VW Golf TDI BlueMotion und VW Golf Variant, Golf VII

VW Golf TDI BlueMotion und VW Golf Variant, Golf VII

Aus zwei verschiedenen Lagern

Der VW Golf Variant und der VW Golf TDI BlueMotion bespielen zwei unterschiedliche Zielgruppen: Während der Kombi die Variabilität und Praktikabilität in den Vordergrund stellt, setzt der BlueMotion auf Ökologie.

25. Juni 2013

Zwei Brüder, ein Gesicht und doch so verschieden. Der Golf Variant gibt den Lademeister und schaut dabei sogar noch besser aus als die Vorgänger, während der VW Golf TDI BlueMotion den Sprit-Minimalismus predigt.

Ein Blick auf das Datenblatt genügt, um zu erkennen, dass der Golf TDI BlueMotion echtes Spritspar-Potential hat. Der CO2-Ausstoß beträgt nur 85 g pro Kilometer. Das entspricht einem Durchschnittsverbrauch von 3,2 l/100 km oder eine Reichweite von mehr als 1.500 Kilometern bei Vollbetankung.

Allerdings schaut das in der Realität schon etwas anders aus: Bei ersten Testfahrten, die der Spritspar-Golf auf brettebenen Straßen rings um Amsterdam absolvierte, lag der Verbrauch bei normaler Fahrweise bei 5,6 l/100 km. Immer noch beachtlich, aber keine verbrauchstechnische Revolution.

Immerhin zeigte der 110-PS-1,6-l-TDI-Motor, dass er durchaus lebendig ist.

Das merkt man allerdings auch am Golf-untypischen Brummen und Vibrieren, das hauptsächlich dem Fehlen von Ausgleichswellen geschuldet ist, die die Reibung und das Gewicht vergrößern würden.

Dank des halbwegs ordentlichen Drehmoments von 250 Newtonmetern kann man den Blue Motion recht entspannt fahren.

Innermotorische Veränderungen

Innermotorisch haben die Wolfsburger ebenfalls den Hebel angesetzt, um das neue EA-288-Triebwerk Euro-6-fit zu machen und nebenbei noch den Verbrauch zu senken.

So verstellt eine Nockenwelle sowohl ein Einlass- als auch Auslassventil bei jedem der vier Zylinder variabel, während das andere Ein-/Auslassventilpaar von einer weiteren Nockenwelle traditionell angesteuert wird.

Diese einseitige variable Veränderung der Steuerzeiten reicht, um die Emissionen bis auf die Euro-6-Norm zu drücken. Wichtig ist, dass der Stellmotor schnell genug arbeitet, um beide Ventile nacheinander zu variieren. Das spart die 400 Gramm Gewicht eines zweiten Stellmotors und drückt außerdem Kosten.

VW Golf VII im Video

 

Nicht ganz billig

Das reicht natürlich nicht aus. Weitere verbrauchssenkende Maßnahmen sind unter anderem reibungsarme Wälzlager an der Nockenwelle und ein Zylinderdrucksensor, der die Einspritzmenge auch bei älter werdenden Motoren, die bereits einem gewissen Verschleiß ausgesetzt sind, konstant hält.

Zwei getrennte Kühlkreisläufe für Zylinderkopf und Kurbelwellengehäuse sorgen für ein schnelleres Warmlaufen des Motors.

Das länger übersetzte und mit speziellem Leichtlauf-Öl geschmierte manuelle Sechsganggetriebe schluckt aber etwas von der Kraft des Motors.

Der zum Spritsparen unerlässliche gute cW-Wert von 0,27 kommt aufgrund der bei besonders genügsamen Modellen üblichen aerodynamischen Kniffe zustande: Dazu gehören unter anderem spezielle, möglichst geschlossene Felgen, ein verkleideter Unterboden und ein fast geschlossener Kühlergrill.

Allerdings ist der TDI BlueMotion nicht ganz billig und kostet mindestens 21.900 Euro.

Golf Variant ist schicker geworden

Auch vom Golf Variant wird es gegen Ende des Jahres eine solche Spirtspar-Variante geben. Der Verbrauch soll um 0,1 l/100 km höher liegen, als beim "normalen" Golf.

Dabei sieht der neue VW-Lademeister der Kompakt- Klasse auch gut aus. Das liegt auch an den dynamischeren Abmessungen gegenüber der letzten Generation des Golf Variant: Der Neue ist 2,8 Zentimeter länger und 1,8 cm breiter, aber 2,3 Zentimeter tiefer.

Dass der Radstand um 5,7 Zentimeter gewachsen ist, sieht besser aus und ist dem Modularen Querbaukasten zuzuschreiben.

Dazu kommen Details wie erstmals geteilte Rückleuchten und eine markante Lichtkante, die sich quer über die Flanke zieht.

Praktikabilität bleibt erhalten

Doch die Attraktivität geht nicht auf Kosten der Praktikabilität: Das Kofferraumvolumen ist deutlich gewachsen und liegt nun bei 605 Liter. Das sind 100 mehr als beim Vorgänger. Bei umgelegter Rückbank sind es 1.620 Liter, das ist ein Plus von 125 Litern gegenüber dem Golf VI Variant.

Sobald man die Lehne des Beifahrersitzes umlegt, verschwinden auch Regale oder Surfbretter im Gepäckabteil des Wolfsburgers.

Die nur 63 Zentimeter hohe Ladekante erleichtert das Verstauen der Utensilien ungemein. Und dass die Heckklappe weit aufschwingt, ist - gerade bei Regen - nicht unbedingt ein Nachteil.

Erstmals hat der Variant einen Hebel, mit dem die Rücksitze mit einem Zug entriegelt und zu einer ebenen Ladefläche umfunktioniert werden können. Solche Mechanismen bieten andere schon länger - schön, dass VW dieses Detail nun auch einführt.

Unter dem Ladeboden befindet sich noch ein weiteres Staufach. Der Golf Variant bietet weitere Kombi-typische Details. Die Anhänger-Kupplung klappt heraus, wenn man einen Hebel zieht, und eine Leuchtdiode zeigt an, ob die Anhänger-Kupplung vernünftig eingerastet ist.

Auch der Variant ist nicht ganz billig

Beim Fahrverhalten unterscheidet sich der Variant trotz der längeren Überhänge nicht besonders vom Fünftürer-Golf: Die manuelle Sechsgangschaltung ist präzise, die Lenkung eine Spur zu leichtgängig und der Federungskomfort sehr ordentlich.

Der gefahrene Zwei-Liter-Dieselmotor hat mit dem rund 1,4 Tonnen schweren Auto keine Probleme, ist aber auch kein Athlet, schafft 218 km/h Spitze und hat einen Durchschnittsverbrauch von 4,2 l/100 km.

Dazu gibt es einige Assistenzsysteme, die bereits bekannt sind. Dazu gehört das erweiterte ESP namens XDS+ an, das mit Bremseingriffen ein Sperrdifferential simuliert. Außerdem an Bord: die ebenfalls serienmäßige Multikollisionsbremse, variable Dämpfer und die City-Notbremsfunktion.

Das Cockpit mit der soliden Verarbeitung und den, zumindest in der gefahrenen Top-Ausstattung, feinen Materialien wie Klavierlack oder Applikationen in Carbonoptik überzeugt.

Das ist bei VW nicht ganz billig: Los geht es mit dem 85-PS-Benziner bei 18.950 Euro. Die gefahrene Topversion kostet mindestens 10.000 Euro mehr.

Stärken 

Golf TDI Blue Motion:

  • Verbrauch
  • entspanntes Fahren möglich

Golf Variant:

  • Verarbeitung
  • Design
  • Platzangebot
  • Funktionalität

Schwächen

Golf TDI Blue Motion:

  • Rauer Diesel

Golf Variant:

  • Preis
Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll