Suzuki SX4, 2. Generation

Suzuki SX4, 2. Generation

Ohne fremde Hilfe

Anders als der Vorgänger ist der neue Suzuki SX4 kein Produkt einer Kooperation, sondern eine Eigenentwicklung. Wie viel machen die Japaner richtig?

11. Juni 2013

Der erste Blick auf den neuen SX4 zeigt es: Das ist ein komplett neues Auto. Das geht schon beim Karosseriekleid los, das mit dem chromglänzenden Kühlergrill und dem Aussehen der Front eher barock daherkommt.

Auch die Maße lassen die Unterschiede erkennen: Der neue SX4 ist 4,30 Meter lang und damit 15 Zentimeter länger als der Vorgänger. Auch der Radstand hat um zehn Zentimeter zugelegt. Daher finden nun auch Erwachsene im Fond vernünftig Platz. Doch ab 1,90 Meter Körpergröße wird es eng um den Kopf.

Der Rest des zusätzlichen Blechs ist am Heck angebracht. Damit legt der Kofferraum von 270 auf 430 Liter zu. Damit kann auch Gepäck ohne Umlegen der Rückbank transportiert werden.

Fortschritt im Vergleich zum Vorgänger

Der solide verarbeitete Innenraum ist ebenfalls neu. Auch wenn im Vergleich zum Vorgänger ein deutlicher Fortschritt zu erkennen ist, kommt das Cockpit etwas gestrig rüber: Pixelige Ziffern und Graphiken, die an ein Super Nintendo erinnern, wenn die Playstation 4 vor der Tür steht. Das geht heute im Zeitalter des Tablets und iPhones besser.

Die Bedienung ist durchaus einfach, doch auch hier steckt der Teufel im Detail: Während das Lenkrad mit elf Schaltern überladen ist, muss der Bordcomputer wie anno dazumal mit einem einzelnen Knopf direkt am Glas vor den Rundinstrumenten betätigt werden.

Immerhin fühlen sich die Materialien mit Oberflächen, die zum Teil unterschäumt sind, gut an.

Zwei Motoren

Beim Markstart im September bietet Suzuki zwei Motor-Alternativen: Einen Benziner und einen Diesel mit jeweils mit 1,6-Liter-Hubraum und 120 PS Leistung. Auch die Höchstgeschwindigkeit ist mit 180 km/h bei der Frontantriebsvariante identisch.

Der Diesel kommt von Fiat und löst die bisherige 2,0-Liter-Variante ab. Abgesehen von dem allzu brummigen akustischen Arbeitsnachweis war dieses Downsizing die richtige Entscheidung. Das Triebwerk harmoniert gut mit der Sechsgang-Schaltung, nutzt das maximale Drehmoment von 320 Newtonmetern und schlägt sich daher bei ersten Testfahrten mit einem Durchschnittsverbrauch von 6,3 Litern auch bei kurvenreichen Strecken beachtlich.

Warum der Benziner nur mit einer Fünfgang-Schaltung oder einem CVT-Getriebe zu haben ist, bleibt wohl auf ewig das Geheimnis der japanischen Projektmanager.

Präzise Lenkung

Positives gibt es von der Lenkung zu berichten. Die ist zwar etwas schwergängig, ohne die Arme zu ermüden, dabei aber präzise.

So macht die Kuvenhatz mit dem SX4 Spaß, bei dem sich auch die Wankneigung in Grenzen hält.

Für genügend Traktion sorgt der verbesserte Allradantrieb "Allgrip". Wie bei Range Rover & Co kann der Fahrer per Drehknopf zwischen vier Programmen wählen: Sport, Snow, Lock oder Auto. Steckt man nicht gerade im Schlamm fest, ist "Auto" die beste Wahl. Im Normalbetrieb ist der SX 4 bei dieser Einstellung mit Vorderradantrieb unterwegs, was sich günstig auf den Verbrauch und damit den Geldbeutel auswirkt. Nur bei Traktionsverlust wird die Hinterachse dazugeschaltet. Wer öfter mit glattem Untergrund zu kämpfen hat, sollte die 1.700 Euro Aufpreis investieren. Das tun laut Suzuki immerhin 40 Prozent der Kunden.

Das Fahrwerk ist straff abgestimmt und lässt die Insassen am Straßenzustand teilhaben.

Kampfpreis

Beim Preis wirft Suzuki den Handschuh in den Ring der Kompakt-SUVs. Selbst die Basisvariante bietet für 19.490 Euro schon einiges, wie eine Berganfahrhilfe, eine Klimaanlage, einen Tempomaten oder ein Start-Stopp-System.

Beim 5.600 Euro teureren Top-Modell bleiben so gut wie keine Wünsche mehr offen: Rückfahrkamera, Navi-System, Bi-Xenon-Scheinwerfer oder Ledersitze? Alles dabei.

Schlechter schaut die Bilanz bei den Assistenzsystemen aus. Da bietet der SX4 nämlich außer Parkpiepsern so gut wie nichts.

Wer noch den Vorgänger will, kann sich diesen auch noch länger für einen Preis ordern, der rund 10.000 Euro unter dem des neuen SX4 liegt. Der wird nämlich weiter produziert und nennt sich SX4 Classic.

Stärken 

  • Platz
  • solide Verarbeitung
  • guter Allradantrieb

Schwächen 

  • veraltete Displays
  • kaum Assistenzsysteme
Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll