifend nicht denkbar. Da muss man sich nur die historischen Vorbilder aus den 50er Jahren anschauen. Der Fahrspaß ist schließlich das A und O.“

Die reinen Fahrleistungen sind angesichts des Spaßfaktors beinahe zu vernachlässigen. 0 auf Tempo 100 in 7,3 Sekunden und 214 km/h Spitze sind kaum mehr als die kleinere 1,5-Liter-Version. Der Normverbrauch: 6,6 bis 6,9 Liter Super, woraus in der Realität bestimmt zehn werden. Egal, der Spaß hat Vorfahrt, und: Der 45 Liter große Tank reicht, dass man nicht in allzu kurzen Abständen an die Zapfsäule muss.

Klimaanlage ist immer dabei

Im Innenraum darf man in dieser Klasse keine Opulenz erwarten. Es geht nicht puristisch, aber allemal eng geschnitten zu. Die Sitze passen gut. Die Basisausstattung umfasst sogar Klimaanlage, elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung und Alufelgen.

Die Sitze passen gut, doch das Lenkrad lässt sich nicht in der Länge verstellen. Das stört großgewachsene Fahrer über 1,80 Metern Größe. Der Laderaum fasst 130 Liter. Das ist gerade genug für eine knappe Woche zu zweit in Norditalien. Kurz gesagt: Für zwei Koffer ist Platz, das Golfgepäck muss zu Hause bleiben.

Das Dach lässt sich mühelos manuell und aus dem Fahrersitz öffnen und schließen. Eine elektrische Öffnung wird erst die Klappdachversion des MX-5 bekommen, die wohl kaum vor 2017 nachgezogen wird.

Topmotor nur mit Top-Ausstattung

Preislich liegt der neue Mazda MX-5 ungefähr auf der Höhe des Vorgängers. Das Basismodell MX-5 1.5 Prime-Line mit LED-Scheinwerfern, Stoffsitzen, Radio und manueller Klimaanlage startet bei fairen 22.990 Euro.

Leider gibt es den größten Motor nur in Verbindung mit der höchsten Ausstattungsstufe. Dann zahlt man 28.990 Euro, ein raffinierter Schachzug von Mazda. Zum begehrten Zweiliter kommen im Topmodell MX-5 2.0 Sports-Line i-Eloop noch ein Sportfahrwerk, 205er Reifen und beheizten Ledersitze.

Mit letzteren ist der Kauf natürlich bereits diesen September möglich – für entspanntes Offenfahren durch herbstliche Hügel.

Mehr Infos über dem neuen Mazda MX-5 in der Bildergalerie.

Stärken

 
  • Fahrspaß pur
  • sehr gutes Fahrwerk
  • direkte Lenkung
  • perfekte Handschaltung

Schwächen

 
  • Knapp geschnittener Innenraum
  • kleiner Kofferraum
Text: Press-Inform / Stefan Grundhoff