Test: VW Golf GTI Clubsport S

Mit dem Über-GTI auf der Nordschleife

S macht den Unterschied

40 Jahre nach dem ersten GTI holt VW einen alten Rekord zurück: Der Golf GTI Clubsport S ist der schnellste Kompakte der Welt. Von dem Rennsport-optimierten Golf werden nur 400 Stück gebaut.

 
 
  • 40 Jahre nach dem ersten GTI baut VW wieder den schnellsten Kompakten der Welt.
  • Dazu haben die Wolfsburger den Clubsport noch einmal überarbeitet.
  • Der Über-GTI heißt Clubsport S und wird auf 400 Einheiten limitiert.

Es geht für VW um die Ehre

„Um die Ehre“, haben wir früher oft auf dem Schulhof gewettet. Das war natürlich meistens nur Spaß. Doch heute geht es auf dem Nürburgring für Volkswagen um nichts als die Ehre. Nach 40 Jahren soll der Golf wieder das schnellste Kompaktauto der Welt werden.

Natürlich nicht jeder Golf. Nur eben dieser eine ganz spezielle Golf. Ein GTI, den VW nur 400 mal bauen wird. Den Golf GTI Clubsport S.

1976 kam der erste GTI, und er war schnell. Damals genügten 110 PS, um seine 810 (in Worten: achthundertundzehn!) Kilogramm Leergewicht in Windeseile in Wallung zu bringen. Heute haben wir Generation 7. Die ist gut 50% schwerer, trainiert aber hart für die Rennstrecke. Der GTI Clubsport S wiegt 1.360 Kilogramm, aber mit Fahrer! Und er hat fast die dreifache Kraft: 310 PS.

Wird er es wieder schaffen?

In den vergangenen 40 Jahren ist viel geschehen: Damals hatte VW mit diesem Husarenstück leichtes Spiel; die Konkurrenz schaute in den Mond. Heute sind sie alle schon da, Cupra, Trophy und Type R.

Drei Hersteller haben inzwischen kompakte Leistungssportler im Programm, die in weniger als acht Sekunden um die Nordschleife rasen. Mit dem Clubsport S will VW das auch schaffen.

Mit einem ausstattungsbereinigten Athleten, 15 Kilogramm leichter als der normale Clubsport (ohne das „S“). Diese Leichtigkeit erkauft VW mit spartanischer Sparsamkeit: keine Rückbank, weniger Dämmung, spezielle Bremsscheiben.

Hondas Rekord gilt es zu knacken

Der Golf R ist eigentlich der König im Golf-Rennstall: 300 PS, bis zu 250 km/h schafft er. Aber für die Piste ist er nicht agil genug. Denn hier zählt das Leistungsgewicht. Und so entstand die Idee zum Clubsport S.

Sie stammt von den GTI-Entwicklern. Sie experimentierten, träumten in Gedanken, schrieben Konzepte. Erst im Nachhinein gab der VW-Vorstand seinen Segen – genau wie damals, als der Impuls zum Golf I GTI von ein paar verrückten Ingenieuren stammte.

Ein Stückweit stammt der Impuls aber auch von Honda: Ihr Civic Type-R hat auf der Nordschleife den Rekord von 7:50,63 Minuten aufgestellt. Den gilt es zu knacken.

Trainingsrunde auf dem Beifahrersitz

Es stinkt wie am S-Bahnhof vor 20 Jahren. Die Luft neben den Felgen wabert vor Hitze, der Geruch von heißen Bremsbelägen beißt in der Nase. Zwei Autos stehen heute für den Rekordversuch bereit, ein weißer und ein roter Golf.

Schwarzes Panzerband überdeckt das „S“ im Schriftzug über dem Seitenschweller. Echte Golf-Nerds erkennen die gelochten Bremsscheiben mit Alu-Töpfen. Der normale GTI Clubsport fährt mit einteiligen Scheiben ohne Löcher. Ansonsten sind Clubsport und Clubsport S äußerlich identisch.

Die Rekordfahrt unternimmt der Langstrecken-Profi Benny Leuchter, er zeigt einladend auf den Beifahrersitz. Start frei zu einer Trainingsrunde!

Raffinierte Abstimmung statt pure Power

Schon die Sitze lassen Dich spüren, dass Du in einem schnellen Auto unterwegs bist: Rennschalen mit viel Seitenhalt und GTI-Waben. Den Überrollkäfig um uns gibt es nur als Prototypen, die Sportgurte für den Fahrersitz ebenfalls.

In der Serienversion bleibt immerhin die Domstrebe im Heck. Und die Option, auch noch auf die Klimaanlage zu verzichten. Das Rekordauto hat keine, jedes Gramm zählt eben.

Benny fährt nicht voll, aber schnell genug, um das Potenzial des Clubsport S zu demonstrieren. Der Fahrer zeigt, wie und wo der GTI der Konkurrenz überlegen ist. Die Stärken dieses Entwurfs liegen nicht in purer Power, sondern in raffinierter Abstimmung.

Adaptives Fahrwerk mit Nürburgring-Setup

Klar, die 310 PS sind unverzichtbar. Aber die entscheidenden Sekunden holt Benny in den Kurven. Er lenkt weit ein, steuert das Vorderrad über die Curbs und sogar das Kopfsteinpflaster dahinter. Der Golf macht das alles willig mit, schluckt die Stöße, bleibt auf Kurs. Das liegt am adaptiven Fahrwerk mit speziellem Nürburgring-Setup.

116 Kilo leichter als der Golf R ist er nicht nur dank des Verzichts auf Rückbank und Klimaanlage: Auch ein Hilfsrahmen aus Aluminium spart Gewicht. Hinzu kamen neue Achslager, mehr Radsturz und eine überarbeitete Hinterachse für eine bessere Kurvenlage. Kein Zweifel, der Clubsport S ist ein Kurvenjäger.

Doch auch die Fahrdaten auf grader Strecke überzeugen: In 5,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h, Vmax bei Tempo 265 (ohne Begrenzer).

Dem Civic nimmt er über 1 Sekunde ab

Nach 20.600 Metern durch die legendäre Grüne Hölle in der Eifel hat er es geschafft: Benny hat im Golf GTI Clubsport S den Rekord geknackt! Dem Golf R nimmt er fast eine halbe Minute ab; dem Civic immerhin noch etwas mehr als eine Sekunde.

Es ist Bennys dritter Rundenrekord auf dem Nürburgring, der erste in einem Serienfahrzeug. Der schnellste Kompakte heißt jetzt erneut GTI. Die Ehre ist wieder hergestellt.

Impressionen vom neuen VW Golf GTI Clubsport S auf der Rennstrecke sehen Sie in der Bildergalerie.

Golf GTI bei mobile.de

Fast 5.000 Golf GTI werden zurzeit bei mobile.de zum Kauf angeboten. Davon sind etwas über 250 Stück nagelneu, weitere 80 Exemplare gehören der legendären 1. Generation an, die inzwischen vom Rost reichlich dahingerafft wurde.

Filtern Sie mit dem Kästchen „fahrtauglich“ und dem Wert „12 Monate“ in der Option „HU mind. gültig“, so bleiben noch insgesamt rund 2.100 GTI aller Baujahre übrig. Youngtimer der 1. Serie in diesem Zustand sind erwartungsgemäß reichlich dünn gesäht, es finden sich nur 15 Exemplare.

  Golf GTI Clubsport S bei mobile.de

Text: Constantin Bergander
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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