Sparen mit 258 PS

Fahrbericht: Porsche Macan S Diesel

Der Vernunft-Porsche

Der Porsche Macan S Diesel verbraucht trotz 258 PS erfreulich wenig Sprit – und wird dennoch im Straßenalltag mit gebührendem Respekt behandelt. Damit hat er sich den Ehrentitel „Vernunft-Porsche“ verdient

6. Januar 2015

Auf der Autobahn herrscht Verdrängungswettbewerb. Oft scheren die Vordermänner und -frauen unvermittelt und blitzschnell auf die linke Spur aus und provozieren so ein Bremsmanöver des nachfolgenden Fahrzeugs. Wer in einem Porsche Macan sitzt, bleibt von diesem Phänomen auffallend verschont.

Die unverwechselbare Porsche-Front beeindruckt offensichtlich sogar die Alpha-Tierchen in anderen Premiumfahrzeugen. Sie ahnen ja nicht, dass wir die Dieselvariante steuern. Denn wer jetzt einen höllischen Hammer erwartet, der alles in Grund und Boden sprintet, sollte zu einem der beiden Benziner greifen, die mehr Kraft haben als der 258-PS-Diesel.

Der Macan mit Selbstzünder ist ganz unbestreitbar die vernünftige Motorisierung im kompakten Porsche-SUV. Sorgen, dass er deswegen zur rollenden Schikane wird, sind natürlich völlig unbegründet. Ganz im Gegenteil: Vor allem dank des maximalen Drehmoments von 580 Newtonmetern lässt sich der Kraxler wirklich immer souverän bewegen.
 

 
 

Digitaler Co-Pilot verhindert Fehler

Bei der Fahrdynamik zeigt der hecklastig ausgelegte Zuffenhausener seinen Konkurrenten ohnehin deutlich, wo es lang geht. Wer sich die variablen Dämpfer (zum Aufpreis von 1.154,30 Euro, für Porsche ist das moderat) und das Torque Vectoring (1.487,50 Euro), bei dem die Kraft an den Hinterrädern variabel verteilt wird, ist von dem Können des 1.880 Tonnen schweren Vehikels begeistert.

Die Lenkung ist präzise und gibt zuverlässig Rückmeldung über den Straßenzustand, die elektronisch gesteuerte Hinterachs-Differentialsperre sorgt für zusätzlichen Grip und vorne wird mit gezielten Bremseingriffen die Kurvenstabilität gesteigert.

Selbst im Starkregen erfüllt der Porsche-Quattro zuverlässig seine Pflicht und sorgt bei extrem nassen Straßen für Traktion und ein sicheres Fahrgefühl. Ein digitaler Co-Pilot wacht immer und verhindert menschliches Versagen: Wenn es einmal eng wird, greift die Technik ein.

Das Vergnügen ist nicht billig

Der agile Kraxler lädt zum Kurvenräubern ein. Klar ist der Macan kein 911er, aber seine Dynamik stellt sogar die des Audi-Bruders Q5 in den Schatten. Das macht sich auch in einer strafferen Grundabstimmung bemerkbar, die aber selbst auf langen Strecken nicht unangenehm auffällt – dem elektronisch geregelten Fahrwerk und den bequemen Sitzen sei Dank.

So dürfte auch der Weg zum Skilift mit Spaß und Souveränität zu meistern sein. Sofern die Geldkatze dick genug ist... Denn wie immer im Leben kostet so viel Vergnügen natürlich etwas. Da hat sich Porsche wohl im Selbstbewusstsein seines vorhergesagten Erfolges zu einem recht ambitionierten Preis entschlossen: Unter 58.442 Euro ist der Macan S Diesel nicht zu haben.

Sein Durchschnittsverbrauch lag nach unserer Testfahrt bei 8,9 Litern auf 100 km. Wer mit dem offiziellen NEFZ-Wert von 6,3 Litern pro 100 Kilometer auch nur annähernd auskommen will, muss mit federleichtem Gasfuß fahren. Dennoch ist auch der Alltags-Wert angesichts der Fahrdynamik, die der Macan besitzt, durchaus in Ordnung.

Fahrgefühl wie im Sportcoupé

Anders als bei den meisten SUV ist die Sitzposition beim Macan tiefer. Als Fahrer hat man das Gefühl, ganz nah an der Straßenoberfläche zu sitzen – das Feeling kommt einem Sportcoupé weit näher als einem Geländewagen. Ist die Nähe zum Asphalt bei kurvenreicher Fahrt durchaus hilfreich, geht im Stadtverkehr ein bisschen die SUV-typische Übersicht verloren.

Nach hinten ist der Blick zwar eingeschränkt, aber da helfen ja die Parksensoren und die Rückfahrkamera (zusammen mit Park-Sensoren 1.300 Euro). Besser ist noch das Surround-View-System. Dann ist man aber 2.046,80 Euro los.

Die breiten D-Säulen beeinträchtigen darüberhinaus auch den Schulterblick etwas. Deswegen ergibt ein Kreuz in der Aufpreisliste vor dem Toter-Winkel-Assistent durchaus Sinn. Mit einem Aufpreis von 583,10 Euro ist es, angesichts des sonstigen Preisniveaus, durchaus verschmerzbar.

Sogar größere Möbel haben Platz

Ein großes Plus erhält die Verarbeitungsqualität des Innenraums. Bei der Bedienung setzen die Zuffenhausener ja bewusst auf Knöpfe und Schalter, anstelle von Drehstellern. Zunächst fühlt man sich von den vielen Bedienelementen etwas überrannt, hat man sich einmal mit dem Konzept auseinandergesetzt, findet man sich sehr schnell zurecht.

Im Stadtverkehr schlägt sich der 4,68 Meter lange SUV, wie sich so ein Dickschiffchen im immer hektischer werdenden urbanen Gewusel eben schlägt. Nicht jeder Parkplatz ist groß genug und beim Rangieren zeigt sich, dass der Wendekreis einen Schuss kleiner sein könnte.

Dass der Macan in erster Linie Spaß machen soll und kein Lastesel ist, merkt man am Kofferraum, der zwischen 500 und 1.500 Liter Volumen fasst. Damit wird der Porsche auch vom BMW X3 geschlagen, bei dem es 550 bis 1.600 Liter Volumen sind. Beim Audi Q5 sind es 540 bis 1.560 Liter.

Vier Zentimeter für 2.629,90 Euro

Immerhin ist das Porsche Gepäckabteil nicht sehr zerklüftet und der Ladeboden nur wenig tiefer als die Ladekante ist. Die liegt aber relativ hoch; aber auch das lässt sich ändern; gegen eine geringe Gebühr.

Denn wer außerdem noch 2.629,90 Euro für die Luftfederung inklusive variable Dämpfer übrig hat, bekommt nicht nur auf der Straße extra Komfort und Dynamik geboten, sondern auch beim Beladen. Dann lässt sich das Heck um vier Zentimeter absenken, was das Hochwuchten des Einkaufs deutlich erleichtert. Angenehm ist auch, dass die Heckklappe so weit aufschwingt, dass die 1.85 Meter des Testers ohne Probleme darunter passen. Das macht das Hantieren mit den Einkäufen leichter, auch bei schlechtem Wetter.

Aber das sind natürlich höchst akademische Betrachtungen: Wer ein so agiles SUV wie den Porsche Macan primär als Lastesel für den verkaufsoffenen Sonntag gebraucht, handelt so, als wenn er einem wieselflinken Border Collie keinen Auslauf gönnt.

Weitere Infos über den Macan S Diesel in der Bildergalerie.

Macan-Suche bei mobile.de

tageszulassungen_suche-teaser

Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll