Fahrbericht: Skoda Superb III

Skodas neue Oberklasse

Große Klappe

Limousine mit Kombi-Kofferraum: Die 3. Generation des Skoda Superb ist äußerst geräumig. Schon in den Ausmaßen überholt er den VW Passat, technisch liegt das Spitzenerzeugnis aus Tschechien mit dem Konzernbruder gleichauf

6. Mai 2015

„Wird Skoda dürfen?“ fragten sich gespannt viele vor Einführung der 3. Generation des Superb – und Skoda darf erneut: größter, attraktiver, brillanter sein als VW. Warum auch nicht? Das Konzept, die Konzerntöchter an der langen Leine zu lassen, hat insbesondere bei der tschechischen Traditionsmarke bestens geklappt.

Und so klappt denn auch der neue Skoda Superb, der größte und luxuriöseste aller Skoda, noch besser als zuvor. Vor allem im Heck: Die Kofferraumklappe ist so groß wie bei einem Fünftürer, und sie öffnet einen Raum von verblüffender Tiefe.

Klappt man zusätzlich zur Rückbank auch den Beifahrersitz um, ergibt sich plötzlich eine endlose Gepäck-Landebahn von 3,10 Meter! Damit ließen sich ohne Weiteres ein bis mehrere komplette Surfbretter unterbringen. Wozu Skoda im Herbst noch einen Kombi auf den Markt bringen will, fragt man sich da belustigt...
 

 
 

 

Design: Schlicht und kantig

Auch im Design wurde grundlegend erneuert: Solidität ist zwar gut und schön, aber reicht auf Dauer nicht, um weiter auf der Erfolgswelle zu schwimmen. Deswegen hat Skoda das barocke Design des Vorgängers für passé erklärt, der Superb III wurde schlicht und kantig.

Diese neue Stilrichtung unterstrich Skoda-Chef Winfried Vahland schon vor Monaten: „Die Ansprüche der Kunden wachsen, und mit dem Superb beginnt eine neue Ära.“ Der erste Eindruck: Der Skoda Superb III hält bereits optisch diesen Ansprüchen stand. Er steht gut da und kann sich aus jedem Blickwinkel sehen lassen.

Die Proportionen des 4,86 Meter langen Autos stimmen einfach: Der Radstand ist um acht Zentimeter gewachsen (und damit fünf Zentimeter länger als beim VW Passat), genauso wie die Breite um etwa vier Zentimeter, dabei schrumpfte der vordere Überhang um gut sechs Zentimeter. Da der Superb zudem um 2,7 Zentimeter in der Länge zulegt, ist der Innenraum deutlich geräumiger als zuvor.

Beifahrersitz weicht artig aus

Also heißt es erstmal hinten rechts Platz nehmen und die Fähigkeiten des Skoda-Flaggschiffs als Chauffeurs-Limousine testen. Per Knopfdruck weicht der Beifahrersitz artig nach vorne aus und bietet so den Fond-Passagieren maximale Beinfreiheit – und die erreicht wahrhaftig Luxusklassen-Limousinen-Niveau.

Also ist der Superb für repräsentative Aufgaben gerüstet, ohne dass es zwingend eine Langversion geben muss. So fürstliche Platzverhältnisse bei einem Auto, das in der Einstiegsvariante als 1,4 TSI mit 92 kW / 125 PS gerade mal 24.590 Euro kostet, sind eindeutig eine Kampfansage an die Konkurrenz. Zumal auch die Verarbeitung in bester Skoda-Tradition mehr als ordentlich ist.

Zum Vergleich: Der günstigste VW Passat kostet ab 26.075 Euro. Rund 1.500 Euro Einsparung, die man beim Skoda zum Beispiel in adaptive Dämpfer (910 Euro) investieren könnte.

Motor schlägt sich wacker

Der Superb ist nämlich der erste Skoda, der diese Option anbietet – ein weiterer Schritt in Richtung Oberklasse. Die Unterschiede der verschiedenen Fahrmodi kommen auch im Fond an. Bei der Sport-Einstellung reagiert der knapp 1.400 Kilogramm schwere Tscheche straffer und auch auf der Hinterachse weniger geschmeidig.

Sobald man den Komfort-Modus anwählt, bügelt das gut abgestimmte Fahrwerk alle Unebenheiten weg. Nimmt man das Steuer selbst in die Hand, verfestigt sich der Eindruck. Bei Sport spannt der Superb die Muskeln an: Die Gasannahme ist unmittelbarer, die Gangwechsel schneller, die Lenkung direkter und die Dämpfer straffer. Damit lässt sich der nicht gerade schmächtige Superb durchaus ambitioniert um die Kurven zirkeln. Lediglich bei engen Ecken macht sich der Radstand von 2,84 Metern durch eine gewisse Trägheit bemerkbar.

Die aber auf der anderen Seite mit einem berechenbaren und gutmütigen Fahrverhalten einhergeht. Erst spät fängt der Superb an, mit den Vorderrädern in Richtung Fahrbahnrand zu drängen. Auch das Standard-Stahlfahrwerk gibt eine gute Figur ab und dämpft grobe Stöße souverän weg. Nur bei langen aufeinanderfolgenden Wellen, die im Autobahn-Tempo genommen werden, ist ein Nachwippen festzustellen.

Großer Bildschirm serienmäßig

Das Infotainment-System mit dem großen Bildschirm hat auch der böhmische Passat an Bord, und die Einbindung eines Smartphones – egal ob Apple- oder Android-Betriebssystem – funktioniert wirklich prächtig.

Neben dem optionalen LTE-Hotspot, gibt es auch noch eine Tablet-PC-Halterung, die am Vordersitz oder in der Mittelkonsole der Rückband angebracht werden kann. Für Unterhaltung ist hinten also gesorgt.

Auf Langstrecken lässt es sich dort entspannt aushalten und bei Bedarf auch arbeiten. Sofern der Chauffeur dem Wagen nicht allzu leidenschaftlich die Sporen gibt.

Kleiner Motor reicht aus

Das geht in der Tat auch ganz gut: Der 1.4-Liter-TSI-Motor mit 110 kW / 150 PS schlägt sich dank des maximalen Drehmoments von 250 Newtonmetern mehr als wacker und lässt auch eine dynamische Fahrweise zu. Nach 8,6 Sekunden ist aus dem Stand die 100-km/h-Marke erreicht und die Höchstgeschwindigkeit beträgt 220 km/h.

Der Otto-Motor schaltet zwei seiner vier Zylinder bei Bedarf ab und erreicht mit Hilfe der Technologie, die bereits bei VW erprobt wurde, einen Verbrauch von 4,8 Litern pro 100 km. Das Aggregat dreht willig hoch und tritt auch aus dem Drehzahlkeller schneidig an. Dabei fällt auf, wie akustisch unauffällig das Triebwerk seinen Dienst verrichtet.

Das gilt übrigens auch für den 2.0 TDI mit 140 kW / 190 PS, der den Sprint in 7,7 Sekunden bewältigt und bis zu 235 km/h schnell ist. In Verbindung mit dem Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe legt der Superb einen sehr souveränen Auftritt hin. Allerdings kostet dieser Spaß auch mindestens 34.290 Euro.

Armee von Assistenten

Damit die tschechische Mittelklassen-Limousine mit der erklärten Konkurrenz aus A4, Passat oder Opel Insignia mithalten kann, wurde das Gefährt auch bei den Assistenzsystemen mächtig aufgerüstet: Der Superb hat erstmals einen Stauassistenten, der den Fahrer im Stop-and-Go-Verkehr durch automatisches Beschleunigen, Bremsen und korrigierende Lenkbewegungen entlastet.

Neu sind auch der Totwinkel-Warner und das maskierte Bi-Xenon-Fernlicht, das vorausfahrende Fahrzeuge und Gegenverkehr bei Aufblendlicht aus dem Lichtkegel nimmt. Ab 13. Juni steht der Skoda Superb beim Händler. Der Kunde wird zwischen fünf Benzinern und drei Diesel wählen können.

Zum Marktstart gibt es allerdings nur sechs Motoren, die anderen Triebwerke werden Mitte und Ende Juli nachgereicht. Der Kombi hat erst auf der IAA Frankfurt seine Premiere. Die Benziner haben 125 bis 280 PS. Die drei Diesel mit 1,6 und 2,0 Litern Hubraum leisten 120, 150 und 190 PS. Das Spritspar-Highlight wird die Green-Line-Version sein, die nur 3,7 Liter auf 100 Kilometer brauchen soll. Ein akademischer Wert – was er wirklich braucht, wird sich erst in den nächsten Monaten erweisen.

Relativ hohe Ladekante

Ohne Regenschirm geht bei Skoda natürlich nichts. Beim neuen Superb sind es sogar zwei davon – einer in der Fahrer- und einer in der Beifahrertür. Als mechanisches Assistenten-Paar gegen schlechtes Wetter, sozusagen.

Es gibt aber noch weitere, pfiffige Details: Darunter eine 230-Volt-Steckdose mit USB-Anschluss, sogenannten Cargo-Elementen, die durch Klettbänder am Boden des Kofferraums befestigt werden. Mit ihnen lassen sich zum Beispiel Wasserkästen so fixieren, dass diese nicht hin- und herrutschen.

Der Kofferraum ist, wie eingangs angesprochen, noch riesiger als beim Vorgänger: Das Gepäckabteil fast zwischen 625 Litern und 1.760 Litern bei umgeklappten Rücklehnen. Allerdings ist die Ladekante ziemlich hoch und man muss das Gepäck zunächst in die Luke wuchten, da es einen doppelten Ladeboden erst beim Kombi geben wird. Klappen die Lehnen der Rückbank per Knopfdruck nach vorne, bleibt zudem auch eine deutliche Stufe.

Weitere Informationen über den neuen Skoda Superb 3. Generation in der Bildergalerie.

Stärken

 
  • Motor kaum wahrnehmbar
  • Assistenzsysteme
  • solide Verarbeitung
  • Platzangebot

Schwächen

 
  • - Alu Applikationen nicht echt
  • Kofferraum-Ladekante recht hoch

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Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll