Fahrbericht: VW Passat Alltrack

Ein Passat fährt zum Kostümfest

Hoch das Bein!

Der Passat Alltrack ist ein waschechter Als-ob-Geländewagen: Er hat zwar Allrad und fährt auf etwas höheren Stelzen, doch von „off road“ sollte er sich tunlichst fernhalten. Doch ist Geländetauglichkeit wirklich so entscheidend? Für das Picknick am Straßenrand reicht es allemal

2. September 2015

Ausbrechen aus dem eintönigen Alltag, wenigstens von Zeit zu Zeit mal – wer wünscht sich das nicht? Volkswagen bietet Autofahrern, die einerseits Lust auf einsame Weiten haben, andererseits den sicheren Asphalt dann doch nicht so gern verlassen möchten, eine Alternative. Sie heißt „Alltrack“, wobei schon der Name etwas hochstaplerisch ist.

Denn wie alle Autos der Alltrack-Linie, so ist auch der neue Passat Alltrack keineswegs befähigt, auf jeglichem Untergrund zu wandeln – will der Eigentümer nicht spätestens nach 100 Metern Schlamm schaufeln. Nein, der Alltrack ist ein Schein-Geländewagen. Er richtet sich an Menschen, denen das „Als ob“ ausreicht, um sich aus dem Alltag hinaus und hinein ins Abenteuer zu träumen.

Wem also der zwar exzellente, aber eben auch ziemlich beliebige Passat zu unauffällig ist, der kann ihn mit Geländezierrat und allerhand Ausstattungsdetails zum Fluchtmobil aus gutbürgerlicher Monotonie werden lassen – naja, zumindest im Geiste. Für etwas über 3.000 Euro Aufpreis im Vergleich zu einem VW Passat Variant Trendline gibt es im Alltrack-Paket je nach Motorisierung bis zu 5.000 Euro Mehrausstattungen.

 
 

Bis zu 2,2 Tonnen Anhängelast erlaubt

Am auffälligsten sind dabei neben der leicht erhöhten Bodenfreiheit (17,5 Zentimeter) die dunklen Kunststoffleisten rundherum, die dem Familienkombi – es gibt den Alltrack-Passat nur als Variant – einen sportlich-rustikalen Charme verleihen sollen.

Echt rustikal ist aber der Unterfahrschutz sowie das Plus von 2,8 Zentimeter an Bodenfreiheit. Hinzu kommt der Allradantrieb, der nicht nur einen – kurzen – Ausflug in die straßennahe Natur erlaubt, sondern vor allem im Winter die Fahrsicherheit erhöht. Interessant ist der Alltrack auch für Gespannfahrer, denn er kann Anhängelasten von bis zu 2.200 Kilogramm an den Haken nehmen.

Ein Anhängerassistent macht das Rangieren damit deutlich leichter. Kaum jemand ist jedoch jeden Tag mit einem Anhänger unterwegs. Dann bietet der 639 Liter große Laderaum, der sich auf bis zu 1.769 Liter erweitern lässt, alle nur erdenklichen Möglichkeiten zum Lastentransport. Die maximale Ladelänge sind 2,02 Meter bis zu den Rückenlehnen der Vordersitze. Ärgerlich: die elektrische bedienbare Heckklappe kostet nochmals Aufpreis.

Hinterachse hängt an einer Haldex-Kupplung

Das Motorenspektrum des VW Passat Alltrack reicht vom 150-PS-Diesel bis zum Topmodell mit einem 240-PS-Selbstzünder. Wir testeten den größten Motor. Man merkt diesem doppelt aufgeladenen Zweiliter-Diesel trotz eindrucksvoller 177 kW / 240 PS und mächtiger 500 Nm (ab 1.750 U/min) maximalen Drehmoments zwar seine vier Zylinder und den überschaubaren Hubraum an, doch die Leistungsentfaltung ist des kleinen Turbolochs ziemlich eindrucksvoll.

Alle Motorvarianten außer dem 150-PS-Basisdiesel sind obligatorisch mit einem Doppelkupplungsgetriebe unterwegs, das dezent im Hintergrund eine exzellente Arbeit verrichtet. Bei der 240-PS-Diesel-Version arbeitet mit sieben Schaltstufen und bemüht sich gekonnt und möglichst niedrige Drehzahlen mit einem entsprechend geringen Geräuschniveau.

Wird die Motorleistung im Normalfall fast ausschließlich an die Vorderachse übertragen, so wird die Hinterachse über eine Haldex-Kupplung variabel dazu geschaltet, wenn ein Traktionsverlust dreht.

Offroad-Modus für Gelände-Ausflüge

Am Steuer fährt sich der fast 1,8 Tonnen schwere VW Passat Alltrack 2.0 TDI 4motion nicht anders als der normale Passat Variant mit identischer Motorisierung. Das Fahrwerk ist im Normalmodus betont komfortabel abgestimmt, die Lenkung präzise und etwas zu leichtgängig.

Die variablen fünf Fahrprogramme des Passat werden beim Alltrack um einen Offroadmodus erweitert, der Fahrsysteme, Motor- und Getriebesteuerung, sowie Fahrwerk auf den Einsatz im unwegsamen Terrain einstellt.

0 auf Tempo 100 schafft der VW Passat Alltrack 2.0 TDI 4motion in 6,4 Sekunden. Seine Höchstgeschwindigkeit: 234 km/h. Der Normverbrauch liegt bei 5,5 Litern Diesel auf 100 Kilometern, was einem CO2-Ausstoß von 144 g/km entspricht.

VW erwartet großen Verkaufserfolg

Der Innenraum des Alltrack präsentiert sich ebenso nüchtern und wertig. Abgesehen von anderen Sitzbezügen und den Edelstahlpedalen nicht anders als im Standard-Passat. Schalter, Bedienmodule und die gegen Aufgeld animierten Instrumente sind sehr gut abzulesen. Die teilelektrischen Sitze mit Massagefunktion für den Fahrer bieten Dank entsprechender Oberschenkelauflage und Seitenhalt einen sehr guten Langstreckenkomfort.

Nur das optionale Head-Up-Display, das Informationen wie Navigation, Tempolimit und aktuelle Geschwindigkeit auf eine ausfahrbare Kleinglasscheibe in das Sichtfeld des Fahrers projiziert, wirkt von gestern. Schade: Diese Technik passt kaum zu einer Marke, die mit all ihrer Perfektion der vergangenen Jahre das Tor zur Premiumliga weiter denn je aufstoßen will.

Basispreis für den 150 PS starken VW Passat 2.0 TDI Alltrack sind 38.550 Euro. Der 240 PS Topdiesel kostet mit mäßiger Ausstattung mindestens 47.150 Euro. Zu viel Geld für pure Maskerade? Offenbar für viele nicht: Volkswagen erwartet, dass jeder zehnte verkaufte Passat eine Alltrack-Version sein wird.

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Stärken

 
  • Gute Fahrleistungen
  • großzügiges Platzangebot
  • variabler Laderaum

Schwächen

 
  • Mäßige Serienausstattung
  • hohes Gewicht
Text: Press-Inform / Stefan Grundhoff