VW Gol, Typ NF

VW Gol, Typ NF

Ein Buchstabe macht den Unterschied

Die Brasilianer lieben ihren VW Gol. Seit 25 Jahren ist der kleine Volkswagen das beliebteste Auto am Zuckerhut.

24. Oktober 2012

Ein Buchstabe macht den großen Unterschied. Beim VW Golf zieht kaum jemand im Brasilien die Augenbraue hoch. Hier liebt man den kleinen VW Gol. Seit einem Vierteljahrhundert führt der aktuell 3,90 Meter lange VW Gol die Zulassungsstatistik an.

1980 erstmals vorgestellt, entwickelte sich das Einstiegsmodell von Volkswagen do Brasil zum Bestseller und übernahm 1987 Platz eins in der Verkaufsliste.

Polo-Basis

Technisch ist die neueste Gol-Generation eine Mischung aus verschiedenen in die Jahre gekommenen Volkswagen-Plattformen. Der ausgelaufene VW Polo spendiert dem brasilianischen Gol große Teile seines Unterbaus. Dazu kommen Komponenten von verschiedenen Golf-, Fox- und Polo-Generationen.

Das Design des neuesten Gol präsentiert sich ähnlich unspektakulär wie vom hiesigen Golf. Auch wenn der Preis durch die üppigen Steuern an der 40.000-Real-Marke kratzt, lassen Materialien und Geräuschdämmung Wünsche offen. Bei längeren Autobahnfahrten nervt der fehlende sechste Gang, der das Geräuschniveau absenken würde.

In Brasilien interessiert das zumindest in dieser Kleinwagenklasse niemanden. Rund 70 Prozent der Brasilianer suchen ihren Traumwagen in der Liga von Gol, Sandero, Corsa und Clio. Kein Wunder, dass vom VW Gol seit 1980 mehr als sieben Millionen Fahrzeuge gebaut wurden. Das bedeutet Platz fünf in der Volkswagen-Konzernhitliste.

Kein Schnick-Schnack

Ein wirklich billiges Vergnügen ist er in seinem Heimatland jedoch nicht. Das liegt weniger an überzogenen Preisen der in Brasilien seit 1953 beheimateten VW do Brasil, sondern an üppigen Steuern, die den Einstiegspreis des Basis-Gol auf umgerechnet rund 11.000 Euro ansteigen lassen.

Dafür gibt es solide Technik, eine mäßige Ausstattung und wenig Komfort. Die grauen Kunststoff-Oberflächen sind nach europäischen Maßstäben rustikal und lieblos, die Schalter rar gesät und die Sicherheitsausstattung mehr als dünn. Doch für Sicherheits- und Assistenzsysteme interessiert sich in Brasilien kaum jemand.

Auch bei den Motoren bleiben moderne Turbo-Direkteinspritzer außen vor. Der Kunde hat die Wahl zwischen Drei- und Fünftürer sowie zwischen 1,0 und 1,6 Litern Hubraum. Das 72 PS starke Einsteigermodell ist für das tägliche Fortkommen im Land des Zuckerrohrs ausreichend.

Ein Wunder an Drehfreude ist der leistungsstärkere Gol 1.6 Power mit seinen 101 PS nicht. Er bietet für 14.000 Euro aber immerhin Alufelgen, Bordcomputer, elektrische Fensterheber und Funkfernbedienung. Die sinnvolle Klimaanlage kostet rund 1.000 Euro extra.

Die Fahrleistungen sind ordentlich. 0 auf Tempo 100 schafft der Fronttriebler in rund zehn Sekunden und 188 km/h sind deutlich mehr, als sich die brasilianische Polizei auf den Autobahnen gefallen lässt. Das maximale Drehmoment von 154 Nm bei 2.500 U/min reicht aus, um den eine Tonne schweren Brasilianer flott zu bewegen. Wirklich sparsam kann man mit ihm jedoch nicht unterwegs sein.

So laufen selbst bei normaler Gangart mehr als acht Liter Kraftstoff durch die Einspritzdüsen. Getankt werden kann dafür ein beliebiges Mischungsverhältnis von Ethanol - in Brasilien weit verbreitet - und Benzin.

Text: Press-Inform / Stefan Grundhoff