Volvo V60 Plug-in Hybrid

Volvo V60 Plug-in Hybrid

Stromstoß

Volvo bringt zum Ende des Jahres den V60 als Plug-In-Hybryd mit einem Dieselmotor. Lohnt ein Aufpreis von 16.000 Euro?

20. Mai 2012

Als erster Hersteller bringt Volvo zum Dezember die Kombination von einem Diesel- und einem Plug-In-Hybrid auf den Markt. Der Normverbrauch soll bei aufgeladenem Akku bei unter zwei Litern liegen. Im Innenraum ist der Unterschied zwischen normalem V60 und dem Plug-In-Hybrid abgesehen von dem elektrisierend illuminierten Automatikwählhebel kaum zu bemerken.

Ähnlich wie der neue Volvo V40 ist auch die Hybridversion des V60 mit TFT-Instrumenten ausgestattet, die sich in vier frei wählbaren Themen zwischen Hybrid- und Sportmodus präsentieren. Das Kofferraumvolumen ist durch die Batterien über der Hinterachse nur leicht eingeschränkt. Der Ladeboden ist sechs Zentimeter höher als bei einem normalen Modell ohne Hybridtechnik. Das Ladevolumen reduziert sich dadurch von 430 auf rund 300 Liter. Immerhin bleibt noch die umklappbare Rückbank.

30 bis 50 km Reichweite

Der Volvo V60 D6 AWD wird in erster Linie von einem 215 PS starken Dieselmotor mit 440 Nm maximalem Drehmoment angetrieben. Per Sechsgang-Automatik wird die Kraft an die Vorderachse gebracht. Die Hinterachse bekommt ihre Motorleistung direkt von einem 51 kW / 70 PS starken Elektromotor, der von einer Lithium-Ionen-Batterie unter dem Ladeboden gespeist wird und nochmals 200 Nm zur Verfügung stellt.

"Unter bestmöglichen Bedingungen können wir rein elektrisch bis zu 50 Kilometern rein elektrisch zurücklegen", erklärt Reinholdsson, "das ist der modernste Volvo aller Zeiten." Rein elektrisch fährt der V60 Tempo 120.

Schweres Paket

Im Fahrbetrieb zeigt sich der Diesel-Hybrid kräftig, doch man hat nie das Gefühl, mit rund 280 PS unterwegs zu sein oder gar über 640 Nm maximales Drehmoment zu verfügen. Auch merkt man schnell, die mit dem Verbrenner betriebene Vorderachse und die elektrische Hinterachse es nicht mit einem dynamisch abgestimmten Allradantrieb mit realem Durchtrieb einer Kardanwelle aufnehmen können. Der Kraftfluss an die Hinterachse ist über das Fahrverhalten des Volvo genauso gut zu erkennen wie durch die Anzeige auf dem Informationsdisplay.

Ein Problem des Volvo V60 D6 AWD sind die 200 Batteriezellen, die mit ihren 11,2 kWh satt auf der Hinterachse liegen. Sie bringen 250 Kilogramm Zusatzgewicht ins Auto. 0 auf 100 km/h schafft der Teilzeit-Allradler in 6,2 Sekunden; die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 230 km/h. Nur im Power-Modus steht die volle Gesamtleistung von 206 kW / 280 PS zur Verfügung. Ärgerlich ist die Reduzierung des Tankvolumens von 67 auf gerade einmal 43 Liter. Während der Volvo V60 D5 AWD einen Normverbrauch von 6,4 Litern Diesel hat, gab sich der Schwede bei den Testfahrten mit 5,2 bis 5,6 Litern zufrieden. Der Normverbrauch mit vollem Akku soll bei wenig glaubhaften 1,9 Litern liegen.

Lange Ladung

Der Hybrid-V60 fährt sich weitgehend unspektakulär. Beim Heranbremsen an eine Kreuzung ruckelt es bisweilen. Per-Arne Reinholdsson: "Wir sind derzeit noch bei der Abstimmung der Regelsysteme. Bei den Serienfahrzeugen Ende des Jahres wird man davon natürlich nichts merken." Derzeit hat Volvo knapp 50 Prototypen unterwegs, um die letzten Feinheiten am Fahrzeug nachzuschleifen.

Nicht verbessern wird sich die elend lange Akkuzeit, ehe das Batteriepack des Volvo wieder bei Kräften ist. An einer normalen Steckdose benötigt der Akku bis zu 7,5 Stunden ehe er wieder voll ist. Viel vertane Zeit für eine elektrische Reichweite zwischen 30 und 50 Kilometern. Da bringt es auch wenig, dass man den Ladezustand der Batterie oder den Startzyklus des Ladevorgangs auf seinem Mobiltelefon jederzeit kontrollieren kann. Selbst wer mit zehn Ampere lädt, braucht noch immer 4,5 Stunden. Der Fahrer kann sich zwischen den drei Fahrmodi Pure (rein elektrisch), Hybrid und Power entscheiden.

Wahnsinns-Aufpreis

Der Preis lässt selbst Elektro-Fanatiker schlucken: der Volvo V60 D6 AWD kostet mindestens 56.900 Euro. Sein Schwestermodell V60 D5 AWD kostet mit Automatik-Getriebe gerade einmal 40.450 Euro. Einen Preisunterschied von mehr als 16.000 Euro wird in einem normalen Autoleben niemand herausfahren. Da tröstet es wenig, dass der Plug-In-Hybrid mit einer Komplettausstattung unterwegs ist, die einen Wert von rund 5.000 Euro hat.

Stärken

 
  • gute Fahrleistungen
  • geringer Verbrauch
  • sehr gute Ausstattung

Schwächen

 
  • kleiner Laderaum
  • sehr hoher Preis
  • mäßiger Allradantrieb
Text: Press-Inform / Stefan Grundhoff