VW Golf R Cabrio, Golf VI

VW Golf R Cabrio, Golf VI

Rasanter Anachronismus

Das Golf R Cabrio basiert noch auf der Architektur des Golf VI. Ist dieser automobile Anachronismus zeitgemäß?

13. Februar 2013

Wer sich ein Golf R Cabrio leistet, muss einen Hang zum Understatement haben. Schließlich bekommt man für die nicht ganz unerhebliche Summe von 43.325 Euro ein Kompaktklasse-Fahrzeug. Ein 265-PS-starkes zwar, aber es ist immer noch ein Golf.

Selbstbewusster Auftritt

Der Auftritt des schnellsten offenen Golfs mit dem schwarzen Scheinwerfergehäuse und der doppelflutigen Auspuffanlage ist selbstbewusst.

Innen gibt der offene R ganz den Golf VI samt abgeflachtem Lenkrad und bequemen Sportsitzen, die, ebenso wie die Lederausstattung, serienmäßig sind. Allerdings ist die Sitzposition für ein sportliches Auto zu hoch und die schräge Windschutzscheibe rückt großgewachsenen Fahrern schon ziemlich nahe an die Stirn.

Dafür ist der Kofferraum mit 250 Liter Fassungsvermögen halbwegs alltagstauglich.

VW Golf VI im Video

 

Laut vernehmliches Bellen

Die Kraft des 265-PS-Triebwerks, das vom Scirocco kommt, macht Freude. Dazu trägt auch die Akustik des Zweiliter-Vierzylinders bei. Gasstöße werden mit einem bulligen Brabbeln untermalt und beim Runterschalten sorgt ein laut vernehmliches Bellen für eine adäquate Geräuschkulisse.

Schneller Sprint

Die Daten untermauen den Eindruck. Nach lediglich 6,4 Sekunden ist die 100-km/h-Marke erreicht und erst bei 250 schiebt die elektronische Abriegleung der Sprintfreude einen Riegel vor.

Beim Herausbeschleunigen aus dem Drehzahlkeller gönnt sich das Triebwerk allerdings eine kurze Atempause. Das liegt zum einen am serienmäßigen Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe und zum anderen an dem etwas verspäteten Einsetzen des Turboladers, der bei 2.500 U/min das maximale Drehmoment von 350 Newtonmeter erreicht.

Bei aller Athletik soll der Durchschnittsverbrauch bei 8,2 Litern auf 100 Kilometern liegen.

Ausgewogenes Fahrverhalten

Doch jetzt zur eingangs gestellten Frage: Ja, dieser autonome Anachronismus ist zeitgemäß - und zwar ziemlich. Obwohl die 265 PS und maximal 350 NewtonmeterDrehmoment nur auf die Vorderachse wirken, sind typisches Frontriebler-Reifenkratzen und Untersteuern in schnellen Kurven die Ausnahme und nicht die Regel. Selbst enge Ecken bringen den Frontriebler nicht aus der Ruhe.

Ursache für die Kurven- und Einlenkfreude ist das XDS, im Grunde ein erweitertes ESP, das mit Bremseingriffen Torque-Vectoring simuliert und ständig über die Traktion wacht. Die direkte Lenkung setzt die Richtungsbefehle des Fahrers zuverlässig um.

Allerdings ist das Fahrwerk, das technisch mit dem des Sciroccos verwandt ist, ziemlich straff. Im Grunde fühlen die Insassen jede Querfuge.

Fazit

Wie schon erwähnt, ist der Grundpreis von 43.325 Euro ziemlich ambitioniert. Schließlich reden wir hier von einem Kompaktklasse-Cabrio. Immerhin ist die Serien-Ausstattung, bei der eine Lederausstattung, Bi-Xenon-Scheinwerfer, eine Zwei-Zonen-Klimaanlage und standesgemäße 18-Zoll-Räder enthalten sind, ziemlich opulent.

Stärken 

  • agiles Fahrverhalten
  • solide Verarbeitung
  • kräftiger Motor

Schwächen 

  • hohe Sitzposition
  • ambitionierter Grundpreis
Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll