Fahrbericht: Subaru Levorg

Subarus neue Mittelklasse

Der Fortschritt lässt sich Zeit

Subaru bringt den Nachfolger der Mittelklasse Legacy auf den deutschen Automarkt. Mit seiner mächtigen, zentralen Lufthutze sieht der Levorg auf den ersten Blick gefährlich sportlich aus, doch damit ist es nicht so weit her.

 
 
21. Oktober 2015

Und, wie finden Sie den Namen? Levorg. Klingt nicht gerade nach Dynamik und Passion, eher nach einer spätherbstlichen Kehlkopferkrankung. Die Bezeichung für Subarus neue Mittelklasse ist wohl so ein Name, der in die Geschichte des Automobilbaus eingehen wird.

Anders als etwa eine ganze Generation von Modellnamen, die zum Beispiel Opel per Computer kreieren ließ („Astra“, „Zafira“, „Calibra“), hat er jedoch eine logische Grundlage: Es ist die Kombination von Legacy (Vorgängermodell) Revolution (Weiterentwicklung) Touring (Kombi). Na bitte.

Ein wenig verkrampft zwar, aber immerhin konsequent. Passt auch zu Subaru, denn das Auto beinhaltet alles, was einen Subaru einst und heute so typisch macht: Allradantrieb, Solidität (das wollen wir ihm mal unterstellen) und ein, drücken wir es wohlwollend aus, exzentrisches Äußeres.

Subarus Charakteristiken sind unsichtbar

Unter diesem Gesichtspunkt sieht der Levorg erstaunlich gefällig aus. Indes nicht genug, um von den beiden unsichtbaren Charakteristiken abzulenken, die Subaru in den vergangenen 35 Jahren eine treue Gefolgschaft eingebracht haben: Zum einen die Ausrüstung des gesamten Modell-Fuhrparks mit Allradantrieb, was nicht nur Jägern und Landwirten, sondern auch vielen Pendlern gefällt. Zum anderen die hohe Langzeitqualität, die auffällig gute HU-Quoten auch älterer Modelle widerspiegeln.

Die muss der Levorg natürlich noch beweisen. Ab 28.900 Euro kostet der Kombi in der günstigsten Ausstattungsvariante, drei werden in Deutschland angeboten. Für das Topmodell werden bis zu 34.900 Euro fällig – inklusive 560 Euro für die Metallic-Lackierung.

354.687 Fahrzeuge hat Subaru innerhalb der letzten 35 Jahre in Deutschland verkauft, das sind knapp 10.000 im Jahr. So viele Autos baut VW in einer Woche. Subaru ist folglich keine große Nummer, doch wohnhaft in einer windgeschützten Nische. Und hat es daher auch nicht nötig, jedermann zu gefallen, könnte man hinzufügen.

Rassig sieht der Levorg leider nur aus

Vor allem die große Hutze im Zentrum der Motorhaube sieht nicht unbedingt bildschön aus – wir erinnern uns an das „Nasenloch“, das beim Passat B3 im Jahr 1988 die Kühlermaske ersetzte und von VW schon nach fünf Jahren wieder gestopft wurde. Immerhin erinnert das Atemloch beim Levorg an die gigantischen Ansaugkanäle eines Dodge Charger und sorgt prompt für Gedankenspiele beim Betrachter: Was da wohl für ein starker Motor drunter arbeitet?

Der muss doch mindestens 250 PS haben und abgehen wie ne Rakete. Naja…, schön wäre es. Doch leider werden beide völlig nachvollziehbaren Vorurteile gegenüber des rassig aussehenden Fünftürers schon auf den ersten Kilometern im Keim erstickt. Wirkt das Gaspedal auf den ersten Metern noch überraschend sensibel, wünscht sich der Fahrer genau solch eine Reaktion auch jenseits der Tempo 30-Markierung.

Der Traum vom Super-Subaru verschwindet so schnell, wie er gekommen ist. Auf alle Fälle schneller, als es der Subaru Levorg je sein wird. Zu schwammig ist seine Lenkung, zu unharmonisch das CVT-Automatikgetriebe. Erst mit der Betätigung der Schaltwippen am Lenkrad, mit denen sich durch die sechs programmierten Fahrstufen gearbeitet werden kann, fühlt sich die Fortbewegung ein wenig dynamisch an. Bei der ersten Bergaufpassage weicht diese aber auch wieder. Und das, obwohl 170 PS aus einem 1,6 Liter großen Vierzylinder-Boxermotor auf dem Papier ganz nett anmuten.

Navi mag keinen Kreisverkehr

Wer keinen Wert auf eine sportliche Fahrweise legt, kann im Subaru Levorg allerdings äußerst zufrieden von A nach B reisen. Die Ledersitze vorn und hinten, die es in der Sportversion serienmäßig gibt, sorgen für einen sehr guten Seitenhalt und wirken durchaus langstreckentauglich. Das Fahrwerk ist konsequent auf Komfort abgestimmt und verzeiht so manche Unebenheit.

Neben den guten Sitzeigenschaften vorn, können sich auch in der zweiten Reihe großgewachsene Mitfahrer über ausreichend Kopf- und Beinfreiheit freuen. Bleibt sie leer, kann durch Umklappen der Rückenlehnen der Kofferraum von 522 auf 1.446 Liter erweitert werden. Das Aufladen von Smartphones erfolgt sorgenfrei über die beiden verbauten USB-Steckdosen.

Das Infotainmentsystem wird per sieben Zoll Touchscreen bedient. Hier fällt leider auf, dass das Navigationssystem vor allem mit Kreisverkehren seine liebe Not hat. Zu langsam – beziehungsweise gar nicht – dreht sich die 3D-Darstellung beim Durchfahren eines Kreisels. Zudem lässt sich keine Navigationsdarstellung, sei es in Pfeilform oder andersartig, auf dem kleinen Bildschirm zwischen Drehzahlmesser und Tacho aufrufen.

Sehr leiser, laufruhiger Motor

Wurde sich mit den wenigen Widrigkeiten, zu denen auch die auf Anhieb sehr kunststofflastige Materialverwendung im Cockpit gehört, abgefunden, steht einer gemütlichen Ausfahrt kaum noch etwas im Wege. Vor allem der unglaublich laufruhige und kaum wahrnehmbare Motor sorgt für ein sehr komfortables Dahingleiten. Wer sich die Sprintzeit von 8,9 Sekunden oder die Höchstgeschwindigkeit von 210 Kilometern pro Stunde selbst vor Augen führen möchte, der wird nicht gerade nennenswert lauter beschallt.

Der Normverbrauch von 7,1 Litern Benzin auf 100 Kilometern gerät dann jedoch arg außer Sichtweite. Besonders angenehm wirkt in Baustellen- oder generell engen Fahrspuren seine Breite von nur 1,78 Metern.

Dass der 1,6 Tonnen schwere Subaru nicht zu spontanen Überholmanövern geeignet ist, da der Tritt auf das Gaspedal erst nach wenigen Augenblicken zur Motorkraftverteilung an alle vier angetriebenen Rädern führt, ist angesichts des ruhigen Fahrkomforts für den einen oder anderen vielleicht dann doch zu verschmerzen.

Weitere Informationen über den neuen Subaru Levorg in der Bildergalerie.
 

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Text: Press-Inform / Marcel Sommer