Kantiger Geselle

Skoda Yeti 2,0 TDI

Kantiger Geselle

Der Skoda Yeti ist ein echter Typ: Kantig und rustikal. Im Alltagseinsatz zeigt der SUV seine praktikable Seite.
17. April 2014 Ein Skoda, in dem es eng zugeht. Undenkbar: Also ist auch im Yeti Platz genug. Und war vorne und hinten. Im Fond haben auch Erwachsene genug Platz. Beim Interieur bleibt Skoda seiner Linie treu. Kein großes Bedien-Chi- Chi a la iDrive MMI & Co. Alles ist da, wo man es erwartet. Klavierlack- Applikationen hübschen das ganze Ambiente auf. Die Sitze sind bequem und bieten vernünftigen Seitenhalt. Allerdings findet man nur sehr schwer eine optimale Sitzposition, da die Lenksäule trotz längsgerichteter Verstellmöglichkeit zu kurz ist. Pfiffige Extras, wie ein kleiner Abfalleimer in der Türablage (kostet 20 Euro Aufpreis) oder die herausnehmbare LED- Taschenlampe im Kofferraum erleichtern das Leben.

Harter Junge

Beim Gepäckabteil spielt der Tschechen-Kraxler seine große Stärke aus. In den Kofferraum, der bei umgelegten Rückbanklehnen bis zu 1.580 Liter fasst, passt einiges hinein. Per Hebel-Zug schnalzen die Lehnen nach vorne. Einfach und sehr praktisch. Allerdings macht der Griff keinen allzu wertigen Eindruck. Sind die Lehnen nach vorne gefallen, bleibt eine kleine Stufe. Mit ausgebauten Fond-Sitzen, wächst das Volumen des Gepäckabteils sogar auf stattliche 1.760 Liter. Beim Wuchten der Wasserkästen in den Kofferraum, dürfte die etwas zu hohe Ladekante auf Dauer nerven. Für diese Unzulänglichkeiten entlohnen Haken, Ösen, und Netze im Überfluss. Kleiderhaken, Abstellmöglichkeiten in den Türen für Ein-Liter-Flaschen, alles da. Garniert wird die Ablagen-Vielfalt mit einem zweiten Ladeboden, der 165 Euro Aufpreis kostet. Gut ist es, dass die Parksensoren hinten nur bei der Basis-Variante mindestens 320 Euro Aufpreis kostet und ansonsten serienmäßig sind, da die breite D-Säule etwas den Überblick nach hinten raubt.

Fahrwerksabstimmung passt zu der Physiognomie

Optisch macht der Tschechen-Schneemann auf harter Junge. Der Skoda Yeti ist kein feinsinniges Lifestyle-SUV. Für den rustikalen Tschechen gilt mehr das Attribut: quadratisch, praktisch, gut! Für das nutzungsorientierte Klientel reicht deswegen oft der Frontantrieb mit dem 110-PS-Dieselmotor. Nur um an dieser Stelle gleich Vorurteile im Keim zu ersticken: Der Yeti ist kein automobiles Mauerblümchen, sondern kann sich auch auf Flaniernmeilen, wie der Düsseldorfer Kö oder der Münchener Maximilianstraße sehen lassen. Zumal seit der Modellpflege die melancholischen Rundscheinwerfer, die so ein bisschen an Tränensäcke erinnerten, durch scharf geschnittene Augen ersetzt wurden.

Nicht allzu teuer

Die Fahrwerksabstimmung passt zu der kantigen Physiognomie des Yeti und ist eher straff ausgelegt, ohne übertrieben unkomfortabel zu sein. Harte Schläge dringen schon zum Fahrer durch. Dafür schlägt sich der Yeti bei schnellen Geradeausfahrten und in Kurven ziemlich gut und verschont den Lenker mit extremen Wankneigungen. Die Lenkung ist kein Muster an brutaler Sportlichkeit und daher auch nicht übermäßig direkt, passt aber zu einem SUV, wie die Faust auf das berühmte Auge.
Der Yeti ist auch nicht allzu teuer. Den Schneemenschen gibt es schon ab 21.890 Euro und erhält dafür schon Annehmlichkeiten wie ESP, die variable Rückbank mit ausbaubaren Einzelsitzen und einen in der Höhe verstellbaren Fahrersitz. Eine gute Alternative, was das Preis-Leistungs-Verhältnis angeht, ist die mittlere Ausstattungslinie Ambition für 24.690 Euro. Dann gibt es zum Beispiel eine Klimaanlage und einen Tempomaten serienmäßig. Dass man für Bi-Xenon-Licht 965 Euro Aufpreis bezahlen muss, mag ja noch nachvollziehbar sein, nicht aber, dass elektrische Fensterheber hinten und Seitenairbags hinten bei dieser Version 180 beziehungsweise 280 Euro Aufpreis kosten. Etwas mau schaut es auch mit den Assistenzsystemen aus: Spurhalte- Assistent und ein Helferlein, das den toten Winkel überwacht sucht man vergebens. Allradantrieb kostet übrigens generell 1.800 Euro Aufpreis. Aber der ist nicht zwingend notwendig, wenn man nicht ein Alpenrestaurant besitzt.
Der Antrieb überrascht im Positiven. Der 110-PS-Selbstzünder hat mit dem rund 1.340 Kilogramm schweren 4,22 Meter langen Kompakt-SUV wenig Probleme und erweist sich als munterer Geselle, der auch auf der linken Autobahnspur nicht zur rollenden Schikane mutiert. Immerhin gibt Skoda die Spitzengeschwindigkeit mit 177 km/h an. Im kalten Zustand klingt das Triebwerk rau, das legt sich mit der Zeit und der Geschwindigkeit, da im Bereich der C- und D-Säule Windgeräusche auftreten. Die Handschaltung lässt sich präzise führen, hat aber lediglich fünf Gänge und keine Start-Stopp- Automatik. Der höchste Gang ist lang übersetzt: Bei 200 km/h (laut Tacho) liegen lediglich 3.800 Umdrehungen pro Minute an. Das schont die Ohren und den Geldbeutel. Der Durchschnittsverbrauch pendelt sich so bei 6,2 l/100 km ein,1,1 Liter mehr als im Datenblatt. Aber das ist verschmerzbar.

Stärken

  • Ausreichend Platz
  • fairer Preis
  • lebhafter Motor

Schwächen

  • Nach hinten unübersichtlich
  • Sitzposition nicht perfekt
Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll