Test: Porsche 718 Boxster (Typ 982)

Ausschließlich Vierzylinder-Motoren im Boxster

Der neue Volks-Porsche?

Den neuen Boxster gibt es nur mit Vierzylindermotor. Das erinnert an die Zeit der legendären Volks-Porsche 914 und 924. Zwar steckt ein gewisser Sparzwang dahinter. Doch dem Auto schadet das keineswegs.

 
 
  • Der Porsche Boxster ist offiziell die neue, 4. Generation. Doch tatsächlich handelt es sich um ein Facelift
  • Den Sportwagen gibt es ausschließlich mit Vierzylinder-Turbomotoren: ein 2-Liter- und ein 2,5-Liter-Motor
  • Trotz des kleineren Hubraums ist die Leistung dank Turbo gestiegen: um jeweils 35 PS auf 300 bzw. 350 PS.

Schub schon bei wenig Drehzahl

Dieses Getöse in den Ohren kommt nicht von ungefähr: In 4,2 Sekunden tritt Dich der Turbo von 0 auf 100 km/h. Mühelos und einen Tick schneller als beim bisher stärksten Boxster.

Zwar steht die volle Gewalt – wie üblich beim Turbo – erst bei ca. 7.500 Touren zur Verfügung. Aber guter Schub kommt vom Lader schon bei wenig mehr als Leerlaufdrehzahl. Und damit die Leistung beim Gasweglassen nicht abfällt, bleibt die Drosselklappe offen. So hält sich der Ladedruck.

Und dazu tönt es von hinten trefflich. Ein bisschen wie damals beim Käfer, aber viel dumpfer und brüllend, mitunter übermütig – eigentlich lauter als nötig. Mit einem Sechszylinder ist der Klang allerdings nicht zu vergleichen. Sollte er auch nicht: „Ein Vierzylinder muss klingen wie ein Vierzylinder.“ O-Ton vom Porsche-Projektleiter.

Vier statt sechs hat Tradition

Ein Vierzylinder im Porsche, das kennen wir doch? Da denkt man sofort an die Volksausführungen der 1970er- und 1980er-Jahre, mit ihrem damals eher mickrigen Image: Porsche 924, VW-Porsche 914. Das waren Autos, die zwar ein Porsche-Wappen auf der Front spazieren trugen. Doch überzeugen konnten sie damals nicht.

Anders ´der James-Dean-Roadster Porsche 550 Spyder zwei Generationen früher: Wie alle Porsche-Produkte bis 1964 war auch dieser wunderschöne Roadster mit einem weiterentwickelten Käfermotor bestückt. Auf diese Tradition kann sich der Hersteller beziehen, wenn er vorläufig nur Vierzylinder-Motoren in den neuen Boxster Typ 982 lässt.

Und ganz nebenbei: Das Leistungsgewicht des neuen 718 Boxster ist noch etwas günstiger als beim Spyder: 350 PS auf 1.355 Kilogramm in der Topversion „S“. Der Ur-Roadster wog rund 600 Kilo und wurde von 135 PS angetrieben. Porsches neuester Vierzylinder hat Wumms, kein Zweifel.

Sound-Design per Auspuffform

Damit sich das auch überzeugend anhört, wurde eigens für den Sound ein asymetrischer Abgaskrümmer konstruiert. Die Abgase strömen darin auf unterschiedlich langen Wegen zum Turbolader. Von dort aus schlängeln sich dicke Rohre und schmale Schalldämpfer um den Mittelmotor herum in Richtung Fahrzeugheck.

Wer etwas mehr ausgeben will, erhält einen zweiten Abgasstrang nebst dazugehöriger Klappenschaltung, um die Verbrennungsprodukte auf einen zweiten, kürzeren Weg in Richtung Endrohre zu schicken.

All das unterscheidet den Klang des Vierzylinder-Boxster dann doch deutlich vom klassischen Käfer-Sound. Natürlich bleibt ein feines Tickern im Leerlauf und das Wummern danach, ein bisschen wie beim luftgekühlten Boxermotor, den viele noch im Ohr haben.

Erst bei 7.500 Touren ist Schluss

Krawall ist natürlich schon deswegen erwünscht, weil der Boxster ja noch kräftiger geworden ist: um jeweils 35 PS und 100 bzw. 60 Newtonmeter Drehmoment. Im Basismodell leistet ein 2,0-Liter-Boxer 300 PS und 380 Newtonmetern Drehmoment. Die S-Version bekommt einen 2,5-Liter-Boxer mit 350 PS und 420 Newtonmetern.

Aber nackte Fakten sagen nicht allzu viel aus bei einem Sportwagen. Was zählt, ist das Gefühl. Porsche programmiert dem Turbo Ähnlichkeiten zum Sauger ins Steuergerät. Seine Kraft steigt mit der Drehzahl, er zieht bis 7.500 Touren. Kräftiger und souveräner als bisher. Zwei Zylinder fehlen ihm höchstens beim Auto-Quartett. Trotzdem bleibt der Gedanke, dass in einen Roadster von Porsche eigentlich ein Sechszylinder gehört.

Porsche ist sich der Vierzylinder-Tradition auch bewusst: Auf dem Heck des Boxster steht jetzt der Zusatz „718“. So hieß zwischen 1957 und 1962 ein leichter Sportler aus Zuffenhausen – natürlich mit vier Zylindern. Es wird eine Weile dauern, bis sich die Fans an den Gedanken gewöhnt haben, dass auch Porsche vor Downsizing nicht gefeit ist. Vielleicht legt Porsche ja noch einmal nach, mit einem Boxster GTS oder Spyder mit sechs Töpfen.

Auf der Nordschleife 16 Sekunden schneller

Obwohl man das auf den ersten Blick nicht sieht, wurde am Boxster fast alles geändert. Laut Fahrzeugschein ist der 718 ein neues Modell mit der Typenbezeichnung 982. Dach, Frontscheibe und Hauben bleiben zwar die alten, doch alle anderen Karosserieteile sind neu.

Die Bremsen werden größer und kräftiger, das Fahrwerk bekommt eine neue Abstimmung. An der Hinterachse werden die Felgen ein halbes Zoll breiter, die Lenkung wird etwas direkter.

Auf der Nordschleife des Nürburgsrings soll diese neue Sportwagen-Schöpfung 16 Sekunden schneller fahren als der Vorgänger. Porsche gibt für den Boxster S eine Rundenzeit von 7:42 Minuten an.

Realverbrauch kaum niedriger als zuvor

Sein Gewicht hilft ihm dabei nicht. Was der Block spart (25 Kilogramm), fordert der Turbo wieder ein. Letztendlich wiegt er mit größeren Bremsen so viel wie vorher. Spätestens hier wird klar: In der Praxis spart der 718 Boxster nicht.

Zwischen neun und zehn Liter Sprit verbrannte der 718 Boxster S auf unserer Testfahrt laut Bordcomputer. Ein Boxster GTS der letzten Generation verbraucht ungefähr die gleiche Menge. Na gut, Porschefahrer wird das ohnehin kaum beunruhigen.

Am 30. April 2016 startet der 718 Boxster in Deutschland. Der 718 Cayman mit gleicher Technik folgt kurz darauf. Ein Volks-Porsche wie 914 oder 924 wird er aber nicht: Der Basispreis des Roadsters steigt merklich um 2.737 Euro auf 53.646 Euro. Das S-Modell wird 3.689 Euro teurer und kostet dann 66.141 Euro.

Was sonst noch neu ist beim neuen Boxster mit Vierzylinder, sehen Sie in der Bildergalerie.

Porsche Boxster bei mobile.de

Der Boxster war und ist nicht billig – aber im Vergleich zum 911er kann der kleine Porsche als preisgünstig gelten. Erst recht als Gebrauchtwagen: Da der Boxster seit 1996 gebaut wird, sind bereits viele Autos auf dem Markt, die schon zehn Jahre und länger fahren.

Sowohl die 1. als auch die 2. Baureihe sind sehr haltbar – doch das darf kein Freibrief für den ersten besten Kauf sein, zumal die Technik komplex ist und Porsche-Ersatzteile sehr teuer sind. Bei mobile.de finden sich derzeit etwas über 1.400 Fahrzeuge, davon gehören knapp ein Drittel zur 1. Generation (bis 2004).

Filtern Sie mit dem Kästchen „fahrtauglich“ und dem Wert „12 Monate“ in der Option „HU mind. gültig“, so bleiben noch insgesamt rund 950 Boxster. Der Preis beginnt für fahrtaugliche Exemplare mit einem Jahr TÜV bei rund 10.000 Euro:

  Porsche Boxster bei mobile.de

Text: Constantin Bergander
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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