Test: Suzuki Baleno 2

Unauffälliger geht es kaum

Der ideale Fluchtwagen

Der neue Suzuki Baleno fällt zwar nicht sofort im Straßenverkehr auf. Bietet aber zugleich alles, was ein Stadtauto parat haben sollte.

 
 
1. Dezember 2015

Erinnern Sie sich an den Baleno? Den gab es schon mal: Bis 2001 baute Suzuki ein unscheinbares, aber günstiges Kontaktauto unter diesem Namen. Nun ist es wieder da. Oder vielmehr: die Neuauflage. Ähnlich unscheinbar, ähnlich günstig – und ähnlich praktisch.

Nein, der neue Baleno ist nicht gerade ein Partylöwe, eher eine graue Maus. Oder der ideale Fluchtwagen. Und: Es kann schließlich nicht jeder auf der Spitze des Misthaufens krähen. Und für viele, die einfach nur ein Auto haben wollen, dürfte der neue Baleno genau das darstellen: sicher nicht das Auto, aber ein Auto.

Er ist nur 4,00 Meter lang und damit gute 26 Zentimeter kürzer als der aktuelle VW Golf. Damit ordnet er sich genau zwischen der Kompakt- und der Kleinwagenklasse ein; doch wird sein Preis noch leicht unterhalb des VW Polo liegen, knapp oberhalb von 10.000 Euro vermutlich (Preis hat Suzuki noch nicht bekannt gegeben).

Drei Motoren

Also ideal für Menschen, die eine sachliche Beziehung zu Autos hegen, den Euro bewusst zweimal umdrehen, aber dennoch gern einen Neuwagen kaufen möchten – mit den dazugehörigen Vorteilen: volle Garantie, Sicherheit und Wunschfreiheit hinsichtlich der Lackfarbe, Ausstattung und Motorisierung.

Hier stehen bisher drei verschiedene Benzinmotoren zur Wahl: Ein völlig neu entwickelter Dreizylinder mit Direkteinsprizung, der 1,0 Liter Hubraum hat und 111 PS entwickelt. Außerdem ein bereits bekannter, 1,2 Liter großer und 90 PS starker Benziner sowie ein darauf aufbauender Mild-Hybrid.

Diese Ausführung hat einen sehr kleinen Elektromotor an Bord, der beim Anfahren unterstützt, aber nicht ohne den Verbrennungsmotor agieren kann.

Neuer Motor mit geringem Verbrauch

Suzuki kündigt an, dass dieser Mild-Hybrid den Durchschnittsverbrauch noch einmal um rund einem halben Liter auf 100 Kilometer reduziert. Allerdings hängt das vom Fahrprofil ab: Wer viel Fernstrecke fährt, dem wird der Elektro-Hilfsmotor weit weniger helfen als im Stadtverkehr, wo es viel Stop & Go gibt.

Der 1,0 Liter große Basis-Motor schließlich kann sich mit seinen 4,9 Liter Spritverbrauch (offizielle Angabe des Herstellers) gerade noch so sehen lassen. Wie viel er im Alltagsbetrieb schluckt, ist noch zu ermitteln – weniger als fünfeinhalb Liter dürften es kaum sein.

Wer die mögliche Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h dagegen häufig voll ausfährt, wird natürlich mit einem erheblich höheren Verbrauch leben müssen.

Am Baleno lässt sich gut nachvollziehen, wie einstige Luxus-Features inzwischen selbst in sehr günstigen Autos zur Serienausstattung gehören: Der japanische Kompaktwagen verfügt nämlich über eine adaptive Geschwindigkeitsregelanlage inklusive Abstandshalter. Über den Sicherheitsabstand wacht ein Kollisionswarner, der sich besonders im zähflüssigen Stadtverkehr bezahlt macht.

Das CVT-Getriebe, das per Schaltwippen am Lenkrad auch manuell durch sechs virtuelle Schaltstufen geschaltet werden kann, geht zwar dreizylindertypisch laut, aber ansonsten unspektakulär zur Sache.

Im Zusammenspiel mit den 170 Newtonmetern Drehmoment wirkt der eine Tonne schwere Baleno sogar fast schon spritzig. Ein Grund dafür ist die im Vergleich zum Swift 100 Kilogramm leichtere Karosserie – und das trotz Längenwachstums.

Starke Windgeräusche von vorn

Zu den Schwachstellen des 1,75 Meter breiten Fronttrieblers gehört ohne Zweifel die sehr windanfällige A-Säule, die ab Tempo 80 für eine auffällig laute Geräuschkulisse sorgt. Und: Schade ist, dass sich das auf einem sieben Zoll Touchscreen dargestellte Navigationssystem nicht einmal als Pfeildarstellung auf dem kleinen Bildschirm zwischen Tacho und Drehzahlmesser anzeigen lässt.

Angenehm wirkt auf uns hingegen der Verzicht auf überflüssige Chromteile im Cockpit, weil die sich sonst in der Windschutzscheibe spiegeln würden – bei anderen Autotypen ist uns so etwas bereits negativ aufgefallen.

Ebenfalls erfreulich finden wir die sowohl für den Stadtverkehr als auch für Überlandfahrten konzipierte Federung des Baleno. Zusammen mit der sehr indirekten aber dafür spielend leicht zu bedienenden Lenkung bieten sie gemeinsam einen angenehmen Großstadt-Komfort. Der 350 Liter große Kofferraum lässt sich durch Umlegen der Rückbank zu einer ebenen Ladefläche umbauen.

Mehr Eindrücke vom neuen Suzuki Baleno in der Bildergalerie.

Text: Press-Inform / Marcel Sommer