Fahrbericht: Seat Leon ST Cupra

Viel Leistung für wenig Geld

Kampfstier mit Rucksack

Der Leon ist in Deutschland zur wichtigsten Modellreihe von Seat avanciert. Nicht zuletzt auch wegen des Kombis. Jetzt machen die Spanier den ST zum Leistungssportler. Er nimmt es fast mit dem Golf R Variant auf, kostet aber 15% weniger

11. Februar 2015

Noch rund zwei Monate lang hält Seat den Kombi-Kraft-Rekord im VW-Konzern – dann holt ihn sich die Konzernmutter wohl zurück. Der Seat Leon ST Cupra ist mit 206 kW/280 PS bestens bestückt für flotten Lasttransport. Und zumindest so lange der Kombi-Spitzensportler, bis der bereits angekündigte VW Golf R Variant mit 300 PS auf den Markt kommt.

Als kompakte Limousine mit wahlweise fünf oder drei Türen ist der 2012 upgedatete Seat Leon schon etwas länger unterwegs. Und auch die Kombiversion ST ist seit 2013 auf dem Markt.

Die bekommt jetzt einen Adrenalinschub: Den Leon ST gibt es künftig auch in zwei Cupra-Versionen: Einmal mit dem 280-PS-Triebwerk – und ein wenig bescheidener mit 195 kW/265 PS.
 

 
 

6 Sekunden von 0 auf 100 km/h

Entsprechend sind die Fahrwerte. Von 0 auf Tempo 100 stürmt der fahrfertig nur 1,44 Tonnen schwere 280-PS-Spanier mit Doppelkupplungsgetriebe (DSG) in sechs Sekunden, handgeschaltet dauert es eine hundertstel Sekunde länger, flinke Pfote vorausgesetzt. Abgeregelt wird jeweils bei 250km/h.

Der DIN-Verbrauch des aufgeladenen TSI-Vierzylinders liegt laut Seat bei 6,7 Litern (6,6 mit DSG) auf 100 Kilometern, was einem CO2-Ausstoß von 157 g/km (154 g bei DSG) entspricht.

Wer ihn verschärft fährt, der kommt allerdings auch leicht in den zweistelligen Verbrauch. Bei einer längeren Ausfahrt über Landstraßen und Autobahn zeigte der Bordcomputer am Schluss einen Verbrauch von 9,9 Litern an.

Synthetik-Sound gehört dazu

Damit die vier Zylinder auch genauso sportlich klingen, wie sie sich fahren, verstärkt ein Soundaktor den Klang nach innen und außen. Das klingt ein wenig synthetisch. Der Unterschied ist hörbar, sobald man über den Bordcomputer in den Sport- oder Cupra-Modus wechselt. Ob er gefällt oder eher nervt, ist Geschmacksache. Aber mittlerweile gibt es in der Kompaktklasse ohnehin kaum noch ein sportliches Modell, das seinen Sound nicht künstlich aufbrezelt.

Der Leon ST Cupra fährt sich ebenso entspannt wie lustvoll. Im Comfort-Modus etwa lassen sich mit komfortbetonter Federung auch lange Strecken relaxt zurücklegen. Auf der Autobahn ist man souverän unterwegs, Reserven sind immer vorhanden: Ein Kick aufs Gaspedal, kurze Verzögerung – und ab geht die Post.

Da der Comfort-Modus auf den künstlichen Motorklang verzichtet, dröhnt einem der Leon auch nicht die Ohren voll, sondern ist innen angenehm leise.

Cupra-Modus entfesselt das Untier

Wer den Sport- oder gar den Cupra-Modus einschaltet, der macht dem Cupra gleich ein paar Stufen knackiger. Die Schaltzeiten verkürzen sich, beim DSG-Getriebe findet der sechste Gang praktisch nicht mehr statt. Jedes Beschleunigen treibt den Motor hoch bis kurz vor die Drehzahlgrenze, bevor dann das DSG doch noch hoch schaltet.

Beim Verzögern ist gelegentlich selbst ein Stoß Zwischengas kurz hörbar. Die Federung versteift sich, der Kombi wird zu einem überraschend freudigen Kurventänzer.

Die Nordschleife in acht Minuten

Die Differenzialsperre des Vorderrads sorgt dafür, dass bei dem Rad an der Kurvenaußenseite mehr Drehmoment ankommt – der Cupra lenkt unterstützend mit und macht für einen Kombi ungeahnte Kurvengeschwindigkeiten möglich. Im Extremfall kann das gesamte Antriebsmoment auf ein einziges Rad geleitet werden, versichert Seat. Selbst auf einer Rennstrecke legt der ST Cupra so noch eine durchaus passable Figur hin: Die Nordschleife des Nürburgrings soll der Kombi in acht Minuten geschafft haben.

Was allenfalls fehlt, ist die Allrad-Version. Der Frontantrieb kommt beim Kickstart zwar ganz gut mit dem satten Drehmoment von 350 Nm klar – zu spüren sind die Antriebskräfte, die an den Vorderrädern zerren, aber immer noch leicht.

Ansonsten haben die Spanier so ziemlich alles in den Leon Cupra gepackt, was sie im „Frisch eingetroffen und geprüft“-Regal finden konnten: Die adaptive Fahrwerksregelung DCC, Progressivlenkung, Drive Profile oder Voll-LED-Scheinwerfer zum Beispiel. Oder als Option eine Bremsanlage von Brembo.

Ordentliches Gepäckabteil

Der Leon ST ist auch als Cupra ein echter Kombi: Innen ist ausreichend Platz für bis zu fünf Passagiere, der Laderaum kann bei umgeklappter Rückbank bis zu 1.470 Liter Gepäck transportieren. Das ist wirklich ordentlich.

Im Normal-Modus sind es wie bei seinen zahmeren Brüdern 587 Liter. Das ist ein wenig mehr als beim VW Golf Variant und gleich viel wie bei Skoda Octavia Combi RS, der allerdings mit 60 PS weniger auskommen muss.

So viel Platz beschert dem Leon ST ein völlig neues Kundensegment, wie Seats Vorstandschef Jürgen Stackmann erfreut konstatiert: „Unser Flottengeschäft wächst sehr stark.“

Prollig will er nicht sein

Der Rest ist eine Geschmacksfrage: Seat setzt innerhalb des VW-Konzerns seit Jahren neben den üblichen Werten wie hochwertige Verarbeitung, Verbrauch oder Nutzwert vor allem auf eigenständiges Design. Entsprechend durchgestylt tritt auch der Leon ST Cupra auf.

Wem der Golf Variant oder der Skoda Octavia Combi zu bieder ist, den soll der Cupra ST ansprechen. Der Cupra soll durch dezente optische Hinweise auf Anhieb als solcher zu erkennen sein, sagt Seat Entwicklungsvorstand Matthias Rabe: „Ohne prollig zu sein.“

Vorne müssen üppige Lufteinlässe mit Wabengitter weitgehend reichen, hinten eine Heckschürze mit angedeutetem Diffusor. Und ein paar Farbmarken wie etwa rot lackierte Bremssättel.

Ab 33.860 Euro beginnt der Stierkampf

Für die 280-PS-Version ruft Seat mindestens 33.860 Euro auf, für den 265-PSler sind es auch noch 32.650 Euro.

Zum Vergleich: Für den 220 PS starken Skodas Octavia Combi werden 30.790 Euro fällig, die Preise für den Golf R Variant stehen noch nicht fest, dürften aber locker über 40.000 Euro liegen. Somit spart der Spanien-Fan mehr als 15%, bei fast gleicher Leistung. Darüber lohnt sich nachzudenken.

Weitere Informationen über den feurigen Kombi in der Bildergalerie.

Text: Press-Inform / Jürgen Wolff