Test: Renault Mégane (4. Generation)

4. Generation des Kompakten

Der Giga-Mégane

Der Renault Megané war schon früher eine Art Geheimtipp für alle, die ein gutes Kompaktauto zum fairen Preis suchten. Mit der neuen Generation sind die Franzosen über sich hinaus gewachsen – und als Krönung gibt es erstmals einen Golf-GTI-Gegner. Er heißt GT.

 
 
9. Dezember 2015

Sie hören nicht auf: Die Autos wachsen weiter. Irgendwann ist Schluss; spätestens, wenn das erste Auto in der Tiefgarage steckenbleibt.  Dem neuen Mégane wird das wohl nicht passieren, obwohl er in 4. Generation nicht nur in der Länge, sondern auch in der Breite größer wurde. Tatsächlich ist er noch vier Zentimeter breiter als der aktuelle Golf VII, nämlich 2,06 Meter mit Außenspiegeln.

Der Ur-Mégane war 35 Zentimeter schmaler, der Vorläufer aller Kompaktautos, der Käfer, begnügte sich sogar mit einem guten halben Meter weniger. Ob diese Aufplusterung beim Kunden ankommt? Wohlwollend betrachtet, bedeutet sie Komfort für alle: Ein Platzangebot, das vor Jahrzehnten nur Oberklasse-Kunden vorbehalten war, wird heute fast allen zugänglich. So lange der Platz in der Tiefgarage reicht...

Noch mehr Wachstum gefällig? Bitteschön: Das Renault-Markenzeichen wurde besonders großzügig gedüngt und ist nun auf mehr als doppelte Größe angeschwollen. Der neue Mégane, ein Logo auf Rädern.

Leuchtkäfer-Design

Ins rechte Licht gerückt wird es durch üppige Illumination, von Renault „Lichtsignatur“ genannt: Im neuen Mégane gibt es erstmals LED-Scheinwerfer – leider nicht serienmäßig (ebensowenig wie im Opel Astra K). Immerhin ist ab der höchsten Ausstattungslinie „Intens“ die energiesparende und innovative Lichttechnik Standard. Intensiviert wird dann auch das Tagfahrlicht, das aus zwei gegenüberliegenden LED-Bändern besteht und bereits an eine Kaufhausfassade erinnert.

Damit nicht genug, zieht sich auch um das Heck ein auffälliges Lichterband, das beim Starten des Motors seinerseits „startet“. Einen hohen Wiedererkennungswert erhofft sich Renault aus diesem Leuchtkäfer-Design; man könnte auch sagen: Auffallen um jeden Preis.

Doch das ist erst der Anfang: Wenn man den Innenraum auf sich wirken lässt, ist das Bemühen der Franzosen, dem Publikum zu gefallen, allgegenwärtig. Insbesondere das Thema Illumination wird zelebriert, und so soll sich der Megané vom Rest der Golf-Klasse abheben.

Freie Farbwahl auf dem Display

Bei den Cockpit-Funktionen geht es weiter: Wer will, kann Farbe und Grafik der Instrumente (aber auch der Lichtbänder an den Türen) nach persönlichen Vorlieben bestimmen. Zahlen-Tacho oder doch lieber die gute, alte Uhr (digital animiert)? Display in rot, grün oder lieber violett? Alles per Klick frei wählbar.

Ein vergleichsweise riesiger Touchscreen steuert fast alle Funktionen im Auto. Das ist konsequent und natürlich ein Kotau vor der Generation iPhone, aber es ist auch nicht immer sinnvoll: Zum Beispiel muss sich der Nutzer durch das komplexe Menü „tatschen“, nur um die Intensität des Gebläses zu regulieren. Das kann während der Fahrt ganz schön ablenken.

Rings um den Bildschirm sind tatsächlich noch ein paar Knöpfe. Die sollen helfen, einige Funktionen ohne langes Herumwischen auf dem Display direkt anzuwählen. Was leider noch nicht funktioniert: Automatische Anbindung des Smartphones. „Wir arbeiten an einer Lösung“, heißt es bei Renault. Bis zur Markteinführung des Mégane im März 2016 ist ja noch Zeit...

Weder Coupé noch Cabrio

Wer den Blick vom Display lösen kann, findet sich in einem aufgeräumten Innenraum mit bequemen Sitzen und wenigen, schnörkellosen Applikationen wieder. Der Platz ist in dem Viertürer nicht nur vorn, sondern auch hinten gewachsen, was auch dem größeren Radstand zu verdanken ist.

Im Kofferraum wurde es geringfügig enger, 21 Liter weniger Platz bietet das Gepäckfach nun. Klappt man die Rücksitze um, wächst das Volumen auf 1.247 Liter, das ist über 110 Liter mehr als im Mégane 3. Wer noch mehr Platz braucht, muss bis zum Sommer 2016 warten, dann kommt der Kombi Grandtour. Vom Coupé und vom Cabrio dagegen müssen wir uns verabschieden: Renault wird keine bauen.

Das Angebot an (natürlich kostenpflichtigen) Extras ist beeindruckend: Es gibt Sportsitze mit integrierten Kopfstützen, die nur im Spitzenmodell GT Serie sind, und Fahrer sowie Beifahrer können auf Wunsche eine Massagefunktion genießen. Was gibt es noch? Zum Beispiel eine Verkehrszeichenerkennung, ein Einparkassistent, ein beheizbares Lenkrad, Spurhalte-Warner, Bose-Soundsystem oder Head-up-Display.

GT ist dem GTI auf den Fersen

Mit dem Top-Modell GT streckt sich Renault gehörig nach der Decke, also gen GTI. Der wird nicht ganz erreicht, aber das Resultat ist dennoch respektabel. Der GT wird vom größten Benzinmotor angetrieben, einem Turbo-Vierzylinder, der aus 1,6 Liter Hubraum bis zu 206 PS drückt. Das ermöglicht einen Sprint von 0 auf 100 km/h in 7,1 Sekunden – der kleinere GTI mit 220 PS schafft das in 6,5 Sekunden. Sogar ohne DSG.

Auch bei der Endgeschwindigkeit triumphiert der Golf: Er bringt es auf mindestens 244 km/h, der Renault erreicht nur 230 km/h. Dass der GTI (als Dreitürer) 135 Euro mehr kostet, kann dagegen keine allzu große Rolle spielen.

Aber, geschenkt: Der GTI ist auch Für 29.090 Euro ist der GT ein attraktives Alltags-Sportcoupé, das dank üppiger Serienausstattung jede Menge Plus mitbringt. Allein das siebenstufige Doppelkupplungsgetriebe kostet in gewöhnlichen Mégane-Modellen 1.900 Euro Aufpreis.

Instrumente färben sich rot

Sobald der Sport-R.S-Button gedrückt wird, spannt der 151 kW / 205 PS-starke Megané GT die Muskeln, die digital animierten Rund-Instrumente färben sich bedrohlich rot, die Gasannahme wird unmittelbarer und das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe wechselt die Fahrstufen schneller.

Die Kombination mit dem 1.6-Liter-Turbo-Motor funktioniert gut, offenbart aber eine leichte Schwäche beim Ansprechverhalten. Ein Blick auf das Datenblatt unterstreicht das persönliche Empfinden: Das maximale Drehmoment von 280 Newtonmetern steht erst ab 2.400 U/min zur Verfügung. Auch wenn der Megané GT mehr Drehzahlen braucht, ist der (Labor-)Verbrauch mit 6,0 Litern annehmbar. In der Realität dürften heißblütige Fahrer sich schnell kurz unter 10 Liter auf 100 km wiederfinden.

Obwohl der 1.467 Kilogramm schwere Megané nach 7,1 Sekunden Landstraßen-Tempo 100 erreicht und bis 230 km/h weitersprinten kann, fehlt dem zwangsbeatmeten Triebwerk der richtige Punch, um kräftig durchzuziehen. Vor allem bei höheren Drehzahlen wirkt das Aggregat zugeschnürt.

Alle Motoren mit Turbolader

Die Kurvenjagd lässt sich dank straffer Fahrwerksabstimmung auch in der zweiten Reihe genießen. Hinten haben die Kopf und Beine genug Platz, dass es sich auch groß gewachsene Passagiere einigermaßen bequem machen können. Beim Kofferraumvolumen hat der Renault gegenüber dem Golf (380 bis 1.270 Liter) mit einem Fassungsvermögen von 384 bis 1.247 Litern ganz knapp das Nachsehen, allerdings erschwert eine hohe Kante das Beladen.

Wer nicht zwingend immer und überall der Erste sein will, hat sechs weitere Motoren zur Auswahl. Dabei handelt es sich um drei neu entwickelte Benziner (74 kW / 100 PS bis 151 kW / 205 PS) sowie vier Diesel (81 kW / 110 PS bis 96 kW / 131 PS), sämtlich mit Turbolader.

Im Juni nächsten Jahres kommt noch ein Topdiesel mit 121 kW / 165 PS, und Anfang 2017 wird ein Diesel-Hybrid die Kunden mit einem Durchschnittsverbrauch von weniger als drei Liter pro 100 Kilometer locken.

Die Preise sind nicht gestiegen

Der günstigste Mégane ist ab März 2016 ein Benziner mit 100 PS, der nach NEFZ-Norm durchschnittlich 5,4 Liter auf 100 km verbraucht. Er kostet ab 16.790 Euro. Der kleinste Diesel hat 90 PS und verbraucht (zumindest im Labor) durchschnittlich 3,7 Liter, inklusive Basisausstattung kostet der Mégane damit ab 19.990 Euro.

Die beste Wahl scheint der bisher größte Dieselmotor mit 1,6 Liter Hubraum und 130 PS zu sein, er beschleunigt den Mégane auf maximal 199 km/h und verbraucht theoretisch lediglich vier Liter auf 100 km. Sein Preis: ab 25.090 Euro, er wird nur in Verbindung mit der Top-Ausstattungslinie „Intens“ geliefert.

Weitere Details zum Renault Mégane der 4. Generation in der Bildergalerie

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Bis der neue Mégane auf den Markt kommt, vergeht noch ein gutes Vierteljahr. Das Vorgängermodell ist ausgereift, technisch noch immer top und preislich hoch attraktiv (auf Auslaufmodelle werden kurz vor Modellwechsel hohe Rabatte gewährt) – wie wäre es also mit einem Mégane 3?

Mégane 3 bei mobile.de

Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll