Smart Fortfour Electric Drive

Smart Forfour Electric Drive: Fahrbericht

Der praktischste Smart wird elektrisch

Smart wird noch elektrischer: Mit dem Forfour Electric Drive bringt Daimlers Ableger erstmals ein „richtiges“ Auto mit E-Motor. Das hat Vor- und Nachteile. Erste Fahrt.

Tschüss, Verbrenner. Der Umbau von Smart zum reinen Elektro-Anbieter hat begonnen. In Nordamerika werden ab September nur noch elektrische Smart verkauft. Dort ist der Elektro-Anteil ohnehin hoch, heißt es zur Begründung. Er liegt in den USA bei rund 25 Prozent, in Kanada soll es rund die Hälfte sein.

Das könnte uns also auch bevorstehen. Weil es Sinn macht. Smart fahren sowieso überwiegend in der Stadt. Dort spielen sie ihre Vorteile aus: Kleiner Wendekreis, minimale Abmessungen. Und zur Hälfte ist Smart ja schon eine Elektromarke. Kunststück bei drei Modellen, von denen zwei sich nur durch das Dach unterscheiden (Fortwo und Fortwo Cabrio).

Jetzt kommt der Viertürer Forfour hinzu. Bedeutet das innenstadttaugliche, emissionslose Wendigkeit ohne die Einschränkungen eines Zweisitzers? Ergibt Smart so womöglich am meisten Sinn? Schauen wir mal.

Smart Forfour Electric Drive: Emissionsfrei für Vier

Der Smart Forfour surrt zügig, aber nicht vehement los. 60 kW (81 PS) und 160 Newtonmeter Drehmoment im Heck reichen für 12,7 Sekunden bis 100 km/h. Das fühlt sich nicht viel schneller an, als es sich liest. Bis 50 km/h allerdings, und darauf kommt es in der Stadt an, wirkt der kleine Viersitzer aber recht dynamisch.

Wie seine konventionellen Brüder wurde der Forfour ED nicht für dynamische Ansprüche gebaut. Dafür lenkt er zu leichtgängig. Im Stadtverkehr ein Vorteil: Unkompliziert und flink geht es um enge Ecken. Von hinten röhrt kein ungehobelter Dreizylinder, statt des unharmonischen Doppelkupplungsgetriebes gibt es eine einstufige Übersetzung. Und weil der Forfour einen halbwegs seriösen Radstand aufweist, hoppelt er weniger als der Fortwo. Das zusammen macht den Forfour ED derzeit zur entspanntesten Art, Smart zu fahren.

Hinten sitzt man nicht beengt, aber es reicht für vier Erwachsene auf kurzen Strecken. Kinder haben locker genug Platz, und mit dem Forfour darf man bis zu drei davon zum Einkaufen oder in die Kita chauffieren. Oder zwei und den Partner.

Die Parkplatzsuche stellt mit 3,49 Metern Länge selten ein Problem dar. Angenehm schmal bleibt der Forfour mit 1,67Meter auch. Die Wonne, in den engsten Seitenstraßen U-Turns in einem Schwung zu erledigen, vergibt man sich leider. Der Fortwo braucht kaum 7 Meter Platz von Bordstein zu Bordstein, beim Forfour ist es ein Meter mehr. Das macht ihn aber immer noch locker zum wendigsten Viersitzer im Viertel.

Ein Smart mit Platz für Ikea

Die Akkus sitzen im Unterboden, und das bedeutet: Es passen bis zu 975 Liter Gepäck ins Heck, genauso viel wie beim Benzin-Smart. Leider nur gegen Aufpreis gibt es die sogenannten „Readyspace“-Sitze. Die Sitzflächen lassen sich im Handumdrehen umdrehen und senken sich dabei etwas. Das schafft Platz für größere Gegenstände. Weil die Seitentüren fast im rechten Winkel öffnen, könnte man so kleine Sideboards einladen. Ein bisschen stört dabei allenfalls die Mittelkonsole. Klappt man Rücksitze und Beifahrersitz um, können bis zu 2,22 Meter lange Bretter geladen werden – genug für den spontanen Ikea-Besuch, bei dem man eigentlich „nur mal gucken“ wollte.

Zwei Fragen müssen sich Forfour-ED-Fahrer trotzdem stellen. Erstens, wie weit ist der Ikea weg? Und: Gibt es dort eine Ladesäule? Im Normzyklus kommt der Smart mit seiner 17,6 kWh fassenden Batterie fast genauso weit wie der Zweisitzer. Also: Nicht sehr weit. 155 Kilometer gibt Smart an (Fortwo: 160 km).

Das reicht für den Nahverkehr, theoretisch und im Grunde auch praktisch. Nach der Testfahrt in und um Toulouse erscheinen uns 110 bis 120 Kilometer Reichweite realistisch, je nach Verkehr und Streckenprofil. Nach einer halbstündigen Fahrt durch die Innenstadt zeigt der Bordcomputer einen Verbrauch von 15,0 kWh auf 100 Kilometer an. Wer viel rollen kann und wenig stoppen muss, kommt vermutlich näher an den Normverbrauch von 13,1 kWh heran.

Der Smart erkennt das Umfeld

Beim Stromsparen soll der Eco-Modus helfen. Er begrenzt die Höchstgeschwindigkeit auf 110 km/h statt der regulären 130 km/h. Die Klimaanlage regelt zurückhaltender, und das Auto fährt oberhalb von 30 km/h etwas phlegmatischer. Dafür rekuperiert der Smart nun beim Bremsen und Rollen immer mit maximaler Kraft, speist also so viel Energie zurück in den Akku wie möglich. Mit einem Pedal fahren, sodass das Bremspedal fast überflüssig wird, klappt nicht – anders als beim BMW i3 oder dem kommenden Opel Ampera-e. Dafür rekuperiert der Smart nicht stark genug.

Im Standardmodus rekuperiert der Smart ED auch radarbasiert. Sensoren scannen den Verkehr, die Elektronik wählt die Rekuperationsstufe passend zur Situation. Stockt der Verkehr, wird viel gespeichert. Ist die Straße frei, wird gesegelt. Ein feines Feature, das die Effizienz erhöht, ohne dass man als Fahrer viel darüber nachdenken muss. Der Eco-Modus ist dagegen eher für aktive Sparfahrer.

Und wie schnell lädt der Smart? Mit dem serienmäßigen Onboard-Lader kann er in 3,5 Stunden etwa 80 Prozent der Akkukapazität „tanken“. Ein optionaler Schnelllader mit 22 kW Leistung schafft das an einem dreiphasigen Anschluss in 45 Minuten. Per „Smart control“-App lässt sich das Ganze vom Wohnzimmer aus steuern und überwachen. Außerdem kann man den Smart vorwärmen oder kühlen, um mit möglichst vollem Akku zu starten.
 

Mehr Smart ED für viel Geld

Wer regelmäßig fährt, wird vermutlich jede Nacht laden wollen. Die eigene Garage mit Stromanschluss wird dann zur Voraussetzung. Ist sie vorhanden, funktioniert der Forfour ED in der Stadt. Als Kitashuttle, als Einkaufswagen, vielleicht auch für kleine Ausflüge ins Umland. Doch 22.600 Euro bleiben viel für einen Kleinstwagen mit recht günstig verarbeitetem Innenraum und überschaubarer Reichweite.

Abzüglich Elektroprämie kostet der Forfour ED 18.600 Euro. Der naheliegende Konkurrent Zoe vom Kooperationspartner Renault bietet mehr Platz und Reichweite, kostet aber nur ohne Batterie weniger. Wer den Akku kauft, zahlt 30.100 Euro für die 22-kWh-Version. Bis zu 400 Kilometer Reichweite nach NEFZ kosten 5.500 Euro extra. Auch das ist ein stolzer Preis.

Für viele bedeutet Smart vor allem: schön klein. Der reguläre Fortwo ist auch nicht billig, findet aber trotzdem Käufer, weil er Parkplatzsorgen abschafft. Das gilt für den Smart Forfour nur begrenzt, aber mehr als für den Zoe. Übrigens: Den zum Forfour fast baugleichen Renault Twingo gibt es nicht mit E-Motor. Dabei bauen die Franzosen sowohl den „großen“ Smart als auch den Elektromotor im Twingo-Werk.

Die Akkus baut Daimler selbst, bei der Tochter Accumotive. Aus 96 Flachzellen von LG wird das Paket in Kamenz geschnürt. Fortschritte bei der Akkutechnologie sollten sich also schnell auf die Straße bringen lassen. Spätestens, wenn Smart wirklich zur reinen Elektromarke werden sollte und der E-Mobil-Absatz steigt, dürften auch die Preise sinken.
 

Technische Daten Smart Forfour Electric Drive

Motor: Fremderregter Drehstrom-Synchronmotor
Leistung: 60 kW (81 PS)
Drehmoment: 160 Nm
Batteriekapazität: 17,6 kWh
Verbrauch: 13,1 kWh/100 km
Reichweite: 155 km (NEFZ)
Ladedauer (0-80 %): 6 h (Haushaltssteckdose), 3,5 h (Wallbox)
Höchstgeschwindigkeit: 130 km/h
0-100 km/h: 12,7 s
Länge: 3,495 m
Breite: 1,665 m
Höhe: 1,554 m
Kofferraum: bis 975 Liter
Gewicht: 1.200 kg
Preis: ab 22.600 Euro
Marktstart: März 2017

 

Text: Heiko Dilk | Bildmaterial: Daimler