Fahrbericht: Alfa Romeo 4C Spider

Der Roadster zum Sommer

Alfa eben

Der Sommer kann kommen: Alfa nimmt dem Spaßauto 4C mir nichts, dir nichts das Dach weg. Heraus kommt der Spider in guter, alter Alfa-Tradition – ein endloser Fahrspaß

2. Juni 2015

Was wird mehr, wenn man etwas wegnimmt? Richtig: ein Roadster. Und so verhält es sich auch mit dem Alfa Romeo 4C Spider: Man nehme das Dach vom 4C weg, und plötzlich ist da noch mehr. Nicht nur der Himmel oder so; vielmehr viel mehr: jawohl, die ganze Herrlichkeit automobiler Lust, als ob es Stau, Steuer und Strafzettel nie gegeben hätte.

Gäbe es diesen Strudel der Gefühle nicht, die Unterschiede zwischen Alfa Romeo 4C Spider und 4C ließen sich an drei Fingern aufzählen. 72.000 statt 62.500 Euro, acht Kilogramm mehr Gewicht und ein waschechtes Targadach nach alter Rollmanier. Der Rest ist sozusagen Schnee von gestern, aber gut und schön: scharfes Design, purer Fahrspaß, kompromisslose Lenkung, mäßiger Komfort und allzu preiswerter Innenraum. Was fiele schwerer, als sich in diesen Alfa nicht zu verlieben?

Natürlich hat er seine Macken, wie fast jeder Alfa. Die Sitzposition ist nicht nur für groß gewachsene Personen zu hoch, der Beifahrer sollte besser vor dem Hinsetzen das linke Bein vierfach falten und die Windgeräusche sind bei offenem Dach schlicht ohrenbetäubend – zumindest ab 130 km/h.
 

 
 

Süß wie unsinnig: Alfa eben

Daher keine Spielereien und nach der kurzen Autobahnpassage gleich ab auf die Landstraße. Hier fällt die unten herum schwergängige, weil nicht servounterstützte Lenkung nicht weiter ins Gewicht und der Dank Karbonchassis nur rund eine Tonne schwere Spaßmacher kann seine Kurvenlust mehr denn je mit seinem Piloten ausleben.

Mit offenem Dach ist das noch eine ganze Ecke lustvoller als mit dem ebenfalls 3,99 Meter langen 4C Coupé. Zudem machen sich Insassen über 1,80 Meter nicht vollends lächerlich, wenn es ans Eintauchen hinter das Steuerrad geht. Das Stoffdach lässt sich nach alter Targamanier links und rechts entriegeln, von zwei verwirrenden Drehknöpfen im Innern befreien und dann in sich zusammenrollen.

Passt in die kleine Tasche im nicht viel größeren Laderaum (110 Liter Volumen) hinter dem potenten 1,8-Liter-Triebwerk. Ebenso süß wie unsinnig: das kleine Staufach zwischen den Sitzlehnen – abschließbar mit einem Winz-Schlüssel in Poesiealbumgröße. Alfa eben.

Bisweilen allzu nervöses Steuer

Der aufgeladene Vierzylinder mit 177 kW / 240 PS und einem maximalen Drehmoment von 350 Nm ab 2.200 U/min hat mit dem überschaubaren Gewicht des Alfa Romeo 4C Spider leichtes Spiel. 0 auf Tempo 100 in 4,5 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 257 km/h sind weit mehr, als man mit dem Mittelmotortarga an sich erfahren möchte.

Der schlägt sich mit einer Gewichtsverteilung von 40:60 zugunsten der Hinterachse am besten, wenn man ihn zwischen Tempo 80 und 130 an der langen Leine und das präzise, aber bisweilen allzu nervöse Steuer nicht einen Augenblick aus den Händen lässt. Der Normverbrauch des Spiders: 6,9 Liter. Naja, der Spaß steht schließlich im Vordergrund, also dürfte auch ein zu erwartender Realverbrauch von 8-10 Litern nicht zu Protestaktionen führen.

Doch lässig cruisen oder gedankenverloren Kilometer machen ist sein Ding nicht. Seine Ägide sind die fiesen Serpentinen im Mittelgebirge, die hoch konzentriert und den Fuß auf Tuchfühlung mit Gas- und Bremspedal durchmessen werden. Auch wenn ihm für einen echter Rennstreckensportler als offene Variante die rechte Härte fehlt. Beim starken Beschleunigen und bei Querfugen versetzt der 4C Spider spürbar. Und der Vorderachse würde bei höheren Tempi etwas mehr Abtrieb gut tun.

Hintern neigt zum Ausbrechen

Die Kombination aus dem 240 PS starken Turbovierzylinder und dem sechsstufigen Doppelkupplungsgetriebe aus hauseigener Fiat-Entwicklung passt. Nicht perfekt, aber so gut, dass jeder kurvenreiche Kilometer nach dem nächsten giert.

Wer den 4C Spider scharf bewegt, sollte nicht nur zwei kraftvolle Hände am Steuer, sondern auch ein sicheres Gefühlt für das Hinterteil des Fahrzeugs haben. Das Spider-Heck bricht nämlich schnell, nicht immer berechenbar und je nach angesteuertem Fahrmodi in verschiedenen Intensitäten aus.

Intensiv ist auch die Akustik des Italo-Roadster: Der Klang aus dem Auspuffrohr ist für einen Vierzylinder beeindruckend kernig – zumindest mit dem optionalen Akrapovic-Modell aus Titan.

Rassig, wie ein Alfa zu sein hat

Darauf haben viele 4C-Fans gewartet: ein Spider. Ein offener Kleinsportwagen, rassig wie ein Alfa nun mal zu sein hat, der aber auch ganz brav bei einem sommerlichen Restaurantausflug der Freundin Spaß macht. Als Fortbewegungsmittel für jeden Tag dürfte kaum jemand den Zweisitzer nutzen, er ist das typische Zweitauto, das gepflegt und kaum bis an die Grenzen der Haltbarkeit beansprucht wird (zum Glück für Alfa Romeo, möchte man hinzufügen).

Wenn man den Spaßmacher aus der Garage holt, dürfte das Wetter so sonnig sein, um die Targamütze entbehrlich werden zu lassen. Und wenn das Wetter erst passt und der Fahrspaß immer größer wird, fallen die zu klein dimensionierten Sportsitze, die wenig überzeugende Animationsinstrumente, billige Kunststoffe und die Bedienmodule mit rustikalem Ducato-Charme fast nicht mehr ins Gewicht.

Und wer noch mehr 4C um sich haben möchte, kann dann noch im eigens gegründeten 4C-Owners-Club die Aufnahme beantragen.

Ein Sommermärchen für die kleine Marke

Der Alfa Romeo 4C Spider dürfte auch die Verkaufszahlen des Coupé weiter beflügeln. 1.400 Fahrzeuge sind bereits auf internationalen Straßen unterwegs; knapp 250 davon in Deutschland. 2.700 weitere Bestellungen liegen weltweit vor.

Ebenfalls neu für Alfa Romeo: über 90 Prozent der Fahrzeuge werden außerhalb des Heimatlandes Italien verkauft. Fehlt nur, dass Alfa Romeo neben dem höchst sportlichen Marketingobjekt 4C ein paar weitere neue Modelle auf die Straße bekommt.

Die neue Giulia soll Ende Juni ihre Weltpremiere feiern. Ein Sommermärchen für die kleine Marke, die derzeit ganze drei Modelle im Programm hat. Man darf daher hoffen, dass die glorreiche Geschichte von Alfa Romeo weiter geht. Mindestens bis zum nächsten Sommer.

Weitere Informationen über den himmlisch offenen 4C in der Bildergalerie.

Stärken

 
  • sehr gute Fahrleistungen
  • Exklusivität
  • drehfreudiger Motor

Schwächen

 
  • hoher Preis
  • mäßige Verarbeitung
  • schlechtes Platzangebot
Text: Press-Inform / Stefan Grundhoff