Toyota iQ EV

Toyota iQ EV

Spannungsgeladen

Jetzt wagt sich auch Toyota an den reinen Elektroantrieb heran. Zunächst soll im Feldversuch mit 100 iQ EV getestet werden, ob der elektrische Cityflitzer eine Chance beim Kunden hat. Toyota selbst ist skeptisch.

26. November 2012

Toyota setzt auf den Hybridantrieb, beim Thema Elektroauto halten sich die teilelektrisierten Japaner dezenter denn je zurück. Allenfalls bei Kleinstfahrzeugen, die zukünftig in den Megastädten unterwegs sein sollen, sieht Toyota eine reale Zukunftschance für den reinen Elektroantrieb.

Eine Kleinserie von 100 Toyota iQ wurde daher zu Elektrofahrzeugen umgebaut. Statt der kleinen Verbrennungsmotoren arbeitet im Vorderwagen des 3,14 Meter langen Cityflitzers ein leise surrender Elektroantrieb mit 47 kW / 68 PS und einem maximalen Drehmoment von 163 Nm.

Teures Surren

Ein Probelauf bei Organisationen und Verbänden in den USA und Japan soll das Nutzungsverhalten im Toyota iQ EV klären. Mit umgerechnet 36.800 Euro ist der Toyota iQ EV genauso teuer wie drei Benzinmodelle gleichen Typs.

Die geringe Reichweite und auch der Strompreis von rund drei Euro pro 100 Kilometer lassen kein Geschäftsmodell entstehen. "Erst nach rund 260.000 Kilometern würde sich der Toyota iQ EV rentieren", räumt Toyota-Sprecher Dirk Breuer ein, "und das Batterieleasing, wie es andere Wettbewerber machen, ist bei uns kein Thema."

Akkupaket im Boden

Der Lithium-Ionen-Akku mit seinem Gewicht von stattlichen 217 Kilogramm wurde flach im Fahrzeugboden des iQ verbaut. Gut für einen niedrigen Schwerpunkt und die Konstruktion des Toyota iQ allgemein, denn der Innenraum des iQ EV unterscheidet sich auf den ersten und zweiten Blick nicht von dem eines Serienmodells.

Kühl und feucht ist es an diesem Morgen in Köln und von der in Aussicht gestellten Reichweite von 85 Kilometern ist beim Starten des kleinen Elektro-Japaners nicht viel zu sehen. Das blaue Informations-Display zeigt zwar 100 Prozent Leistung, jedoch nur eine Reichweite von 65 Kilometern an.

125 km/h Spitze

Die Höchstgeschwindigkeit des blauen Elektromodells liegt bei 125 km/h.

Geradezu gewichtsneutral wurde der 1.070 Kilogramm schwere EV auf einen Elektroantrieb umgerüstet. An der 220-Volt-Steckdose dauert das Nachladen des drei bis vier Stunden.

Es dauert eine Zeit, bis der Innenraum auf Temperatur kommt. Daher gibt es nicht nur Sitz- und Heckscheibenheizung, sondern auch eine Heizmatte in der Frontscheibe, damit nichts beschlägt. Der normale Automatikwählhebel mit seinen drei Modi D, S und B beeinflusst mehr das regenerative Bremsen als das Fahren selbst.

Schwache Reichweite

Im D-Modus ist man normalerweise unterwegs. In B ist der Fahrbetrieb besonders eng mit Gaspedal gekoppelt. An die maximale Rekuperation und eine direkte Gasannahme muss man sich jedoch erst einmal gewöhnen.

Das Fahrverhalten des Toyota iQ EV ist gut. Kein Gedanke daran, in einem Kleinserienfahrzeug unterwegs zu sein.

Nach rund einer Stunde und nicht einmal 25 Kilometern Strecke ist der kurze Ausflug beendet. Der Bordcomputer zeigt neben weitere Informationen eine Restreichweite von 31 Kilometern an. Nicht gerade beruhigend und schon gar nicht ausreichend, falls man über 35.000 Euro ausgegeben haben sollte.

Stärken 

  • solide Fahrleistungen
  • gutes Platztangebot
  • moderne Technik

Schwächen 

  • indiskutabler Preis
  • geringe Reichweite
Text: Press-Inform / Stefan Grundhoff