Der geht ab wie ein Giftzwerg

Fahrbericht VW Polo GTI

Klein und gemein

Volkswagen hat die Kundenwünsche erhört und bietet den neuen Polo GTI mit einer Sechsgang-Handschaltung an. Das ist objektiv die bessere Wahl, denn wer den Knüppel selbst in die Hand nimmt, erlebt Coupé-Fahren, wie es früher war – voller Dynamik und Beschleunigung

25. November 2014

Es gibt sie noch: die kleinen Gemeinen. Einer davon brummt jetzt mit uns über die Landstraße, ein Kleinwagen mit fast 200 PS. Herrlich unvernünftig, wohltuend in einer Zeit, in der alles seinen möglichst nachhaltigen Sinn haben muss. Da pfeifen wir drauf, mit der ganzen Kraft des Turboladers, der die 1,8 Liter Hubraum unter erheblichen Druck setzt!

Sage noch einer, dass die VW-Chefs Antriebs-Dogmatiker seien und das Motor-Downsizing um jeden Preis durchknüppeln. Beim neuen Polo GTI treten die Niedersachsen den Gegenbeweis an. Anstelle eines 1.4-Liter-Turbo-Benziners sorgt jetzt ein aufgeladener 1.8-Liter-Motor für Vortrieb. Mit den größeren Brennräumen geht auch eine Steigerung der Kraft um zwölf PS einher.

Somit hat der Polo-Kraftprotz jetzt 192 PS statt bisher 180 Pferdestärken. Der Vierzylinder-Benziner mit dem internen Code EA 888 stammt aus dem Golf GTI, wo er aus zwei Liter Hubraum mindestens 28 PS mehr schöpft.

 

 
 

 

Handschaltung kostet 6 Riesen weniger

Allerdings ist der große Bruder erst für mindestens 28.675 Euro zu haben, während der Polo GTI mit Sechsgang-Handschaltung lediglich 22.275 Euro kostet. Sechs Riesen weniger für das Vergnügen, selbst Hand anlegen zu dürfen. Wer partout auf das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe besteht, muss sogar 1.500 Euro mehr berappen. Mit dessen ausgeklügeltem Schaltkomfort geht aber auch ein Drehmoment-Minus von 70 Newtonmetern einher: 250 Newtonmeter sind es maximal beim DSG.

Wer sein Schaltglück selbst in die Hand nimmt, freut sich – so steht es im Datenblatt – über 320 Newtonmeter, die bereits ab 1.450 U/min zur Verfügung stehen. Allerdings genehmigt sich der Polo GTI mit Handschaltung mit einem Durchschnittsverbrauch von 6.0 Litern pro 100 Kilometer, 0,4 Liter mehr als die DSG-Variante. Darüber würden die Nachhaltigkeits-Fans lange diskutieren. Wir nicht. Wir geben Gas.

Auf der linken Autobahnspur braucht der kleine Wolfsburger nicht verschämt nach rechts wechseln. In nur 6,7 Sekunden sprintet der Polo aus dem Stand auf die 100-km/h-Marke. Und wer dem Polo GTI genug Auslauf gönnt, der sieht, dass die Tachonadel erst bei 236 km/h stoppt. Das macht Laune.

VW Polo V im Video

 

Hartplastik-Knöpfe in der Mittelkonsole

"Die Entscheidung, beim neuen Polo GTI ein manuelles Sechsgang-Getriebe einzuführen, wurde letztendlich von unseren Kunden gefällt", erklärt Christoph Ehmer, vom Produktmarketing. Das ist doch mal ein Wort: Der Kunde ist König, der Kunde will selbst Hand anlegen.

Also, fügen auch wir uns dem Mehrheitsbeschluss, und steigen ein in den 1.272 Kilogramm schweren Kleinwagen-Renner. Im Cockpit wartet die typische VW-Landschaft auf den Fahrer. Alles grundsolide verarbeitet, eingängig und leicht zu verstehen.

Okay, Design-Preise für das Interieur sollen andere abräumen, bei einem VW GTI sorgen karierte Sitzbezüge und rote Ziernähte schon für genug Aufregung. Dass auch die Wolfsburger mit spitzem Bleistift rechnen müssen, zeigen – kreisch! – Hartplastik-Knöpfe in der Mittelkonsole.

Pfeffert mit Verve um die Ecken

Schon nach wenigen Metern offenbart der Polo GTI sein freundliches Familien-Gesicht. Trotz seiner 192 PS ist der Kleinwagen kein knüppelharter Athlet, der seine Sportlichkeit mit Bandscheiben-mordender Unnachgiebigkeit auf jedem Meter aufs Neue beweisen will. Nein, er schießt sozusagen mit Schalldämpfer. Wir konstatieren: Die 285 Euro Aufpreis für das "Sport-Select"-Fahrwerk sind gut angelegtes Geld.

Im Normal-Modus bügeln die variablen Dämpfer Bodenunebenheiten lässig weg. Trotzdem lässt sich der Polo GTI mit Verve um die Ecken pfeffern. Die Lenkung ist direkt und präzise genug, ohne dass man Bodybuilder-Unterarme braucht. Der Polo geht im wahrsten Sinne des Wortes leicht von der Hand und mit einem Lächeln auf den Lippen lässt man viele andere Verkehrsteilnehmer stehen.

Der Schaltknauf liegt gut in der Hand, der 1,8-Liter-Motor giert förmlich nach hohen Drehzahlen und macht die Umdrehungs-Orgie der Kurbelwelle freudig mit. Allerdings fühlen sich die Schaltwege zu lang an, und das manuelle Getriebe könnte knackiger sein.

Fahrwerk meldet jeden Kieselstein

Drückt man die Sport-Taste, erwacht das böse, kleine Tier im GTI. Dann ist der schnellste Polo nicht mehr ganz so freundlich. Ganz und gar nicht. Vom Kinderzimmer hecktet er dann direkt auf den heißen Asphalt einer Rennstrecke oder auf eine winkelige Passstraße. Alles, nur nicht geradeaus fahren!

Die Kurvenjagd wird im Sport-Modus noch einmal schneller und spaßiger, und auch das letzte Quentchen Untersteuer-Neigung wird von der Elektronik mit gezielten Bremseingriffen weggewischt. Selbst das Heck tänzelt locker mit.

Auf längeren Strecken ist diese Fahrwerks-Einstellung allerdings zu straff, zu hart und die sich verhärtende Lenkung immer noch zu synthetisch. Das Fahrwerk gibt Rückmeldung über jeden Kieselstein.

Am Ende die Einsicht: Irgendwie beruhigend, dass auch ein VW nicht ausschließlich perfekt ist. Indes mach der Polo GTI unterm Strich einen Heidenspaß und wird seine Anhänger definitiv nicht enttäuschen. Vor allem in Australien, Südafrika und Japan ist der sportliche Polo ein Hit und wird es auch in der Neuauflage bleiben.

Beim Preis reiht sich der Polo GTI zwischen dem Mini Cooper S (kostet 23.800 Euro) und dem Ford Fiesta ST (ab 20.190 Euro) ein. Die Aufpreisliste umfasst lediglich vier Seiten. Dass eine Klima-Automatik nur 325 Euro extra kostet, finden wir erfreulich.

Dagegen extra Sportsitze, Lederlenkrad, Schaltknauf und Handbremsengriff in Leder machen den Polo GTI um 620 Euro teurer. Schwer zu verstehen ist, dass Kopf-Airbags für die äußeren Fond-Passagiere noch einmal 490 Euro zusätzlich kosten sollen.

Mehr Infos über dem neuen VW Polo GTI in der Bildergalerie.

Stärken

 
  • Agiles und doch gutmütiges Fahrverhalten
  • solide Verarbeitung

Schwächen

 
  • Handschaltung unpräzise
  • Sport-Modus auf der Landstraße zu unharmonisch

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Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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