VW T2 (Brasilien)

VW T2 (Brasilien)

Legendenausflug am Zuckerhut

Während bei uns längst der VW T5 unterwegs ist, wird in Brasilien nach wie vor der legendäre T2-Transporter gebaut. Eine Zeitreise im VW Kombi.

3. November 2012

Er sieht aus wie ein historischer Bully, und ist doch gerade einmal ein paar hundert Kilometer gelaufen. In strahlendem Weiß präsentiert sich der VW Kombi in Brasilien wie eine fahrende Zeitkapsel. Volkswagen do Brasil baut nach wie vor den T2.

Verschwunden ist im Laufe der letzten vier Jahrzehnte nur der Boxermotor im Heck. Lange Zeit hatte man sogar eine Mischlösung aus dem 1967 ausgelaufenen T1 und seinem Nachfolger T2 auf die brasilianischen Straßen geschickt.

Reihenmotor statt Boxerklang

Im Ersteindruck ist der VW Kombi ganz der alte, vor allem optisch.  Der charakteristischen Boxerklang allerdings fehlt, inzwischen berfeuert ein 78 PS starken Reihenmotor den Bus. Komfort-Extras und Sicherheitsdetails sucht man vergeblich.

Vorne gibt es drei Kopfstützen und Sicherheitsgurte. Hinten sitzen die Insassen komplett ungeschützt. Die Lenkung ist schwergängig, der Wendekreis gigantisch, und nicht nur bei den gigantischen Hügeln zur Verkehrsberuhigung kommt das aus den 50er Jahren stammende Fahrwerk des Bullys an seine Grenzen.

Unschlagbar ist die Übersicht, denn wo die Scheiben enden, ist auch beim 4,51 Meter langen Wagen Schluss.

Das Cockpit könnte spartanischer kaum sein. Außer dem spindeldürren Lenkrad, dem Tachometer und ein paar Blinkleuchten gibt es nicht viel. Zwei Lichtschalter und ein Lüftungsregler - Radio, Heizung oder irgendwelche elektrischen Helfer? Fehlanzeige.

78 PS - 130 km/h Spitze

Statt des blubbernden und bollernden Boxers arbeitet im Heck ein 1,4 Liter großer Reihenvierzylinder mit 78 PS und 125 Nm maximalem Drehmoment. Die 1,3 Tonnen Leergewicht und die wenig ausgeklügelte Aerodynamik des Hecktrieblers verhindern, dass sich die Fahrleistungen nennenswert von denen abheben, die der T2 Ende der 70er Jahren in unseren Breiten aufwies.

Wer es drauf anlegt, schafft den Spurt 0 auf Tempo 100 in knapp 17 Sekunden. Vier nicht immer leicht einzulegende Gänge - mehr gibt es nicht. Zur Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h gehört zumindest auf den schlechten brasilianischen Pisten ein gutes Stück Mut.

Wie in Brasilien üblich können Benzin und Ethanol ganz nach Gusto getankt werden. Der Verbrauch: rund zehn Liter.

4.800 Liter Stauraum

Gewohntermaßen gibt es am Heck zwei Klappen. Hinter der oberen kann man den hoch gelegenen Laderaum erreichen. Vor dem Laderaum lassen sich die beiden Sitzbänke keinesfalls problemlos umklappen.

Wer mehr Platz braucht, muss die Sitze mit rund einem Dutzend Schrauben ausbauen und in der Garage lagern. So war das nun einmal in den unsteten 60er und 70er Jahren. Dann stehen aber auch über 4.800 Liter Stauraum und eine Tonne Zuladung zur Verfügung.

Ist 2014 Ende?

Mindestens bis Ende 2013 soll der in Brasilien umgerechnet 17.000 Euro teure Lastesel weiter gebaut werden. Dann machen ihm wohl strengere Vorschriften bei Abgas- und vor allem Crashverhalten den Garaus.

Text: Press-Inform / Stefan Grundhoff