Fahrbericht: Opel Corsa OPC

Nie war er stärker als heute

Das Klein-Kraftwerk

Opels Power-Zwerg wächst über sich hinaus: Der neue Corsa OPC hat stolze 207 PS – und einen stolzen Preis. Wer es darauf anlegt, muss das Geld für einen Mittelklassewagen investieren und bekommt dafür einen nicht ganz jugendfreien Kleinwagen

28. April 2015

Ein alter Streit geht in den nächsten Level: Opel hat zum noch frischen Corsa jetzt die giftige OPC-Version nachgereicht. Mit 207 PS und allerlei Spielereien, die insbesondere bei der Kundenzielgruppe für nervöses Zappeln sorgen dürften.

Der kleine Flitzer soll – wie schon seine Vorgänger – auf Kundenfang gehen im Revier von Ford Fiesta ST, VW Polo GTI, Seat Ibiza Cupra oder Mini Cooper S. In der Kategorie „Kraftprotzen“ ist ihm das immerhin schon mal gelungen, denn der Polo GTI kommt „nur“ auf 192 PS.

Auch ansonsten scheint der kleine Kraftmeier gute Startchancen zu haben: Immerhin 23.000 Stück wurden allein vom Vorgängermodell verkauft. Und das ist mehr als von jeder anderen OPC-Modellversion.

 

 
 

 

Spoiler dient dem Fahrverhalten

OPC steht für „Opel Performance Company“. Und Performance liefert auch der neue Corsa OPC reichlich. Denn dem Klein-Kraftwerk sieht man seine Muskeln schon von weitem an: Erkennbar sportlich, aber nicht prollig. Ein Fuchsschwanz, wie er einst getunte Kadett- und Manta-Modelle garnierte, würde zu dem Party-Piraten nicht passen.

Von vorne ist der fixe Corsa an den größeren Lufteinlässen erkennbar, vor allem aber an der schmalen Hutze, die in der Motorhaube zwischen den Scheinwerfern verläuft. Die Seiten sind relativ unspektakulär gezeichnet: Keine dick ausgestellten Radhäuser, keine breiten Schweller-Balken unter den Türen. Schluß mit dem optischen Understatement ist erst wieder am Heck.

Da thront – nun aber doch noch – ein Spoiler über der Heckklappe. Der ist nicht riesig, aber durchaus bemerkbar. Das Bauteil kann auf Wunsch auch gegen ein deutlich üppigeres Leitwerk ausgetauscht werden. Es soll nicht allein die Männlichkeit des Chauffeurs betonen, sondern auch den Anpreßdruck auf der Hinterachse erhöhen, verspricht Opel-Entwickler Björn Zuchhold. Die komplett neu entwickelte zweiflutige Edelstahl-Abgasanlage dient ebenfalls zu mehr als nur dem Imponiergehabe. Sagt Opel.

Bei der Schaltung bleibt Opel eben Opel

Innen gibt sich der Corsa OPC dezent denn sportlich. Die serienmäßigen Recaro-Sportsitze bieten auch in flott gefahrenen Kurven guten Seitenhalt, ohne dass sich die Besatzung darin eingezwängt fühlen muss wie in einer riesigen Hummerschere. Tatsächlich sind die Seitenwangen niedrig genug, um einen graziösen Ein- wie Ausstieg vorzuführen.

Die ziemlich coolen Recaros haben integrierte Kopfstützen und verstellbare Rückenlehnen. Der Durchstieg zur Sitzbank im Heck ist zwar etwas mühsam und die Klappmechanik der Vordersitze klappt nur störrisch – aber wer ist denn auch so lebensmüde, in dem Flitzerchen hinten sitzen zu wollen?

Nein, im OPC-Geschoss sitzt man vorn und schaut dem Schicksal gelassen in die Augen. Am besten hinterm griffigen Lederlenkrad, das unten abgeflacht ist und sich lässt für den Fahrerwechsel gut in Tiefe und Neigung verstellen lässt. Die 6-Gang-Handschaltung hat nun rund 13% kürzere Schaltwege. Vor allem bei schneller Fahrt mit häufigem Gangwechsel hakelt die Schaltung dann allerdings gelegentlich. Da bleibt Opel eben doch Opel.

0,1 Sekunden langsamer als der Polo

Das, was auch den neuen Corsa OPC zum Raubtier macht, schnappt und knurrt natürlich unter der Motorhaube. Als Basis für den 1,6-Liter-Turbobenziner haben die Entwickler den Motorblock des Rallye-Adam R2 genommen und ihm unter anderem eine neue Ansaugstrecke bis zum Turbolader und neue Einspritzdüsen verpasst. Damit bringt das Aggregat jetzt maximal 152 kW/207 PS – sein Vorgänger musste sich noch mit 192 PS begnügen.

Ein Lärmgenerator ist er auch in der neuen Auflage nicht geworden. Der Sound klingt zwar kerniger als beim Standard-Corsa - aber Opel hat erfreulicher Weise nicht versucht, ihn mit elektronischen Tricks aufzumotzen. Das maximale Drehmoment mit 245 Nm ist bereits bei 1.900 U/min. erreicht. Das sorgt dann aber überraschender Weise nicht dafür, dass der Corsa schaltfaul bewegt werden kann: Die Beschleunigung aus niedriger Drehzahl heraus fühlt sich eher etwas mühsam an.

Wer allerdings aus voller Fahrt heraus noch einmal Gas gibt, der bekommt kurzzeitig vom Overboost zusätzliche 35 Nm geschenkt. Beim Überholen bleibt so eine echte Sicherheitsreserve. Den Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 schafft der Corsa OPC in gerade mal 6,4 Sekunden. Damit ist er fast eine halbe Sekunde schneller als sein Vorgänger. Wichtiger noch: nur 0,1 Sekunden langsamer als der Polo GTI. Die Endgeschwindigkeit gibt Opel mit 230 km/h an. Beim Polo GTI ist erst bei Tempo 236 Schluss. Nawennschon.

Energisches Gegenlenken hält die Spur

Wer allerdings voll ins Gaspedal tritt, der muss kurz damit kämpfen, dass die angetriebenen Vorderräder so ihre eigene Ansicht darüber entwickeln, wo es lang gehen soll. Aber die Elektronik in Tateinheit mit energischem Gegenlenken unterbindet diesen Eigensinn sehr schnell. Im Stadtverkehr zumindest gibt sich das kleine Kraft-Ei gutmütig und läßt sich fein dosiert bewegen.

7,5 Liter sollen für 100 Kilometer Strecke reichen, verspricht Opel – wie üblich, sind hier 10-15 Prozent „Wahres Leben“ hinzuzuaddieren. Und außerdem noch 10 Prozent „Sportcoupé-Aufschlag“, denn zum sportlichen Fahren wird ein Corsa OPC nun mal gekauft. Zum Vergleich: Im Vergleichsportal Spritmonitor kommt bereits der Vorläufer auf einen Durchschnittsverbrauch von 9,3 Liter je 100 km/h.

Da nützt es nichts, wenn der OPC-Abfangjäger im Vergleich zum Serien-Corsa um zehn Millimeter tiefer gelegt wurde. Aber Sünde gehört eben zum Leben dazu, von Zeit zu Zeit zumindest.

Bei flotter Gangart kann der Corsa tanzen

Die Traktionkontrolle lässt sich durch die Anwahl des Competition Modus ausschalten, ebenso das ESP. Selbst dann bleibt der Corsa OPC lange beherrschbar, lernt bei flotter Gangart auch schon mal das Tanzen. Aber auch mit den Sicherheitsfeatures ist der kleine Opel ganz gewiss keine Spaßbremse.

Und bei aller Sportlichkeit bleibt der freche Flitzer voll und ganz alltagstauglich: Am Laderaumvolumen von 285 bis zu bemerkenswerten 1.090 Litern (bei zurückgeklappter Heckbank) ändert die üppige Kriegsbemalung jedenfalls nichts.

Natürlich kann man den OPC-Corsa auch weiter aufrüsten: Gegen kräftigen Aufpreis gibt es so ziemlich alles, was auch lange Touren angenehm und sicherer macht; vom Abstandswarner über Verkehrsschilderkennung bis zum Parkpiloten. Immerhin: Bi-Xenon Scheinwerfer sind Serie.

Der Performance-Paket ist verzichtbar

Zurück zum Preis. Für einen Basispreis von 24.395 Euro bekommt man schon einen ordentlich ausgestatteten kleinen Flitzer. Man bekommt für etwas mehr zwar auch schon eine Mittelklasse-Limousine vom Typ Volkswagen Passat, aber das zählt nicht wirklich: Bei kleinen Sportcoupés ging es nie um nackte Mobilität, sondern um gelebten Individualismus und Liebe zur Leistung.

Opel-Optionen wie etwa das Performance Paket mit seinen größeren Felgen, Brembo-Bremsen und mechanischer Differentialsperre aber kann der Käufer sich getrost ersparen, wenn er es nicht auf extreme und zum Teil dann auch ruppige Sportlichkeit anlegt.

Mit seinem Einstiegspreis liegt der Opel Corsa OPC tatsächlich noch gut im Mittelfeld seiner Konkurrenten. Den Ford Fiesta ST gibt es ab 20.190 Euro, für den Mini Cooper S muss man mindestens 28.490 Euro hinblättern. Somit ist das neue Donnerkeilchen ganz schön unterbewertet. Und also eine Kaufempfehlung.

Weitere Informationen über Opel kleines Kraft-Ei in der Bildergalerie.

Text: Press-Inform / Jürgen Wolff