Wenn er rollt, dann rollt er

BMW 318d Gran Turismo

Wenn er rollt, dann rollt er

Der BMW 3er Gran Turismo soll die Dynamik eines Sportwagens mit dem Komfort eines Kombis verbinden. Klappt das auch beim 318d?
3. Februar 2014 Nein, Gran Turismo ist nicht nur ein Videospiel, sondern auch die Bezeichnung für die lange Reise in einem komfortablen Sportwagen. Ansonsten macht der BMW 318d sehr viel richtig. Vorne und hinten ist viel Platz. Dank der weit öffnenden Türen ist auch der Einstieg kein Problem. Die Heckklappe schwingt so hoch, dass auch große Menschen problemlos darunter stehen können. Die Ladekante ist niedrig, der Boden eben, wenngleich leicht ansteigend und bei umgelegten Rückensitzlehnen schluckt der Kofferraum maximal 1.600 Liter. Damit lässt sich schon allerhand transportieren.

Wie gemacht für die Langstrecke

Das Cockpit hat wenige Überraschungen parat. Das BMW-Bedienkonzept ist nach wie vor Referenz. Die Menüführung ist mit Hilfe des Drehknopfs intuitiv und die Spracheingabe funktionierte problemlos. Nur bei der Wertigkeit mancher Materialien, wie etwa bei den Favoritentasten, hat noch Raum für Verbesserungen. Das können andere besser. Aber da ist er wieder: der Fluch der guten Tat.

Mehrere Fahrmodi

Eine der ganz großen Stärken des BMW 3168d ist die Langstrecke: Wenn die Reise von A nach B weiter ist, spielt der 318d Gran Turismo ganz vorne in der Komfortliga mit. Bodenunebenheiten werden entspannt weggebügelt, ohne dass der knapp 1,6 Tonnen schwere Münchener zur Sänfte mutiert. Schließlich reden wir hier von einem BMW, der ja die Freude am Fahren vermitteln will. Dazu gehören auch die sehr bequemen aber aufpreispflichtigen Sportsitze und die präzise Lenkung. Der 143-PS-Diesel passt aber nur sehr eingeschränkt zum dynamischen BMW-Selbstverständnis. Das ist der Fluch der guten Tat. Vor allem unter Last nagelt der Bayern-Selbstzünder derart, dass man sich unweigerlich an die Pumpe-Düse-Zeiten erinnert fühlt.

Achtgangautomatik tut ihr Bestes

Dazu fehlt dem 318d der echte Punch. Gut, von 143 PS kann man sich keine Wunderdinge erwarten, aber das maximale Drehmoment von 320 Newtonmetern suggeriert doch, dass das Zwei-Liter-Aggregat schon \"Schmalz\" hat. Immerhin erreicht der 318d GT nach 9,6 Sekunden die 100- km/h-Marke. Im Alltag fühlt sich das alles etwas träger an. Vor allem die Fahrmodi \"Eco Pro\" und \"Comfort\" rauben dem BMW die Verve. In \"Sport\" geht es zwar etwas dynamischer zur Sache, aber das wird mit höheren Drehzahlen und einer aggressiveren Gasannahme bezahlt, was sich zwar sportlicher anfühlt, aber auch zu einem höheren Spritverbrauch führt. Aber einmal in Schwung gekommen rollt der 318d unangestrengt dahin.
Die Achtgangautomatik von ZF tut zwar ihr Bestes, aber sie kann nicht so zaubern, wie Harry Potter und die BMW Technikschmiede FIZ ist nicht die Magierschule Hogwarts. Bei den Testfahrten, die hauptsächlich im \"Comfort\"- Modus durchgeführt wurden, kamunterm Strich ein Durchschnittsverbrauch von 7,2 l/100 km heraus - das ist deutlich mehr, als die angegebenen 4,5 l/100 km. Da hilft auch der elektrisch ausfahrbare Heckspoiler nicht wirklich weiter, angesichts der zurückhaltenden Athletik und der Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h rutscht dieses technische Gimmick doch eher in Richtung Mimikry.
Der Preis ist BMW typisch nicht von Pappe. Schon in der Basisausstattung muss man für den 318d Gran Turismo inklusive Achtgang-Automatik 38.950 Euro auf den Tisch legen. Das ist ohnehin nicht wenig. Dazu kommt dann noch die traditionell recht lange Aufpreisliste. Sobald die Häkchen bei etwas Luxus und einigen Assistenten gesetzt sind, können es dann schon mal 45.000 Euro werden.

Stärken

  • Guter Langstreckenkomfort
  • geräumig
  • einfache Bedienung

Schwächen

  • Nicht ganz billig
  • Material-Finish nicht über jeden Zweifel erhaben
  • Motor etwas schwach auf der Brust
Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll