BMW X1 xDrive 18d, E84

BMW X1 xDrive 18d, E84

Teurer Alleskönner

BMW hat der Konkurrenz aus Ingolstadt und Stuttgart-Untertürkheim ein Schnippchen geschlagen und mit dem X1 ein Premium-Kompakt-SUV auf den Markt gebracht. Wie schlägt sich der Münchner im Alltag?

12. Februar 2012

Das Timing passt. Während dicke SUVs wie der Audi Q7 oder die Mercedes M-Klasse nicht von jedem als politisch korrekt angesehen werden, sind die kompakten Vertreter dieser Zunft in dieser Hinsicht eher außen vor. BMW stellt sich als erster Premiumhersteller der Konkurrenz, die hauptsächlich aus VW Tiguan und Toyota RAV4 besteht. Die Voraussetzungen für den Münchner sind günstig: Er teilt sich die Architektur mit dem Dreier Touring. Das sorgt für vernünftige Platzverhältnisse, aber das kann man bei einer Länge von 4,45 Metern und einem Radstand von 2,76 Metern auch erwarten.

Akzeptables Kofferraumvolumen

Vorne sitzt man leicht erhöht, was vor allem Frauen zu schätzen wissen und auch hinten ist genug Bein- und Kopffreiheit vorhanden. Der Kofferraum ist mit einem Fassungsvermögen zwischen 420 und 1.350 Litern durchaus akzeptabel, aber nicht top. Der Touareg bietet da 85 Liter mehr. Immerhin lässt sich der BMW leicht beladen, da keine Kante den Zugang zum Gepäckabteil versperrt. Die dreifach teilbare und umlegbare Rückbank und das Verstaufach unter dem Ladeboden runden den guten Eindruck ab. Allerdings fehlt beim X1 eine elektrische Betätigung der Heckklappe, was das Hantieren mit Gepäck etwas erschwert.

Gewohntes Cockpit

Das Design lässt keinen keine Zweifel an der Markenidentität. Die steil aufragende Niere, die Motorhaube mit den stark konturierten, spitz zu laufenden Linien und die etwas zornig blickenden Scheinwerfer folgt dem neuen BMW-Stil. Innen geht es genauso weiter: Wer einmal in einem modernen BMW saß, findet sich auch beim Cockpit des X1 schnell zurecht. Alles ist am gewohnten Platz: Angefangen vom optionalen iDrive bis hin zu den Favoritentasten. Ein Novum gibt es in den Türen, denn da passen jetzt auch beim BMW große Flaschen hinein. Dennoch könnte die Verarbeitung des Innenraums etwas wertiger sein. Das Standard-Gestühl ist zwar bequem, aber wer öfters Langstrecke fährt, sollte die Sportsitze (550 Euro Aufpreis) ordern.

Lange Aufpreisliste

Das sind wir schon beim nächsten Thema: Die Ausstattung ist etwas dürftig. Immerhin sind das BMW-Effizientpaket mit Start-Stopp und Bremsrekuperation, ein Lederlenkrad und eine manuelle Klimaanlage serienmäßig, aber sonst lassen sich die Münchner wirklich fast alles bezahlen, was das moderne Autofahren angenehm und auch sicherer macht: Angefangen von einer Klimaautomatik (560 Euro), beheizbaren Sitzen (330 Euro), Xenonlicht (600 Euro), Metalliclack (ab 660 Euro) bis hin zur Einparkhilfe (750 Euro)

Nervige Start-Stopp-Automatik

Keine Blöße gibt sich der BMW auf der Straße: Mit dem 143-PS ist man dank der 320 Nm Drehmoment nicht untermotorisiert: Der Sprint auf 100 km/h ist in gut zehn Sekunden absolviert und auch auf der Autobahn schwimmt man bis zu einer Geschwindigkeit 160 km/h gut mit. Geht es schneller zur Sache, tut sich der 1,6-Tonnen-Bayer schwerer, ehe ihm bei 195 km/h die Luft ausgeht. Der Verzicht auf absoluten Top-Speed wird durch einen mäßigen Durst wettgemacht: 6,9 Litern pro 100 km ist durchaus akzeptabel. Nervig ist allerdings, dass die Start-Stopp-Automatik ihren Dienst immer sehr deutlich rüttelnd vermeldet. Gottseidank gibt es einen Abschaltknopf.

Das Fahrwerk ist ein Sahnestück des BMW X1. Es ist straff aber durchaus komfortabel. Egal ob leer oder beladen bügelt es Bodenwellen zuverlässig weg. Nick- und Wankbewegungen? Fehlanzeige. Lediglich harte, kurze Schläge werden an die Passagiere weitergereicht. Mit dem aktiven Allradantrieb sind gute Traktion und schnelle Kurvenfahrten garantiert. Abgerundet wird das fahrdynamische Gesamtpaket durch eine präzise Lenkung und ein knackiges Sechsgang-Schaltgetriebe.

Fazit: Der BMW X1 xDrive 18d ist ein gelungenes Auto, das sich fast keine Schwächen leistet. Negativ ist die ambitionierte Preispolitik. Der Basispreis von 32.000 Euro klingt ja noch human, aber sogar Ausstattungsselbstverständlichkeiten kosten Aufpreis und so knackt man ziemlich schnell die 40.000 Euro-Marke.

Text: Press-Inform / Hans-Jürgen Peters