5. Generation des Kleinwagens

Fahrbericht Opel Corsa D

Lächelnd um die Kurve

Der neue Opel Corsa Opels neuer Corsa kommt mit extrabreitem Grinsen im Gesicht. Auch im Innern ist vieles neu: Vor allem hat der Kleinwagen mehr Serienausstattung an Bord. Die Abmessungen hingegen bleiben nahezu gleich.

3. November 2014

Genau 32 Jahre alt und immer noch jung geblieben: Die fünfte Generation des Opel Corsa sieht ganz nach einem annehmbaren Kompromiss aus. Dem Vorgänger noch insoweit ähnlich, dass die Verwandtschaft unverkennbar ist, aber so neu, dass jeder die Überarbeitung registriert. 

Die Front mit dem breit lachenden Kühlergrill-Mund, inklusive Chrom-Querspange und den modisch gezeichneten Scheinwerfern im Raubtieraugen-Design zitiert das neue Familiengesicht, das mit dem Kleinstwagen Adam zum ersten Mal auftauchte.

Auch wenn die Silhouette des Corsa noch an den Vorgänger erinnert, kommt der Neue deutlich dynamischer daher. Dagegen die Abmessungen sind im Vergleich zum Vorgänger fast identisch geblieben. Als Einstiegsmodell bietet sich der Corsa 1.0 an, ein ein Liter großer Benziner mit Turbolader antreibt.

 

 
 

 

Viel Platz für Ladung

Wenn man in den Corsa einsteigt, fällt der luftige Innenraum auf. Das liegt auch an der schrägen Windschutzscheibe, die an einen Van erinnert. Platz gibt es ausreichend und auch hinten können Erwachsene gut sitzen. Selbst bei einer Körpergröße von 1,90 Meter ist genug Kopffreiheit vorhanden.

Das Kofferraum- Volumen ist mit 285 Liter bis 1.090 Liter (Dreitürer) beziehungsweise 1.120 Litern durchaus ansehnlich. Die Lehnen der Rückbank lassen sich ohne Probleme mit einem Griff umlegen.

Aufgrund des doppelten Ladebodens entsteht dann auch eine ebene Fläche. Das Fach darunter ist erfreulich groß, kein Wunder bei der hohen Ladekante.

Adaptives Fahrwerk in 2 Stufen

Beim Interieur wird das Ansinnen der Designer deutlich, hochwertige Werkstoffe und Verarbeitungstechnik mit ansprechendem Aussehen zu verbinden. Die obere Fläche ist unterschäumt, darunter ist Hartplastik installiert, das aber auf Kundenwunsch (natürlich gegen Aufpreis) mit Klavierlack überzogen wird. Die Bedienung ist übersichtlich und kein Vergleich zu den verwirrenden Knopf-Orgien früherer Modelle.

Allerdings trüben die aus vorherigen Generationen bekannten Hartplastik-Lenkradhebel ein wenig den guten Gesamteindruck. In der Mittelkonsole prangt unübersehbar ein Sieben-Zoll-Monitor. Der Touchscreen ist das zentrale Bedienelement, mit dem das Smartphone und dessen Apps, wie beim Adam per IntelliLink, eingebunden wird. Dabei ist es völlig egal, ob es sich um Android- oder Apple-Gerät handelt.

Die Bedienung ist im Großen und Ganzen einfach. Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit findet man sich auch in den Tiefen der Menüs zurecht. Dass die Navigations-Ansage bisweilen Probleme mit der deutschen Grammatik hat, ist als harmlose Kinderkrankheit anzusehen.

Adaptives Fahrwerk in 2 Stufen

Wer sich für den Corsa entscheidet, hat die Wahl zwischen zwei Fahrwerks-Abstimmungen: Das Komfortchassis kommt bei Reifengrößen zwischen 14 und 16 Zoll zum Einsatz, das Sportfahrwerk rollt auf 16 und 17-Zoll-Pneus. "Die Lenkung ist direkter und das ESP ist dynamischer abgestimmt" erklärt dazu der Corsa-Chefentwickler Andreas Zipser.

Auf kurvigen Strecken macht die Einstellung "Sport" im Zusammenspiel mit der neuen, elektromechanischen Lenkung Spaß. Der Opel lenkt agil ein, die Steuerung ist präzise und es dauert eine ganze Weile, ehe die Vorderräder in Kurven zu pfeifen beginnen, womit sich das Untersteuern ankündigt.

So ein straffes Fahrwerk wirkt sich natürlich leicht negativ auf die Abstimmung aus, die sich vor allem bei schlechteren Straßen bemerkbar macht, indem die gesamte Besatzung heftig durchgeschüttelt wird. Die kleinen 17-Zoll-Räder, die am Testmodell montiert waren, trugen sicher dazu bei – eine gute Alternative ist wahrscheinlich die Komfort-Abstimmung mit 16-Zöllern.

Kleinwagen mit vielen Assistenten

Das übersichtliche Kombi-Instrument gefällt durch seine Schlichtheit, auch wenn die Anzeigen nur weiß leuchten. Der Fahrer hat alles sofort im Blick.

Ein dickes Plus heimst der Kleinwagen-Opel bei den Assistenzsystemen ein: Ein Frontkollisionswarner, ein Toter-Winkel-Assistent, eine Verkehrsschild-Erkennung und ein Spurhalte-Assistent sind unter anderem in der fünften Generation des Corsa zu haben.

Das erhöht die Sicherheit merklich; gerade für Fahranfänger ein starkes Kauf-Argument.

Bis Tempo 150 geht es zügig voran

Der neue Ein-Liter-Dreizylinder-Turbo beeindruckt durch seine Laufruhe. Das ist einer Ausgleichwelle zu verdanken. Solange es im Stadt- und im Landstraßen-Tempo vorangeht, spielt das Aggregat auch seine Stärken mit 115 PS und einem maximalen Drehmoment von 170 Newtonmetern aus: Nach 10,3 Sekunden frühestens sind 100 km/h erreicht, erst bei 195 km/h ist Schluss.

Dass der neue Motor dabei nach NEFZ-Norm nur fünf Liter pro 100 Kilometer braucht (in der Realität dürfte es mindestens ein Liter mehr sein), macht das Paket nur noch verlockender. Klingt recht dynamisch, ist es auch, bis zu einer Geschwindigkeit von rund 150 km/h. Um den 1,2 Tonnen schweren Corsa auf Höchstgeschwindigkeit zu bringen, muss man ihn im fünften Gang hochprügeln, da der sechste zu lang übersetzt ist.

Allerdings ist fraglich, ob das allzu oft geschieht; denn als Kleinwagen ist der Corsa nicht für lange Autobahntouren konzipiert und wird von seinen Eigentümern sicher auch nicht vordringlich dort eingesetzt werden. Das manuelle Sechsganggetriebe fällt zudem durch lange Schaltwege auf. Alternativ gibt es eine Sechsstufenautomatik.

Der neue Opel-Kleinwagen steht ab Ende des Jahres zu Preisen ab 11.980 Euro (70-PS-Dreitürer) beim Händler. Der familienfreundliche Fünftürer kostet 750 Euro mehr. Der Einstiegs-Renault-Clio ist für rund 2.000 Euro weniger zu haben, für den Polo 1.0-Trendline müssen 620 Euro mehr hingeblättert werden, allerdings hat das Grundmodell von VW zehn PS weniger. Der günstigste Skoda Fabia mit 60 PS kostet laut Preisliste ab 11.790 Euro.

Mehr Informationen zum neuen Opel Corsa E in der Bildergalerie.

Stärken

 
  • Zeitgemäße Assistenzsysteme
  • laufruhiger Dreizylinder
  • frisches Aussehen

Schwächen

 
  • Plastik-Lenkradhebel; Ladekante zu hoch
Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll