Die Legende 911 wird fortgesetzt

Porsche 911 Carrera GTS

Der bessere Carrera

Die unendliche 911er-Geschichte: Mit dem GTS bietet Porsche nunmehr die 19. Modellvariante des klassischen Sportwagens an. Er hat 30 PS mehr als der einfache Carrera, ist insgesamt wilder und ungebändiger, und dieses Erlebnis kostet einen stattlichen Aufpreis. Ist es das wert?

19. November 2014

Wie beruhigend, es gibt noch Gewissheiten: zum Beispiel diese, dass auch der jüngste Spross der Porsche-911- Familie eine grandiose Fahrmaschine ist. Bei diesem hohen Grad an Ausgereiftheit wirkt es da fast schon beruhigend, wenn auch Zuffenhausener Ingenieure nicht alles perfekt hinbekommen: Geht man vom Gas, ertönt nicht eine sonores tiefes Bollern, sondern eine Salve an China-Böllern.

Dieser etwas aufgesetzte Klang passt nicht zu diesem Porsche, finden wir. Noch ein paar Pedanterien gefällig? Okay: Zumindest bei unserem Testwagen waren die Applikationen um das Handschuhfach nicht ganz sauber eingefügt, was man an den nicht gänzlich exakten Spaltmaßen erkannte.

Ansonsten lässt der GTS keine Wünsche offen. Der Fahrer lenkt, das Auto setzt die Richtungsbefehle ohne großes Wenn und Aber um. Vor allem mit dem Allradantrieb muss man schon grob fahrlässig am Volant drehen, um den 911er aus der Ruhe zu bringen.
 

 
 

 

Siebengang-Getriebe in Serie

Das GTS-Paket ist zudem mit vielen attraktiven Beigaben versehen. Serienmäßig sind: das Bi- Xenon-Licht, die Sportauspuffanlage mit Klappen und 20-Zoll-Räder mit Zentralverschluss, die bisher nur beim Turbo-S zu haben waren.

Die Konsequenz ist klar: "Wir werden deutlich weniger Leistungssteigerungs-Kits verkaufen als bisher", prognostiziert Andreas Pröbstle, Projektleiter Gesamtfahrzeug Porsche 911.

Leistung ist hier selbstverständlich: 430 PS entwickelt der GTS aus 3,8 Liter Hubraum, ohne viel Aufhebens. Und ohne Turbo. Die geballte Kraft geht serienmäßig über ein Sieben-Gang-Handschaltgetriebe auf die Straße.

Fährt schneller als 300 km/h

Die Optik ist stimmig. Beim GTS gibt es den Pracht-Hintern mit den ausgestellten Radhäusern und der um 3,6 Zentimeter breiteren Spur serienmäßig. Zusammen mit der Tieferlegung um zehn Millimeter steht der knapp 1,5 Tonnen schwere Sportwagen noch satter da als der Standard-Carrera.

Die Neuheit flitzt auch eine Spur souveräner um die Ecken. Denn der Carrera 4 GTS feuert mit dem optionalen Doppelkupplungsgetriebe in 4,2 Sekunden von null auf 100 km/h und hört erst jenseits der 300-km/h-Marke auf zu beschleunigen. Damit ist der nachgeschärfte 911er marginal schneller als ein Porsche Carrera 4S.

Der beim GTS angegebene Durchschnittsverbrauch von 9,5 l/100 km klingt zwar schön, ist aber praktisch nicht zu erreichen. Wer diesen Porsche nur halbwegs artgerecht bewegt, wird schnell zweistellige Benzindurst-Werte erreichen, aber dafür mit einem Fahrerlebnis belohnt, das den Ausstoß vieler Glückshormone begünstigt. Nein, sogar sehr vieler.

0,7 Millimeter mehr Hub

Die Leistungssteigerung zauberten die Zuffenhausener Ingenieure nicht einfach so aus dem Hut. Neben einer neuen Motorsteuerungssoftware haben die Techniker auch auf klassische Tuning-Maßnahmen zurückgegriffen.

"Ein wichtiges Ziel war es, mehr Luft schneller in die Brennräume zu bekommen", zitiert Andreas Pröbstle gewissermaßen direkt aus dem Lastenheft. Also installierten die Motoren-Tüftler mehr Klappen in der Sauganlage und vewendeten polierte Saugrohre, um so den Luftstrom mit geringerem Widerstand fließen zu lassen.

Um noch mehr Leistung aus dem 3,8-Liter- Boxer-Motor zu kitzeln, wurde der Hub der Einlassventile von 11,0  auf 11,7 Millimeter angehoben.

GTS ist ein Sonderangebot

Warum das Ganze? 30-Zusatz-PS entspricht dem Leistungszuwachs, der auch bei der Werksteigerung angeboten wird. Die Frage nach dem Sinn dieser Doppelt-gemoppelt-Aktion ist also durchaus berechtigt.

Offiziell will Porsche eine winzige Marktlücke im eigenen Programm entdeckt und geschlossen haben: "Der Porsche 911 GTS schließt die Lücke zwischen dem 911 Carrera S mit 400 PS und dem 911 GT3 mit 475 PS" heißt es im Pressetext.

Aufschluss gibt letztendlich der Blick auf die Preisliste: Der Porsche Carrera 911 GTS ist mit einem Grundpreis von 117.549 Euro (für das Coupé) zwar um 12.376 Euro teurer als der Carrera S. Doch um bei der Motorenkraft Augenhöhe herzustellen, müsste man bei dem "normalen" Carrera sogar 13.804 Euro zusätzlich drauflegen. Aus dieser Perspektive ist der GTS also ein Sonderangebot, so seltsam das auch klingt.

Weitere Infos über den GTS in der Bildergalerie.

Stärken

 
  • Geschmeidiger Antrieb
  • Agilität
  • ausgewogenes Fahrverhalten

Schwächen

 
  • Nicht alle Applikationen sind sauber eingefügt

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Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll