Test: VW Beetle Dune

Käfer-Tuning ab Werk

Auf Sand gebaut

Mit dem Beetle hat VW bisher vor allem in den USA Erfolg. Jetzt wird die Retro-Kugel mit ein paar wilden Anbauteilen und Sonderlack in einen Sandfloh verwandelt. Die Botschaft: Käfer fahren wie in den 1970-ern, der Ära der Beach Buggies. Aber immer hübsch auf dem Asphalt

 
 
11. Januar 2016

Ach ja, die Realität: Gerede um Abgaswerte, den Ölpreis und dazu die Effizienz-Show auf dem amerikanischen Autosalon mit unerschwinglichen Elektro-Prototypen und übermotorisierten Supersportwagen – das ist ja alles ganz okay, aber was geht es uns an? Also, ganz persönlich?

Zum Glück bleibt noch der eine oder andere Traum. Einen hat VW jetzt vorgestellt: Klein, bezahlbar und weitgehend harmlos. Lädt ein zum Einsteigen, Türenklappen und Gasgeben (ja, ganz ohne schlechtes Gewissen): Der VW Beetle Dune, ein getunter Käfer in warmen Ocker-Sonderlack und mit ein paar netten Anbauteilen.

Auch wenn VW aufgrund der Motoren-Manipulationen in letzter Zeit angeschlagen wirkte, die Marketing-Maschine funktioniert wie geölt: „Dune“ heißt das werksgetunte Käfer-Modell nämlich nicht zufällig, es spielt an auf die Dune Buggies der 1970er-Jahre.

Von Dünen sollte man sich fernhalten

Das waren wilde Käfer-Adaptionen, mit denen erst Filmstars wie Steve McQueen kamerawirksam über Dünen fegte, damit es ihm Hunderte versnobte Jugendliche dann nachtaten. Dune Buggies, das waren weitgehend selbst gefertigte Go-Karts für Erwachsene, deren Chassis und Motor man ausgedienten VW Typ 1 entlehnte und dann loslegte, was Vergaser und Landschaft hergaben.

Heute geht das nicht mehr, zumindest nicht in Mitteleuropa sind Strände weitgehend verkehrsberuhigt. Insofern sollte man den PR-Namen nicht zu ernst nehmen, auch der Haltbarkeit des Pseudokäfers zuliebe, und Sanddünen wie auch anderen staubigen, schlammigen und unwegsamen Naturereignissen lieber fern bleiben.

Denn es gibt den Beetle Dune nicht einmal mit Allradantrieb. Zwar billigt ihm Volkswagen 1,0 cm höheres Fahrwerk und eine 1,4 cm breitere Spur zu, aber ein Sandfloh wird so natürlich nicht aus der braven Golf-Plattform.

Spaß bleibt das Gegenteil von Vernunft

Trotz alledem: Der VW Beetle wird gerade als Sondermodell Dune seine Fans finden. Die wuchtige Frontschürze, serienmäßig 18-Zoll-Räder, dunklen Kontrastlackierungen und und ein angedeuteter Unterfahrschutz, das macht was her. Hinzu kommt noch ein (eventuell sogar nützlicher) Heckspoiler und LED-Rückleuchten.

Wen schert es, dass die Käfer-ähnliche Karosserie auf der Weltauto-Basis doch eher ein 2+2-Sitzer ist als ein Kompaktauto. Es geht um Spaß, und der grenzt sich zu Vernunft eben in ihrer Verneinung ab: Der Beetle Dune bleibt unvernünftig, und er schreibt sich das sogar auf die Fahnen.

Und gerade im schmucken Sandstorm Yellow Metallic mit schwarzen Kontrastelementen, dunklen Radläufen und dem imposanten Heckspoiler ist der knapp 1,4 Tonnen schwere Beetle Dune nicht nur in San Diego oder Palm Desert ein wahrer Hingucker (es gibt übrigens auch noch andere Lackifarben, zum Beispiel Schwarz).

Der Beetle ist technisch nicht taufrisch

Auch, weil die Innenausstattung nebst lackiertem Armaturenbrett und konturierten Sportsitzen mit farblich abgestimmten Kedern schon sehenswert auf das Außendesign abgestimmt ist. Was nicht gefällt, ist neben dem überschaubaren Platzangebot im Fond die allzu preiswert anmutende Dune-Plakette, die das griffige Lederlenkrad an sich krönen soll.

Nicht nur technisch, sondern auch optisch merkt man dem VW Beetle seinen mächtigen Rückstand gegenüber der aktuellen Golf-Generation an. Soundsystem, Navigation und Instrumente haben schon ein paar Jahre auf dem Buckel und eine Lenkradheizung ist optional mittlerweile in fast jedem Kleinwagen zu bekommen.

Nicht so im Beetle Dune Cabrio. Für Ausfahrten bei kühlen Temperaturen mit geöffnetem Cabriodach müssen daher die kräftige Sitzheizung und das aufklappbare Windschott reichen.

Auch zwei Dieselmotoren lieferbar

Was schwerer ins Gewicht fällt, sind die fehlenden Fahrerassistenzsysteme, denn Details wie Verkehrszeichenerkennung, Abstandstempomat, Spurhalte-, Notbrems- und Totwinkelassistent sucht man in der überschaubaren Sonderausstattungsliste vergeblich.

Überraschend breit ist dagegen das Angebot an Motoren, denn anstatt den coolen Strandhüpfer nur mit Topmotorisierungen anzubieten, gibt es in Europa drei Benziner und zwei Diesel in einem Leistungsspektrum zwischen 105 und 210 PS.

Die besonders gelungene Variante mit 170-PS-Benziner aus 1,8 Litern Hubraum in Verbindung mit dem sechsstufigen Doppelkupplungsgetriebe bleibt zunächst den USA vorbehalten. Dabei erscheint gerade dieser Motor als Idealbesetzung für den Beetle Dune – egal ob im Coupé oder im Cabrio.

Cabrio startet bei 30.000 Euro

Die Fahrleistungen des VW Beetle Dune sind jedoch auch ab dem 110 kW / 150 PS starken 1.4 TSI allemal ausreichend. 0 auf Tempo 100 schafft der Fronttriebler mit Handschaltung Dank 250 Nm maximalem Drehmoment ab 1.500 U/min in 8,7 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit: langstreckentaugliche 203 km/h.

Der Basispreis für den VW Beetle Dune 1.2 TSI liegt bei 23.625 Euro. Die bessere Wahl ist der mindestens 26.250 Euro teure Dune 1.4 TSI mit 150 PS, dessen Normverbrauch bei 5,7 Litern Super auf 100 Kilometern liegt. Wer in einem Beetle Dune den großen Kalifornien-Auftritt wagen will, der sollte dem Käfer-Nachfahren für 360 Euro Aufpreis auch die schwarzen Dekorstreifen auf Haube, Dach und Kofferraum gönnen.

Ob teure Extras wie Navigationssystem, Xenonlicht, Klimaautomatik, Digitalradio und Connectivity Paket zu vernünftig sind für ein solches Spaßding, muss sich jeder Käufer selbst fragen. Jedenfalls kostet ein dermaßen aufgerüsteter Dune dann plötzlich rund 29.000 Euro. Wer das Cabrio bevorzugt, startet mit 150 PS bei knapp über 27.800 Euro.

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Text: Press-Inform / Stefan Grundhoff