Fahrbericht: Toyota Avensis TS 2.0d 4d Sports Tourer

BMW-Herz für japanische Mittelklasse

Jetzt mit Mini-Motor

Nach 7 Jahren wird es Zeit für zarte Korrekturen: Toyota überarbeitet den Avensis. Neben einem frischen Äußeren gibt es für die Mittelklasse neue Motoren. Bemerkenswert ist vor allem ein zwei Liter großer Diesel mit 184 PS. Von BMW!

15. Juni 2015

Wachstumsmarkt: Nicht nur in der Kompaktklasse werde die Autos ununterbrochen größer, ob nach oben, zur Seite oder nach hinten. Toyota hat nach sieben Jahren seine Mittelklasse einem Facelift unterzogen, und siehe da: Der Avensis ist in der Kombi-Version Touring Sports um vier Zentimeter auf nun 4,82 Meter angewachsen. Wer das für üppig hält, sollte bedenken: Der neue VW Passat misst als Kombi noch gut sechs Zentimeter mehr.

Ungeachtet wachsender Probleme, für solche Dickschiffe einen Parkplatz zu finden, kann man die Überarbeitung insgesamt als gelungen bezeichnen. Noch längere Überhänge an der Front, noch böser blickende Raubtieraugen-Scheinwerfer, Verlagerung des Kühlgrills unter den Stoßfänger, Modifikationen an Schweller und Heckklappe – der weltgrößte Autohersteller hat seine Mittelklasse sorgfältig an den Zeitgeschmack angepasst.

Im Innenraum des Avensis fallen besonders die geänderten Sitze, Stoffe und Muster sowie ein neu gestaltetes Cockpit ins Auge. Die größte Neuheit verbirgt sich allerdings unter der sportlich geformten Motorhaube: das neue 2,0 Liter große und 143 PS starke Dieseltriebwerk.
 

 
 

 

Ein Mini-Motor in Toyotas Mittelklasse

Dieses Triebwerk ist in der Automobilwelt nicht ganz unbekannt, arbeitet es nicht erst seit gestern in Fahrzeugen der Marke Mini. Das versteckt auf den Motorblock gestanzte BMW-Logo lässt zwar darauf schließen, dass auch beim großen Mutterkonzern dieses Aggregat zum Einsatz kommt.

Allerdings in veränderter Position: Die im BMW 118d und 318d für Vortrieb sorgenden Motoren sind längs, und nicht wie bei Toyota und Mini quer eingebaut und weisen auch einen anderen Aufbau auf.

An seiner Laufruhe ändert dies zum Glück nichts. Sowohl aus dem Drehzahlkeller, als auch bei dieseluntypischen Drehzahlniveaus ist nur wenig vom 320 Newtonmeter starken Selbstzünder zu hören. Die Beschleunigung verläuft dank des sauber arbeitenden manuellen Sechsgang-Getriebes ohne Auffälligkeiten und verhilft dem 1.470 Kilogramm in 9,8 Sekunden auf Tempo 100. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 200 Kilometer pro Stunde.

Kleine Schwachstellen in der Ausstattung

Überhaupt hat Toyota mit dem neuen Toyota Avensis TS 2.0D-4D einen komfortablen Reisekombi konstruiert. Das verdanken wir seiner deutlich sanfteren Federung. Ob nun der neue Zulieferer dafür verantwortlich ist, sei einmal dahingestellt. So schön die Dämpfereinstellung den Ingenieuren von Toyota auch gelungen ist, so schlecht ist die viel zu hohe Sitzposition, der ansonsten sehr gut geformten und mehr Seitenhalt bietenden Sitze.

Doch dies ist nur eine von ein paar nicht ganz nachvollziehbaren Versäumnissen beim überarbeiteten Toyota Avensis TS. So wird es ein Automatikgetriebe weder für Geld noch für gute Worte in Kombination mit einem Dieselmotor geben. Sehr schade.

Dass eine elektrische Heckklappe auch nach der Überarbeitung nicht erhältlich ist, mag noch nicht das Ende es Abendlandes einläuten. Und auch der Umstand, dass der Tempomat die eingestellte Geschwindigkeit nur schätzt und auch nirgends anzeigt, bringt uns nicht um. Aber die deutsche Konkurrenz ist da einfach besser, die hat solche Schwachstellen eben nicht.

Bis zu 1.609 Liter Kofferraumvolumen

Wir schauen uns gemächlich im Cockpit um und bleiben an zwei Schaltern hängen: dem für die Start-Stopp-Funktion und dem für die Justierung der Außenspiegel. Die lustigen Knöpfe erinnern an längst vergangene Zeiten. Erneut Petitessen, zugegeben. Aber da fehlt eben der letzte Schliff. Und beim Produkt einer renommierten Weltmarke, das ab 31.090 Euro kostet, sollte man einfach mehr erwarten dürfen.

Das auf einem acht Zoll großen Touchscreen einfach zu bedienende Infotainmentsystem zeigt sich übersichtlich und schlicht. Vielleicht etwas zu schlicht, wenn wir es mit den Wettbewerbern und deren nahezu zahllosen Informations- und Konfigurationsmöglichkeiten vergleichen.

Was während der Fahrt irritiert, ist die Tatsache, dass die Verkehrszeichenerkennung sehr oft andere Tempolimits anzeigt als das Navigationssystem. Hier wäre eine einheitliche, auf der aktuellsten Information basierende Information wünschenswert. Im Zweifel gilt hier natürlich, wie auch beim Tempomaten: Der Fahrer ist für die Sicherheit selbst verantwortlich. Also Technik Technik sein lassen, Augen auf und selbst drum kümmern.

Umzugshelfer mit ebener Ladefläche

Nicht überall wurde modernisiert: Maße und Volumina der zweiten Sitzreihe und des Kofferraums sind genau so, wie sie vorher waren. Und das ist auch in Ordnung. Denn mit einem Volumen von 543 bis 1.690 Liter und dem simplen Umklappen der Fondsitze, was zu einer ebenen Ladefläche (und eben nicht, wie bei vielen hochwertigen Konkurrenzprodukten, zu einer geneigten) führt, ist der Toyota Avensis TS locker als Umzugshelfer zu gebrauchen.

Und auch für die große Fahrt in den Urlaub stellt eine vollbesetzte Rückbank keinerlei Probleme dar. Sowohl Bein- als auch Kopffreiheit sind auf einem ordentlichen Niveau geblieben. Das Sparpotenzial des Dieselmotors dagegen liegt auf ziemlich hohem Niveau: 4,5 Liter nach Norm, in Realität wohl 5,5 Liter, sind in dieser Klasse ziemlich gut.

Wer demnach nichts gegen einen praktischen und wirtschaftlichen Wagen hat, der im Interieur hier und da an Fahrzeuge aus dem letzten Jahrzehnt erinnert, fährt mit dem Japaner genau richtig. Und wer die gute, alte Limousinenform bevorzugt, kann die dabei gesparten 1.000 Euro natürlich auch in den einen oder anderen Miet-Transporter investieren.

Weitere Informationen über den neuen Toyota Avensis mit Zwei-Liter-Diesel in der Bildergalerie.

Toyota Avensis bei mobile.de

Toyota Avensis bei mobile.de

Text: Press-Inform / Marcel Sommer