Toyota Prius+

Toyota Prius+

Strom für sieben

Familienvans liegen weiter voll im Trend. Toyota bringt mit dem siebensitzigen Prius+ den ersten Hybriden in der Kategorie.

15. Juni 2012

Die Van-Kunden werden seit Jahren reich umworben. Touran, Sharan, Galaxy oder Zafira geben den Ton an. Jetzt bringt Toyota einen neuen Van auf den Markt; konsequent mit Hybridantrieb. Im Gegensatz zum US-Modell mit fünf Sitzplätzen ist der Prius+ in Europa mit einem deutlich kleineren Lithium-Ionen-Akku auf dem Markt, der sieben Sitzplätze ermöglicht. Sein Akkupaket befindet sich erstmals nicht im Heck, sondern hochkant stehend in der Mittelkonsole zwischen den beiden Frontsitzen.

Platz für sieben

Der Toyota Prius+ bietet maximal sieben Sitzplätze oder ein Ladevolumen von 784 bis 1.750 Liter. Das Platzangebot im Innern hat sich durch den Längenzuwachs auf 4,62 Meter und insbesondere die acht Zentimeter mehr Radstand deutlich vergrößert. Auch in der zweiten Reihe können auf verschiebbaren und in der Lehnenneigung verstellbaren Einzelsitzen drei Erwachsene Platz nehmen. Sie ärgern sich allenfalls über etwas knappen Schulterraum, zu kurze Rückenlehnen und Kopfstützen. Die Reihe drei ist mit seinem schwierigen Einstieg allein für Kinder gedacht, die nicht viel Raum benötigen.

Das Cockpit des großen Prius zeigt sich gewöhnungsbedürftig. Die mittigen Digitalanzeigen sind unübersichtlich und einfach schlecht positioniert. Es gibt wenige Bedienmodule und nicht einmal gegen Aufpreis eine Mehrzonenklimaautomatik. Kaum nachzuvollziehen, wieso bei einem Hightech-Hybridfahrzeug die Parkbremse wie einst in alten Mercedes-Modellen noch mit dem Fuß getreten und gelöst werden muss.

Träger Motor

Im Fahrbetrieb zeigt der 1,5 Tonnen schwere Toyota Prius+ keinen nennenswerten Unterschied zum normalen Prius. Der 1,8 Liter große Benzinmotor mit seinen 74 kW / 99 PS und das 60 kW / 80 PS starke Elektromodul arbeiten mit einer Systemleistung von 136 PS wenig agil zusammen. Der Vierzylinder heult bei Beschleunigungsfahrten durch das wenig überzeugende stufenlose CVT-Getriebe laut auf ohne die Leistungsabfrage in nennenswerten Vortrieb umzuwandeln. So sind 0 auf 100 km/h in 11,3 Sekunden und insbesondere die Höchstgeschwindigkeit von gerade einmal 165 km/h alles andere als gute Werte.

Wer auch in einem Familienvan Fahrspaß sucht, findet daher im Prius+ kein wohliges Fortbewegungsmittel. Dafür ist der Prius mit dem gewissen etwas Mehr einfach sparsam. Gerade einmal 125 Kilogramm Mehrgewicht im Vergleich zum normalen Toyota Prius III sorgen dafür, dass der Normverbrauch von 4,1 Litern beeindruckend ist. Im Realbetrieb sind fünf Liter per 100 Kilometer allemal drin.

Rumpeliges Fahrwerk

So leise der Prius+ auch unterwegs ist, so rumpelig präsentiert sich bei größeren Bodenunebenheiten das Fahrwerk. Die Lenkung ist nicht nur zu leichtgängig, sie gibt zu wenig Rückmeldung von Fahrbahn und Fahrzustand.

Obwohl die rein elektrische Fahrstecke maximal 2,5 Kilometer beträgt, ist der Toyota im Alltagsbetrieb überraschend häufig ohne Verbrennungsmotor unterwegs, der sich bei Bedarf immer wieder zu- und abschaltet.

Preise ab 29.900 Euro

Der Basispreis für den mäßig ausgestatteten Toyota Prius+ liegt bei 29.900 Euro. 80 Prozent der Kunden sollen sich für den 31.700 Euro teuren Prius+ Life entscheiden, der unter anderem Panoramadach, Rückfahrkamera und ein Head-Up-Display bietet. Etablierte Assistenzsysteme sind abgesehen von Abstandstempomat und Notbremsfunktion nicht im Programm.

Die Erwartungen an den Toyota Prius+ sind trotz eines guten Marktstarts in Japan und den USA mit 3.000 Fahrzeugen pro Jahr in Deutschland sehr zurückhaltend.

Stärken 

  • gutes Platzangebot
  • geringer Verbrauch
  • variabler Innenraum

Schwächen 

  • wenig kommodes Fahrwerk
  • kaum Assistenzsysteme
  • teures Topmodell
Text: Press-Inform / Stefan Grundhoff